Employer Branding und Recruiting im Social-Media-Zeitalter
16. August 2011 um 8:07 von Philipp Strobel
Es gibt immer mehr Unternehmen, die über soziale Netzwerke wie Facebook, Linkedin, Xing oder Twitter nach Mitarbeitern suchen. Dies ist Ergebnis einer Recherche vom Manager Magazin Online unter Deutschlands 60 größten Firmen. Demnach nutzen beispielsweise die Deutsche Post und Lufthansa Facebook, um auf ihre Stellenausschreibungen in ihren eigenen Karriereportalen aufmerksam zu machen. Zudem beantworten sie Fragen rund um Bewerbungen und aktuelle Stellen im Unternehmen. Das Social Web hilft auch bei der Vermittlung von Angestellten über Empfehlungen: Bei der Deutschen Telekom erfolgen beispielsweise ein Viertel der Einstellungen aufgrund von Empfehlungen.
Laut dem Magazin suchen auch die Personalabteilungen von Hermes-Logistik, dem Softwarekonzern SAP oder dem Chemiekonzern Boeringer Ingelheim auf Xing gezielt nach Profilen von Personen, die nach neuen Herausforderungen suchen. Bei SAP spricht die Personalabteilung Xing-Mitglieder über die Gruppe „sapdach” auf offene Stellen an und hat darüber bereits zehn Leute eingestellt – Tendenz steigend.
Dass viele Unternehmen das Social Web nutzen, um ihre Arbeitgebermarke zu fördern und um Personal zu rekrutieren, hat auch eine Studie der Wiesbaden Business School in Zusammenarbeit mit der Karriereplattfrom Talential zum Thema „Nutzung von Social Media im Employer Branding und Recruiting” im Herbst 2010 gezeigt. Unter den Befragten Fach- und Führungskräften gaben 67 Prozent an, Ziel ihrer Social-Media-Aktivitäten wäre das Recruiting von Mitarbeitern und 62 Prozent nannten den Aufbau einer Arbeitgebermarke als Ziel. Unterdessen waren nur 21 Prozent der Befragten zufrieden mit den Social-Media-Erfolgen für das Recruting und nur 18 Prozent sagten, sie könnten Erfolge beim Aufbau ihrer Arbeitgebermarke über das Social Web verzeichnen.
Dabei stellt sich die Frage, wie Unternehmen diese Erfolge steigern könnten. Auf Bewerber-Seite nachgefragt, finden sich hierzu mögliche Antworten: Eine Online-Befragung zum Thema „Beruf und soziale Netzwerke” durch den Student Monitor UG und PersonalMarketing 2null.de im Mai 2011 hat gezeigt, dass 91 Prozent der Bewerber die Websites der Unternehmen regelmäßig bei der Jobsuche nutzen, um sich über den Arbeitgeber zu informieren. Bereits jeder Zweite informiert sich derzeit auf Facebook. Zudem besuchen 37 Prozent Xing, 12 Prozent Linkedin und elf Prozent Twitter, um Informationen über den Arbeitgeber einzuholen. Doch obwohl sich Bewerber offensichtlich gerne auf den Websites der Unternehmens tummeln, um wertvolle Details zu erfahren, bewerben sich 69,2 Prozent bevorzugt per E-Mail, 15,8 Prozent via schriftlicher Bewerbung – und nur 9 Prozent via Webformular. Das ist Ergebnis einer Untersuchung der Universitäten Bamberg und Frankfurt sowie der Monster AG im Januar 2011. Formulare und undurchsichtige Online-Bewerbungsprozesse scheint die „Generation Facebook“ als Relikt aus der „Steinzeit” des Internets zu sehen.
Daraus lässt sich schließen, dass es für Unternehmen in der nächsten Zeit wichtig sein wird, den Online-Bewerbungsprozess zu verschlanken. Ein Schritt in diese Richtung könnte der „Apply-with-LinkedIn”-Button sein, über den kürzlich auch E-Recruiting-Expertin Eva Zils in ihrem Blog „Online-Recruiting.net” berichtete. Es ist Unternehmen möglich, diesen Button in ein Stellenangebot zu integrieren. So können sich Kandidaten direkt mit ihrem LinkedIn-Profil auf die vakante Stelle bewerben. Auch die Facebook-Recruiting-App von Monster, BeKnown, dürfte für das Recruiting in nächster Zeit spannend werden. Mit der App können Facebook-Mitglieder ein berufliches Netzwerk knüpfen, ohne dass Personaler deren private Aktivitäten zu Gesicht bekommen. Jobsuchende können sehen, wer aus ihrem BeKnown-Netzwerk Unternehmen und Karrieremöglichkeiten kennt, die für sie interessant sein könnten. Zukünftig soll es auch Möglichkeiten zur Mitarbeiterempfehlung geben, wobei Facebook-Nutzer bei erfolgreicher Empfehlung eines Kandidaten bares Geld erhalten sollen – Jobempfehlungen 2.0 also, die sicherlich virale Effekte mit sich bringen und somit zu einem nützlichen Hilfsmittel beim Recruiting werden können.
Ein nächster Schritt sollte für Unternehmen auch sein, ihre Social-Media-Präsenzen in den Bereichen Employer Branding und Recruiting mit den Karrierebereichen ihrer Websites zu verzahnen, denn dort informieren sich die Bewerber schließlich. Offenbar gibt es noch viel zu tun, um das Potenzial des Social Webs für das Employer Branding und das Recruiting besser auszunutzen. Wir fragen uns, wie HR-Experten dies einschätzen? Wir sind neugierig und werden das Thema in den kommenden Tagen weiter auf unserem Blog beleuchten und Personalexperten dazu befragen.
Das schreibt die Presse über myON-ID Media im Juni
14. Juli 2011 um 8:14 von Mario Grobholz
Im Juni stand der Start des Social-Web-TV-Formats bei Siemens im Mittelpunkt der Berichterstattung, ebenso wie unsere Kooperation mit Amiando, über die unser Partner nun auch Ausrichtern von Kongressen, Messen, Events und anderen Veranstaltern die iMedia Lounge anbietet, beispielsweise zur Einrichtung eines Social Media Newsrooms. Auch Möglichkeiten zum Einsatz von Social Media in Handelskonzernen haben wir journalistisch beleuchtet.
„Der Social-Media-Technologieanbieter myON-ID Media hat für Siemens-Electrogeräte ein Social-Media-TV-Format auf der Siemens-Homepage gestartet. Die monatliche Sendung mit dem Namen ‘coolNews’ ist für Hausgeräte-Endverbraucher konzipiert und beschäftigt sich mit Themen zum Kühlen und Gefrieren“, berichtete Adzine.de Anfang Juni. „myON-ID Media setzt bei seinem Social-Web-TV-Konzept auf Youtube, da sich ‘dadurch Lösungen kostengünstig und hochskalierbar verwirklichen lassen’,“ erklärte medienmilch.de dazu. Auch CPMonitor.de und die lokale Seite B4BOberbayern.de schrieben über unsere Social-Web-TV-Lösung bei Siemens.
Über unsere Zusammenarbeit mit amiando, Europas führendem Anbieter für Online-Eventregistrierung und Ticketing, haben Veranstalter die Möglichkeit, die iMedia Lounge, das Social Media Content Management System (SCMS), zu nutzen, um ihre bestehenden Social-Media-Aktivitäten auf ihre eigene Website aggregieren. Das haben ebenfalls Adzine.de und der Blachreport ihren Lesern mitgeteilt.
IT-Director veröffentlichte zudem online in einem Special für Handelskonzerne einen Artikel, in dem wir erklären, wie Handelsunternehmen Social Media vom Kommunikations- zum E-Business-Instrument wandeln können. „Zu den Zielsetzungen der heutigen Social-Media-Kampagnen gehören häufig eine engere Kundennähe und ein verbessertes Image. Im Idealfall aber sollten die Social-Web-Aktivitäten auch die monetäre Zielsetzung der Unternehmen unterstützen. Facebook, Twitter, Youtube, Flickr und Co. sind der ideale Ort für die Zielgruppenansprache – gekostet und gekauft wird nach wie vor auf der Corporate Website des Händlers“, so wurden wir unter anderem zitiert.
Bei Ruflotse standen weiterhin unsere Forsa-Studie zu Urlaubsfotos, die Eltern 0-6jähriger Kinder im Internet veröffentlichen, unser Facebook-Sicherheitspaket, die Facebook-Gesichtserkennung und der Reputations-Management-Markt im Fokus der Berichterstattung. Details haben wir hier im Reputations-Magazin von Ruflotse zusammengefasst.
Wir bedanken uns bei den Redakteuren für die Berichterstattung und die angenehme Zusammenarbeit!
Das schrieb die Presse im Mai
Das schrieb die Presse im April
Das schrieb die Presse im März
Social Media und Marke: Adidas setzt beim Marketing voll auf Social Media.
9. Dezember 2010 um 8:30 von Mario Grobholz
Der deutsche Sportwarenhersteller setzt zukünftig den Großteil seines Werbeetats für Marketing über Social Media ein. Grund dafür ist die große Online-Aktivität der jungen Zielgruppe von Adidas und die Möglichkeit mit Social Media rund um die Uhr Menschen zu erreichen. Gleichzeitig schenkt Adidas dem Feedback seiner Kunden vollste Aufmerksamkeit.
In den letzten Blogbeiträgen haben wir bereits das Engagement des Fußballclubs Real Madrid im Social Web und die Danke-Aktion des Sportwagenherstellers Porsche über Facebook vorgestellt. Heute widmen wir uns Adidas und Social Media. Das Unternehmen konzentriert sich bei der Umsetzung seiner Marketing Aktionen fortan auf das Social Web. Klassische Marketing Tools wie Fernsehspots oder Anzeigen werden nur noch begleitend gebucht. So fließt der Hauptteil der anderthalb Milliarden Euro, die der Sportwarenkonzern 2010 vermutlich für Werbung ausgeben wird, an Facebook und Co.
Grund dieser Veränderung ist das Verhalten von Jugendlichen, der wohl wichtigsten Zielgruppe des fränkischen Unternehmens. Sie verbringen viel Zeit im Social Web und sind dort oft stark vernetzt. Folglich erreicht man sie über Youtube und Twitter stärker als über andere Medien. Adidas folgt hier dem Trend. Es nutzt bekannte, internationale Social Media Dienste wie Facebook oder veröffentlicht seine Werbevideos über Youtube. In Ländern wie Russland und China, welche einen hohe Anteil Jugendlicher
haben, ist Adidas weiter auch national auf vkontakte.ru, renren.com oder dem japanischen mixi.jp vertreten.
Adidas nutzt Social Media als Plattform für eine Kommunikation mit seinen Kunden und wertet deren Feedback über Werbung und Produkte aus: “Wir ziehen sehr stark Informationen aus den Kommentaren im Internet”, sagt Adidas-Vorstand Erich Stamminger dem Handelsblatt. Die Strategie geht auf und Adidas kommt bei den Social Media Nutzer an, das zeigen der Firma ihre 6 Millionen Facebook-Fans. Die Kombination Social Media und Adidas findet auch der schottische Schuhdesigner Gerry McKay toll und entwarf Facebook- und Twitterschuhe im Adidas-Design.
Weitere Artikel zu “Social Media und Marke”:
Social Media und Marke: Auf geht´s Bayern – so wie einst … Real Madrid gewinnt täglich 20.000 neue Facebook-Fans.
7. Dezember 2010 um 9:28 von Mario Grobholz
Der Fußballverein aus der spanischen Hauptstadt nutzt Social Media in erster Linie zur Bindung seiner Fans und – wenn auch sehr zurückhaltend – als Einnahmequelle. Dabei bringt der Verein in der Kommunikation auch Verständnis für verärgerte Fans auf.
Die Leidenschaft Fußball hat leidenschaftliche Fans, die sowohl positiv als auch negativ emotional sein können. Oscar Ugaz, Digital-Chef bei Real Madrid, zeigt im Interview mit W&V Akzeptanz, wenn der Verein auch einmal negatives Feedback seiner Fans über Social Media erhält, solange dies nicht in persönliche Angriffe oder Beleidigungen ausartet. Real Madrid ist innerhalb seiner Social Media Strategie auf Facebook, Twitter, Youtube, und auch national im spanischen Netzwerk Tuenti vertreten. Kommunikation steht klar im Vordergrund und Real Madrid setzt hier auf die direkte, schnelle Wirkung von Aktionen und Nachrichten. Durch Empfehlungen und die Stärke der Marke Real Madrid kommen täglich etwa 20.000 Facebook-Fans hinzu. Da ist klar, dass der Verein eine Anzeigenschaltung zur Bekanntmachung nicht nötig hat.
Auch bindet der Verein Social Media in sein Marketing ein. Seit Kurzem gibt es das Social Game Real Madrid Fantasy Manager bei Facebook und iPhone. Dafür können von den Spielern virtuelle Güter zur Verbesserung der Mannschaft gekauft werden. Real Madrid experimentiert weiter hinsichtlich neuer Möglichkeiten und Angebote.
Real Madrid sieht seine Social Media Aktivitäten als ernstzunehmende Aufgabe. Der Fußballverein bewegt sich mit einer klaren Geschichte, Offenheit für Kommunikation und dem Bewusstsein, dass Social Media kein launiger Trend ist, in Social Media. „Das Schlimmste ist einfach reinzuspringen, nur weil alle reinspringen,“ so Oscar Ugaz in Interview.
Wir beobachten gespannt wie sich andere europäische Spitzenclubs in den nächsten Monaten im Social Web präsentieren und engagieren.
Weitere Artikel zu “Social Media und Marke”:
Twittert eigentlich der Weihnachtsmann und ist das Christkind Mitglied bei Facebook? Eine kleine Social Media Geschichte im Advent.
6. Dezember 2010 um 8:25 von Mario Grobholz
Weihnachten rückt näher und da kam uns die Idee einmal nachzusehen, ob denn Nikolaus, Christkind und Co. auch im Social Web unterwegs sind. Am fleißigsten ist hier wohl der NORAD Tracks Santa, der seit 1955 erst telefonisch und nun auch über das Social Web kleinen und großen Kindern eine Freude bereitet.
Auf der eigenen Homepage des Weihnachtsmann können Kinder in 7 Sprachen den Weihnachtscountdown bis zum Heiligen Abend mitverfolgen. Die Erfolgsgeschichte begann 1955, als das amerikanische Bekleidungsunternehmen Sears in einer Anzeige eine Telefonnummer des Weihnachtsmanns abdruckte und Kinder aufforderte dort anzurufen. Fälschlicherweise führte die Telefonnummer zum NORAD (North American Aerospace Defense Command). Doch das Militär enttäuschte die Kinder nicht und teilte jedem Anrufer den derzeitigen Aufenthaltsort des Weihnachtsmanns von seiner Reise vom Nordpol in den Süden mit.
In Zeiten von Social Media beantworten die freiwilligen Helfer in der Weihnachtszeit nun nicht nur 70.000 Emails aus 200 Ländern. Der NORAD Santa schreibt auch ab 1. Dezember täglich an seine Pinnwand bei Facebook, wo seine Fans auch darüber diskutieren, ob es ihn nun gibt oder nicht. Seine Liebe zu Cookies teilt er großen und kleinen Kinder gerne in seinen Tweets mit.
Nicht ganz so bekannt wie die Facebook-Seite des amerikanischen Kollegen ist die des Nürnberger Christkinds, das via Social Web zu seinem Weihnachtsmarkt in die fränkische Stadt einlädt. Wer die Existenz des Christkinds bezweifelt, der kann ihm hier schreiben – mal sehen, ob es antwortet.
Expertenmeinung: Wilfried Schock über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
25. Mai 2010 um 9:05 von Mario Grobholz
Wir freuen uns, heute Wilfried Schock bei uns begrüßen zu dürfen. Wilfried Schock ist Jahrgang 1957, aktiver Blogger, Twitterer, CRM Profi, Geschäftsführer von Social Network Marketing sowie absoluter Social Media-Befürworter. Die unterschiedlichen Entwicklungen und Prognosen der Nutzung von Sozialen Medien im deutschprachigen Markt hat er für uns wie folgt beantwortet.
Denken Sie, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
WS: Social Media wird ohne Zweifel für Unternehmen zu einem Standard werden. Alles andere hieße sich dem Dialog mit dem Markt und seinen Kunden zumindest teilweise zu verweigern. Ob Social Media als Social Media Marketing „nur“ zu einem Standardbestandteil des Marketings wird, hängt von den Unternehmen ab. Beachtet man die mögliche Nutzenstiftung von Social Media wird deutlich, das auch PR, Marktforschung, Produktentwicklung, Support und Vertrieb ganz wesentlich von Social Media profitieren können.
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
WS: In der Praxis wird es darauf hinauslaufen, das Social Media von dem Bereich federführend umgesetzt wird, der dieses Instrument zuerst für sich nutzt. Dies dürfte das Marketing sein. Alternativ wäre aber auch eine eigenständige Funktion Social Media mit Schnittstellen zu allen tangierten Bereichen sinnvoll.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
WS: Aktuell sind viele Unternehmen in einer eher experimentiell geprägten Phase, in der primär der Umgang mit Social Media erarbeitet und vorrangig Kommunikationsziele angestrebt werden. An messbaren Zielen bietet Social Media eine große Bandbreite – sowohl was die Funktionen angeht, als auch was die Messbarkeit der Wirkung von Social Media betrifft. ebay hat ja schon vor Jahren die direkte wirtschaftliche Bedeutung von Social Media in einer groß angelegten Studie belegen können. Die Aussage, das Social Media nur schwer oder nur sehr indirekt messbare Ergebnisse produzieren kann, teile ich nicht. Es mangelt eher an der Orientierung an machbaren metrics bei der Entwicklung und Umsetzung von Social Media Konzepten.
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
WS: Da stellt sich vor zuerst die Frage nach den Beurteilungskriterien für erfolgreich. Proctor & Gamble sprechen davon das Social Media effizienter ist als alle anderen Marketingtools. Konkrete, nachprüfbare Ergebnisse werden aber nicht vorgestellt. Nikeplus gilt als erfolgreiches Social Media Konzept, aber ein genauerer Blick auf die praktische Nutzung und die Struktur des Social Media Konzepts lassen zumindest deutliche Optimierungsmöglichkeiten erkennen.
MountainDew belegt mit seiner DEWmocrazy beachtliche Ergebnisse in der Einbindung von Kunden in die Produktentwicklung (crowdsourcing). In ganz anderem Maßstab gefällt mir das Beispiel des Wasenwirt (Cannstatter Volksfest, die Nr. 2 hinter der Wiesn), der via Facebook eine Reichweite von über 5000 Nutzern aufgebaut hat und sie für Neukundengewinnung und Kundenbindung nutzt. Hier ist der Social Media Ansatz zwar sehr rudimentär aber bezogen auf das Unternehmen und die Branche dahinter schon wieder interessant.
H&M agieren mit Social Media, was von außen erkennbar ist, zeigt aber noch eine stärkere Orientierung an Kampagnendenken. Coca Cola versucht Social Media auf vielfältige Weise zu nutzen, wenngleich auch nicht immer mit großem Erfolg. Die Expedition 206 stellt – im Vergleich mit dem Vorgehen der Pepsi-Tochter Mountain Dew – eine sehr eigenständige Vorgehensweise dar. Nach Google Trends ist dieser Ansatz allerdings nicht unbedingt von höherer reichweitenbildender Qualität zu sein.
An Beispielen für den Einsatz von Social Media mangelt es weniger. Nach guten Beispielen, in denen Social Media in seiner ganzen Qualität genutzt wird, kann schon deshalb nicht viel zu sehen sein, weil auch die großen Unternehmen Social Media erst seit relativ kurzer Zeit und eher experimentell einsetzen. In der Regel kranken die meisten Aktivitäten an größeren handwerklichen Problemen – insbesondere der Qualität der Profile und der Vernetzung – und an konzeptionellen Defiziten oder Selbstbeschränkungen – hier insbesondere an der Möglichkeit der Partizipation.
Wir bedanken uns bei Wilfried Schock für das Interview – und freuen uns natürlich auf eure Kommentare, Feedback, Anregungen und Republikationen!
Expertenmeinung: Jan Hendrik Senf zur Nutzung von Social Media in Unternehmen
10. Mai 2010 um 9:00 von Mario Grobholz
Unser heutiger Interviewpartner ist Jan Hendrik Senf. Der sympathische Berliner ist Berater und Begleiter für Effektivität und Effizienz in Social Media. Er hat u.a. für und mit MTV, PRINZ Berlin, Berlin.de, tip Stadtmagazin Berlin, Ein Hartz für Berlin Spendengala und Steinbeis SMI gearbeitet. Im März 2010 hat er den ersten Twittwoch-Praxisworkshop in Berlin geleitet. Der Workshop ist Teil der neuen Workshop-Reihe des Twittwoch e.V. (Veranstaltung zu Social Media in Unternehmen) und wird am 27. Mai auch in München angeboten.
Hier seine Antworten auf unsere Fragen zur Nutzung von Social Media in Unternehmen:
JHS: Jeder Berater, der das behauptet, gehört aus meiner Sicht geohrfeigt. Natürlich ist es immer wieder erfreulich, zu sehen, dass es in den allermeisten Fällen dann doch extrem passt. Dass das individuelle Potenzial eines Unternehmens, sinnvoll und mit Mehrwert für alle Seiten in Social Media aktiv zu werden, einem förmlich entgegenspringt. Und dass man deshalb eigentlich besser gestern als morgen damit hätte anfangen sollen, dieses Potenzial in neue Prozesse zu übertragen.
Ich finde es immer wieder auf ein Neues toll und aufregend, Firmen und deren Mitarbeitern zu helfen, sich durch Social Media in der Aussenwirkung von einer langweiligen Raupe in einen bunt schillernden Schmetterling mit souverän lockerem Flügelschlag zu verwandeln. Doch es gibt aus meiner Sicht eben auch einige Fälle, in denen das nicht sinnvoll und auch überhaupt nicht zielführend ist. Warum sollte zum Beispiel ein Hersteller von Spezialschrauben für Brückenpfeiler eine Facebook-Fanpage oder einen twitter-Account pflegen? Da gibt es sicher genügend dringende Dinge, mit denen die Zeit dort sinnvoller verbracht werden kann.
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
JHS: In der Geschäftsführung. Ein Traum. Ich denke, es geht nichts über die Vorbildfunktion einer professionell in Social Media agierenden Unternehmensleitung. Die nicht nur Ressourcen und Respekt für Social Media einräumt, sondern aktiv und kompetent einbezogen ist. So etwas hat intern einfach eine starke Signalwirkung und setzt aus meiner Sicht nicht zu unterschätzende, hohe transformatorische Energien für Unternehmen frei.
Bis es in der Mehrzahl der in Social Media aktiven Unternehmen soweit ist, dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen. In den meisten Fällen ist es ja doch so, dass schon viel gewonnen ist, wenn die Chefetage den Entschluss gefasst hat, erste Schritte konsequent und strukturiert gehen zu wollen. Und die hierfür notwendigen Möglichkeiten schafft, also Projektteams genehmigt und Mitarbeiter mit dem notwendigen Zeitkontingent inthronisiert. Gerade das ist aus meiner Erfahrung immer wieder ein sich erst langsam einpendelnder Verständnisbildungsprozess.
Operativ tätige Social Media Manager bzw. mit den Aufgaben betreute Mitarbeiter klagen nach einer ersten Phase der Begeisterung nach ein paar Wochen oft schnell über zu wenig Zeit für die Pflege der neuen, oft nur individuell sinnvoll zu pflegenden, digitalen Dependancen. Das ist schade, denn Social Media Aktivitäten geschehen nicht umsonst, sondern haben nachhaltig wirkende und bleibende, fast immer überwiegend positive Konsequenzen für Unternehmen.
Sie lassen sich aber letztlich trotz oftmals kostenlos nutzbarer Dienste auch nicht umsonst realisieren. Arbeitszeit kostet immer Geld. Wir sprechen hier ja von den so genannten Opportunitätskosten. Bedeutet: Die Zeit, die jemand für Social Media aufwendet, kann im besten Fall sinnvoll sein. Sie geht aber immer zu Lasten anderer Aufgaben. Es wäre schön, wenn hier mehr Wertschätzung innerhalb der Unternehmen stattfinden könnte. Wenn entsprechende Mitarbeiter konsequent genügend Zeit zur Verfügung gestellt bekommen würden. Doch zurück zur eigentlichen Frage: Aus meiner Sicht gibt es ungefähr fünf sinnvolle Optionen.
Option 1: Ein Mitarbeiter übernimmt die Social Media Aktivitäten und es werden klare Prozesse für den internen Kommunikationsfluss in Richtung dieses Mitarbeiter aufgesetzt.
Vorteile: Konsistent in der Aussenwirkung; wenig operativer Abstimmungsaufwand bzgl. Pflege der verschiedenen Kanäle; klare Zuständigkeit und Ansprechperson intern und extern.
Nachteile: Gefahr von Hoheitswissen; Gefahr der mangelhaften Reflexion des eigenen Tenor als Unternehmensrepräsentant; interner Verwaltungsaufwand und mangelnde Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung sowie keine fachliche Kompetenz in Bezug auf die weitergetragenen und eventuell von Nutzern kommentierten und mit Fragen versehenen Meldungen.
Option 2: Mehrere Mitarbeiter (z.B. 2 – 3) aus einer Abteilung übernehmen die Social Media Aktivitäten, sinnvollerweise aus der Marketing-/ Kommunikations- / Redaktions- Abteilung.
Vorteile: Gemeinsame Lernkurve und hoher Reflexions- und Austauschgrad; Passung in die sonstige Kommunikationskultur; Nähe zu den zur Verfügung stehenden bzw. zu kommunizierenden Inhalten. Vertreung im Urlaubsfall möglich und Vermeidung von Hoheitswissen.
Nachteile: Erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich verteilte Aktivität; Abstimmungsaufwand bzgl. zu erledigender o. bereits erledigter operativer Tätigkeiten; sinnvolle Notwendigkeit, um Nutzer nicht zu verwirren: Verwendung von Kürzeln an gesendeten Meldungen.
Option 3: Mehrere Mitarbeiter (z.B. 4 – 5) aus verschiedenen Abteilungen übernehmen die Social Media Aktivitäten.
Vorteile: Hoher Abdeckungsgrad der kommunizierten Unternehmensaktivitäten; Zusammenarbeit und hierdurch gegenseitiges Verständnis der verschiedenen Abteilung; positive Wahrnehmung durch die Nutzer und Verfügbarkeit kompetenter Ansprechpartner aus dem Unternehmen; Notwendigkeit der Nutzung kollaborativer Tools im operativen Daily Business = Transformationspotenzial für die Unternehmenskultur.
Nachteile: Langer Prozess der Findung des individuellen Unternehmenstenors in der Aussenkommunikation durch Social Media; Notwendigkeit von deutlichen Social Media Richtlinien und gemeinsam festgelegten Zielen und Vorgehensweisen.
Option 4: Ein Social Media Desk wird in der Marketing-/ Kommunikations- / Redaktions- Abteilung o.ä. eingerichtet und es findet ein Rotationsverfahren der Zuständigkeit statt. Vorteil: Wer am Desk sitzt, ist – z.B. für eine Stunde – ausschließlich in Social Media aktiv. Hierdurch kann, für alle Seiten sinnvoll, ein effizienter und effektiver Umgang mit der knappen Ressource Zeit stattfinden. Alle beteiligten Mitarbeiter sind in einem vertretbaren und klar überschaubaren Rahmen eingebunden und können theoretisch die gleiche Lernkurve haben. Jede Social Media Aktivität wird zu einer klar greifbaren und abgrenzbaren Tätigkeit. Prokrastinierung wird verhindert. Nachteil: Hoher Abstimmungsaufwand in Bezug auf zu erledigende oder bereits erledigte Dinge; langsame Resonanzprozesse in Bezug auf individuelle Nutzerbeziehungen und Aktionen.
Option 5: Alle Mitarbeiter des Unternehmens sind in die Social Media Aktivitäten eingebunden.
Vorteile: Exponentielle Steigerung des gesamten Kommunikationsoutput; implizierter Weiterbildungsaspekt für alle Mitarbeiter; hohes Transformationspotenzial für die Unternehmenskultur; schnelle Reaktionszeiten aus Nutzersicht; starke und positiv wahrgenommene Aussenwirkung einer derartigen Unternehmenskultur. Nachteile: Starker Bedarf nach Guidelines und Richtlinien; Verwaltungsaufwand bzgl. Rechten und Log-Ins etc.; mangelndes Sendungsbewusstsein bei einem Teil der Mitarbeiter = erzwungenes und somit kontraproduktives Kommunikationsverhalten.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
JHS: Leider aus meiner Sicht oft entweder viel zu viele oder viel zu wenige. Ich denke, es kommt auf eine gesunde Mischung von messbaren und nichtmessbaren Zielen an. Und die Kompetenz, die Relevanz von diesen – sowohl insgesamt als auch untereinander – unterscheiden zu können. Albert Einstein hat einmal etwas sehr treffendes hierzu gesagt: “Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles, was gezählt werden kann, zählt.” Unabhängig davon: So individuell wie die Unternehmen und deren Potenzial für eine sinnvolle Nutzung von Social Media, so unterschiedlich bemisst sich doch letztlich immer auch Erfolg. Blogposts und Beiträge bzgl. der vermeintlich zu messenden Ziele gibt es ja zu Genüge. Ich möchte deshalb lieber dazu anregen, diese erst einmal vorab selbst im Unternehmen zu entwickeln. Hierzu hat sich aus meiner Sicht die intensive und schriftliche Beantwortung der folgenden 10 Punkte bewährt:
- 1. Was soll erreicht werden?
- 2. Warum Social Media?
- 3. Welche Art von Social Media hilft optimal, um die Ziele zu erreichen?
- 4. Wie bereit sind wir, die Kontrolle – zumindest partiell – abzugeben?
- 5. Wie soll Partizipation erzeugt werden?
- 6. Wer wird die Social Media Präsenz(en) pflegen?
- 7. Wieviele Ressourcen sind vorhanden, um eine kurzlebige Kampagne zu vermeiden?
- 8. Wie passt die Nutzeraktivierung über Social Media in die allgemeine Marketing / Kommunikationsstrategie?
- 9. Wie wird Erfolg gemessen? Was sind Fehler?
- 10. Was wird vernachlässigt, wenn Ressourcen für Social Media aufgewendet werden?
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
JHS: Meine Kunden. Mich selbst. Ok, Spaß beiseite: Wenn ich so darüber nachdenke, dann sind das extrem viele. Einfacher und weitaus platzsparender wäre es wohl, jene aufzuzählen, bei denen es nicht so gut läuft. Die sich leider nicht von der Raupe zum Schmetterling entwickelt haben. Obwohl: Da müsste ich jetzt aber auch ganz schön nachdenken. Und das ist doch mal wirklich großartig, erfreulich und motivierend.
Wir bedanken uns bei Jan-Hendrik Senf für das Interview – und freuen uns natürlich auf eure Kommentare, Feedback, Anregungen und Republikationen!
Sie fanden das Experten-Interview mit Jan-Hendrik Senf interessant? Dann lesen Sie hier weiter:
- Christoph Bauer über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Michael Reuter über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Nils Hitze über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Marc Frey über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Frank Wolf (T-Systems) über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Christoph Hölzlwimmer über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
Social Media zum Kuscheln: Wie Buchstaben zu Helden werden
21. April 2010 um 9:04 von Mario Grobholz
In der heutigen Zeit sind die sogenannten „Sozialen Medien“ nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Privatpersonen wie auch Unternehmen haben den Vorteil der Nutzung von Social Media erkannt und setzen sie täglich ein. Dienste wie Twitter, Facebook, StudiVZ oder Xing sind inzwischen so beliebt, dass Menschen sich in ihrer Freizeit sogar damit beschäftigen, handgemachte T-Shirts, Accessoires, Seifen und vieles mehr mit dem Logo der Dienste herzustellen und über Online-Shops zu verkaufen.
Wie es scheint, haben diese Shops Erfolg und die Menschen Spaß daran, ihre selbst gemachten Produkte zu vermarkten. Das zeigt , welchen Stellenwert Social Media in unserer Gesellschaft eingenommen haben. Die Menschen identifizieren sich sehr stark im „echten Leben“ mit der virtuellen Welt. Das bedeutet: Social Media nisten sich in den Köpfen als Idole oder Helden ein. Früher hat man Sänger, Schauspieler und Boygroups angehimmelt - , heute schafft es eine Plattform wie Facebook als Kuscheldecke auf das heimische Sofa. Diese „neuen Helden“ feiern jetzt Einzug in unser Zuhause.
In diversen Online Shops kann man von Seife über Schmuck bis hin zu Babykleidung mit Twitter-, Facebook- oder RSS Feed- Logos kaufen. Die Leute machen selbst Werbung für ihre Produkte. Man liest dort Sätze wie „This fun to wear FACEBOOK FANATIC bracelet is for someone who can’t live without facebook and at risk to be a facebook stalker!“.
Dem kritischen Leser stellt sich nun die Frage, wie es zu dieser Verherrlichung kommt. Die Antwort kann sich nur jeder selbst geben. Allerdings könnte sich dieser Trend in eine Richtung entwickeln, in der es nur noch zwei Klassen gibt: Nutzer und Nicht-Nutzer, Befürworter und Gegner, Fans und Verweigerer.
Einige der Ideen sind natürlich durchaus sehr kreativ und lustig anzusehen. Und für diejenigen, die genügend Humor mitbringen, vielleicht sogar tragbar?
Neues von Twitter – nicht nur sicherer, sondern überall!
16. März 2010 um 4:55 von Martina Doherr
Twitter hat jüngst angekündigt, seinen Mikroblogging-Dienst künftig besser vor Phishing-Attacken zu schützen. Das Unternehmen führt einen Filter ein, der alle versendeten Links untersucht. So will man schädliche Websites erkennen und blockieren, bevor ein Nutzer sie besuchen kann. Genaueres erklärt Del Harvey, Leiterin des Teams „Trust and Safety“ im Blog. Außerdem soll Twitter mit der Funktion “@anywhere” unmittelbar mit verschieden Webseiten verknüpft werden.
Die Zahl der User-Accounts, die wegen verdächtigem oder betrügerischem Gebrauch gelöscht wurden, stieg laut dem Barracuda-Bericht Anfang 2009, als die Stars Twitter entdeckten, nur moderat an: von 2,37 Prozent im Januar auf 3,36 Prozent im April. Offensichtlich mussten die Kriminellen das Potenzial erst ausloten – erkannten es dann aber relativ schnell. Also kein Wunder, dass diverse Sicherheitsanbieter immer wieder vor Gefahren durch und bei Twitter warnten. Twitter selbst musste nach einem Phishing-Angriff 2010 auch schon einmal Kundenpasswörter zurücksetzen. Mit der Einführung eines Phishing-Filters für Twitter hat der Dienst endlich reagiert und sorgt nun für mehr Sicherheit in der Bloggosphäre, die bereits Anfang 2009 über das Thema diskutierte.
Twitter ist ein noch verhältnismäßig junges Medium im Bereich Social Media. Es gibt daneben auch Plattformen wie Facebook, das bereits mit rund 400 Millionen Nutzern zu einer der größten Communities der Welt zählt. Facebook ist so gut vernetzt, dass Informationen binnen Sekunden unter seinen Usern verbreitet werden können.
Hier setzt Twitter bald noch einen drauf: Zukünftig kann Twitter aufgerufen werden, ohne es zu nutzen. Wie genau das funktionieren soll, veröffentlichte der Dienst hier . Ähnlich wie bei “Facebook Connect” kann man sich mit “@anywhere” zukünftig mit seinem Twitter-Konto bei registrierten Partnerseiten anmelden. Diese sollen unter anderem Amazon, ebay, Yahoo und YouTube werden. Wann genau die Fans des Kurzgeschriebenen davon profitieren können, ist allerdings noch nicht öffentlich bekanntgegeben. Es bleibt mal wieder spannend…
Expertenmeinung: Frank Wolf von der T-Systems zum Thema Social Media Entwicklung in Unternehmen
1. März 2010 um 9:10 von Mario Grobholz
Es ist wieder Montag – und Montag bei myON-ID heißt: Interviewtag! Wie immer an dieser Stelle möchten wir hier einen waschechten Profi in Sachen Social Media und deren Nutzung in Unternehmen zu Wort kommen lassen – diesmal aus dem Hause der Deutschen Telekom.
Auch in Deutschland herrscht nunmehr ein größeres Bewusstsein für das Web 2.0, im Zusammenhang mit Social Media tauchen verstärkt große Namen auf: ob Firmen, Tageszeitungen, Vereine und Parteien – man bloggt, twittert und nutzt eigens entwickelte Applikationen für Plattformen wie beispielsweise Facebook. Ist das die Zukunft für erfolgreiche Unternehmen?

“Frank Wolf, unser heutiger Interviewpartner, ist Head of Social Business Solutions bei der T-Systems MMS, Experte auf den Gebieten Knowledge Management, Social Media und Intranet 2.0 und schreibt zu diesem Themen auch regelmäßig auf dem Blog seines Teams besser20.de. Sein neuestes Projekt, die Seite socialsoftwarematrix.org beschäftigt sich mit der Frage, welche Social Software Suiten für den Unternehmensgebrauch am besten geeignet sind.”
Wir haben ihm vier interessante Fragen gestellt, hier seine Antworten:
Denkst Du, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
Frank Wolf: Die Frage „Was können wir im (social) Web für unser Marketing tun?“ sollte auf jeden Fall zum Standard werden. Die Antwort wird aber noch längere Zeit sehr individuell ausfallen. Eine Privatbank mit Kunden jenseits der 50 wird für sich ganz andere Antworten finden, als ein Startup, das Apps für das iPhone programmiert. Diese sogenannten Technographic Profiles, nach denen man seine Kunden anhand deren Nutzungsgewohnheiten des Internets einordnen kann, sind auch regional sehr unterschiedlich. Der amerikanischen Privatbank mit den Kunden 50+ könnte man fast schon wieder raten, jetzt verstärkt auf Social Media Marketing zu setzen. Kein Wunder, dort sind fast 75% der Bevölkerung online, bei uns in Deutschland gerade 54%. (Quelle: http://www.internetworldstats.com/stats.htm)
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
Frank Wolf: Wir sprechen in unserem Blog immer mal wieder vom Chief Social Media Officer. Diese Position ist kein Muss, aber eines ist klar: der Auftritt im Web ist für Unternehmen schon lange kein rein technisches Thema mehr, sondern Kultur, Organisation und Technologie werden immer enger verwoben. Die beteiligten Bereiche wie HR, Marketing, IT, Fachbereiche oder Geschäftsführung müssen sich wesentlich besser koordinieren, denn die heute standardisierte Kommunikation nach außen wird zwangsläufig durch viele (authentischere) Stimmen abgelöst werden. Diese müssen nicht gleichgeschaltet sein, sollten aber im Kern alle dieselbe positive Botschaft des Unternehmens tragen. Das wird man zumindest für größere Unternehmen nur leisten, wenn dieses Thema sehr prominent platziert und koordiniert wird.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
Frank Wolf: Messbarkeit ist grundsätzlich ein riesiger Vorteil gegenüber klassischeren Kanälen. Es ist leicht zu messen, ob meine Botschaft ankommt (Anzahl der Leser), wen sie aktiviert (Kommentare, Klicks auf weitere Informationen oder einen Shop,…) und wen sie sogar zu meinen Botschaftern macht (Twitter, Facebook, Delicious, Blogs,…). Und alle diese Informationen gibt es in Echtzeit und einer Detaillierung von der klassische Werbung nur träumen kann. Erfolgsentscheidend ist dann, dass man wirklich auch in diesem neuem Tempo mitspielen kann und nicht nach der gesendeten Botschaft erschöpft und zufrieden ins lange Wochenende geht und eine sich entwickelnde Diskussion im Web vertrocknen lässt.
Welche Unternehmen kennst Du, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
Frank Wolf: In fast jeder Branche finden wir Vorreiter, die Social Media Kommunikation ausprobieren. Wir selbst machen z. B. mit besser20.de wirklich sehr gute Erfahrungen. Dieser Blog und das darum entstehende Gespräch bei Twitter, anderen Blogs oder auf Konferenzen ist für uns zu einer wichtigen Quelle von Kontakten, Inspiration und Wissen geworden, die wir nicht mehr missen wollen. Generell sind es vor allem kleinere Unternehmen und Ihre Social Media Aktivitäten wie z.B. der Saftblog oder die Westaflex GmbH, die mich begeistern. Dort sieht man was möglich ist, wenn Social Media zur Chefsache erklärt, und wirklich mit Leidenschaft betrieben wird. Wenn große Konzerne mit Ihren Budgets auch nur ansatzweise diese Konsequenz hätten, dann würden Sie für Ihr Geld viel mehr Marketing und viel mehr echtes Gespräch mit Ihren Kunden bekommen.








