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Geben und Nehmen: Interview mit Reputationsforscherin Susanna Wieseneder (Teil 3)

28. September 2007 um 7:00 von Mario Grobholz

Während es im ersten Teil des Interviews um die Bedeutung von Reputationsmanagement im Allgemeinen ging, hat uns Frau Wieseneder im zweiten Teil unseres Interviews einen kurzen Einblick in die Veränderungen des Personalrecrutings gegeben, so erhalten wir im dritten Teil nun Tipps um zukünftig besser den eigenen Ruf im Umfeld von Social Networks zu bestimmen und zu pflegen.

Mario Grobholz: Was raten Sie Menschen, über die bereits unliebsame Inhalte im Umlauf sind?

Susanna Wieseneder: In meiner Beratungstätigkeit werde ich regelmäßig mit solchen Fragen konfrontiert. Beispielsweise kommen immer wieder Manager auf mich zu, die zwar rasant aufsteigen, dann jedoch bei einem Firmenwechsel mit negativen Unternehmensmeldungen verabschiedet werden. Wittert ein Wechselwilliger solchen Gegenwind, sollte er vorbauen und einen sauberen Ausstieg verhandeln. Ist das Kind jedoch schon in den Brunnen gefallen, so muss man sehr genau abwägen, wie sich die Situation darstellt. Patentrezepte gibt es da keine. Eine begründete Distanzierung von solchen Vorwürfen, wie zum Beispiel über ein Profil bei myON-ID, kann in bestimmten Fällen sicherlich hilfreich sein. In anderen Fällen ist es jedoch erfolgversprechender, andere für sich sprechen zu lassen. Hierzu eignen sich Verbündete in Netzwerken, sowohl im Internet als auch in der Offline-Welt.

Mario Grobholz: Was sollten Internetnutzer beachten, wenn sie derartige Allianzen schmieden wollen?

Susanna Wieseneder: Ich rate jedem, strategisch vorzugehen. Klug ist es, bei der Kontaktaufnahme immer erst etwas zu geben und frühestens im zweiten Schritt dann auch um etwas zu bitten. Machen Sie Ihrem Gegenüber zunächst einmal klar, welchen Nutzen er davon hat, wenn er auf Ihren Kontaktwunsch eingeht. Anderenfalls landen Sie in Windeseile auf dessen persönlicher Black List. Zumal sich viele Internetnutzer immer entschiedener gegen die Vereinnahmung durch Dritte wehren. Wer sich ohne persönliche Einladung meldet, sollte deshalb immer etwas Attraktives im Gepäck haben. Dass ein solches Vorgehen angezeigt ist, lässt sich bereits daran erkennen, dass immer mehr Nutzer ihre Daten und Kontakte nicht mehr offenlegen und stattdessen eine kontrollierte Eins-zu-Eins-Kommunikation bevorzugen. Die Phase der Jäger und Sammler geht in den Netzwerken definitiv zu Ende.

Mario Grobholz: Wie nutzen Sie das Internet?

Susanna Wieseneder: In erster Linie als Rechercheinstrument. Einerseits für meine inhaltliche Arbeit und anderseits, um mir ein Bild über ein mir unbekanntes Gegenüber zu verschaffen. Genau das habe ich zum Beispiel auch bei Ihnen gemacht. Darüber hinaus untersuche ich aber auch das Bild meiner eigenen Person im Internet. Meine aktive Online-Kommunikation konzentriert sich derzeit noch recht stark auf meine eigene Webseite. Dies liegt nicht etwa an einem Desinteresse an den Angeboten des Web 2.0, sondern vielmehr daran, dass die Kunden, die ich berate, noch deutlich stärker zu klassischen Medien, wie zum Beispiel zu Wirtschaftszeitungen, greifen.

Mario Grobholz: Ich danke Ihnen für das Gespräch, Frau Wieseneder.

 

Mag. Susanna Wieseneder

Nach dem Studium in Wien und New York war Susanna Wieseneder 18 Jahre in der PR-und Kommunikationsbranche tätig. Zuletzt leitete sie 5 Jahre die Corporate Communications der Österreichischen Post AG. Seit 4 Jahren berät und coacht sie mit Ihrem Unternehmen Personal Counseling UnternehmerInnen und ManagerInnen aus deutschsprachigen Führungsetagen.

office@wieseneder.at – http://www.wieseneder.at

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  • Reputationsmanagement

Personen werden zur Marke

12. September 2007 um 8:05 von Mario Grobholz

In der ersten Phase des Web 1.0 war alles ganz einfach. Wir erstellten eine Homepage oder eine Website und stellten dort unsere privaten oder kommerziellen Interessen vor. Es gab zwar auch in den 90-iger Jahren schon Foren, Chats und Portale, in denen wir unsere digitalen Spuren hinterließen. Doch das schien damals niemanden wirklich zu interessieren. Niemand dachte an das Egosurfing und die Möglichkeit, dass Personaler sich für die jeweiligen Online-Aktivitäten interessieren könnten. Neben unsere privaten Homepage hatten wir vergleichsweise wenige Profile zu pflegen.

Das stellt sich inzwischen in der Web 2.0-Welt völlig anders dar. Inzwischen verteilen wir unsere Interessen oftmals auf zahlreiche Plattformen. Ich bin beispielsweise unter anderem Mitglied bei Xing, LinkedIn, Facebook, Flickr, Marketingbörse, Twitter, Amazon, Ebay, Dopplr, Upcoming, Qype, Skype, Mister Wong, Yigg, Bloglines , Technorati und blogge auf dem PR Blogger und bei myON-ID. Meine digitale Identität ist somit nicht an einer einzigen Plattform gebunden.

Wer einen Eindruck von einer Person gewinnen will, erhält die meisten Informationen nicht mehr unbedingt auf einer einzelnen Plattform, sondern sollte sich via Online-Recherche selbst ein Bild verschaffen. Erst durch die Eigen- und Fremdbeschreibung wird das Identitätsbild vollständig. Via Google kann jedermann erfahren, wer Klaus Eck (zumindest vermeindlich) ist, was er online und offline macht und mir anschließend eine bestimmte Reputation zuschreiben. Entscheidend ist hierbei nicht jedoch nicht so sehr, auf welcher Website ich meine Inhalte publiziere oder wo man etwas über meine Person lesen kann, sondern die Personenmarke, die daraus im Kontext entsteht.

Ganz richtig bloggte Thomas Frütel vor einigen Wochen:

“Mit einer guten persönlichen Marke wird es sekundär, für welche Plattform man sich entscheidet. Fehlt dagegen das persönliche Branding, die Identität, so wird man in der Masse untergehen. Da hilft auch keine eigene Domain mehr.”

Ein Blog oder einen anderen Account mit meinem Profil kann ich sofort aus dem Netz nehmen, nicht jedoch den Eindruck, den andere über mich online gewinnen innerhalb von kurzer Zeit verändern. Wer sich um aktives Reputation Management bemüht und hierbei nichts dem Zufall überlassen will, sollte alle eigenen Online-Maßnahmen strategisch anlegen und immer an seine persönlichen Beziehungen denken.

Online Relations und die eigene Glaubwürdigkeit stellen eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung eines guten digitalen Ruf dar. Wer mit seinem Personal Brand fahrlässig umgeht, darf sich nicht wundern, wenn andere negativ reagieren.

>> Sprechblase: Personal Brand und Identität im Web 2.5
>> Webmaster Blog: Identität und Branding im Web 2.5

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