Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 5
13. Mai 2011 um 8:14 von Philipp Strobel
Die befragten Experten aus der Tourismusbranche haben uns im letzten Teil dieser Interview-Serie verschiedene Wirkungsrichtungen ihrer Social-Media-Aktivitäten veranschaulicht. Eins haben die unterschiedlichen Ansätze gemeinsam: Individuelle Social-Media-Ideen schaffen eine glaubwürdige und authentische Wahrnehmung, bei der ein Wir-Gefühl entsteht. Eine gute Basis, um ein neues Level an Transparenz in der Kommunikation der Tourismusbranche zu erzeugen und die Interaktion mit den Zielgruppen zu steigern.
Auf der Basis der bisherigen Erfahrungen haben sich die Tourismusexperten Nadja Waldraff von HolidayCheck.de, Karen Liller von STA Travel, Birgit Ströbel von Holidayinsider.com und Dr. Ingo Markgraf von REWE Touristik Gedanken gemacht über die Trends, die sie in den kommenden fünf Jahren im Bereich Social Media erwarten.
Frau Waldraff, Frau Liller, Frau Ströbel und Herr Dr. Markgraf, welche Trends bzw. kommunikativen Herausforderungen sehen Sie in Bezug auf Social Media in den nächsten fünf Jahren auf die Tourismusbranche und speziell auf Ihr Unternehmen zukommen?
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Nadja Waldraff, HolidayCheck.de: Die größte kommunikative Herausforderung besteht mit Sicherheit darin, dass Unternehmen lernen müssen sich zu öffnen. Für uns heißt das ebenfalls, dass wir stärker mit unseren Kunden arbeiten als nur für sie. Die Tourismusbranche wird auch in den kommenden Jahren von Kundenmeinungen und Bewertungen dominiert werden, der Austausch unter Kunden und das Empfehlungsmarketing werden weiter an Bedeutung gewinnen. Hier ist die Herausforderung, das Gesprochene für sich zu nutzen und aktiv an Gesprächen teilzunehmen – immer unter den Regeln der sozialen Medien, also keine Werbebotschaften platzieren sondern sozial mit Kunden in Kontakt treten. | |
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Karen Liller, STA Travel: Ich glaube, der Trend „Social Shopping“ bzw. in unserer Branche eher „Social Booking“ – also die Verknüpfung von Social Media mit E-Commerce – wird unsere Branche in den kommenden fünf Jahren noch stärker beschäftigen. Genau wie die Möglichkeit, mit seinem Smartphone mal eben einen London-Flug, ein Hotel oder einen Mietwagen von unterwegs zu buchen. Das stellt STA Travel vor eine Herausforderung, da unsere Kernkompetenz im Verkauf von beratungsintensiven Reisen liegt, wie zum Beispiel individuelle Fernreisen, Weltreisen, Work&Travel oder Freiwilligenprojekte im Ausland. Solche und ähnliche Reisen lassen sich auch in Zukunft nicht mal eben schnell über Facebook oder eine iPhone App buchen, dafür werden STA Traveller weiterhin in unsere Reisebüros gehen und unsere Beratung schätzen. Trotzdem möchte STA Travel bei diesen Trends natürlich gerne mitmachen… | |
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Birgit Ströbel, Holidayinsider.com: Die Herausforderungen liegen darin, die existierende Kommunikation rund um Reisethemen aus dem Social Web für den eigenen Dienst zu nutzen und das Social Web intelligent mit dem Portal zu verknüpfen. | |
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Dr. Ingo Markgraf, REWE Touristik: Alle Beteiligten stehen im Umgang mit den sozialen Netzwerken noch am Anfang, auch wir lernen jeden Tag dazu. Eine Prognose für fünf Jahre wage ich nicht. Dieses Medium ist extrem dynamisch. Wir müssen uns in gleicher Geschwindigkeit mit entwickeln. Eine Herausforderung liegt im Erreichen der Zielgruppe bis 30. Diese Zielgruppe ist nur noch schwer über klassische Medien zu erreichen. Hier müssen wir Wege finden, das sich neu entwickelnde Bedürfnis nach Austausch und Information mit relevanten Informationen zu bedienen. |
Herzlichen Dank an unsere Tourismusexperten für den interessanten Ausblick auf kommende Social-Media-Entwicklungen!
Dinge, die heute schon gut funktionieren, sollten auch in den nächsten Jahren Bestand haben und sich weiter etablieren: So die Kommunikation unter Kunden sowie zwischen Kunden und Unternehmen. Auch Bewertungen und Empfehlungen sollten weiter essenziell sein. Der Austausch mit Social-Media-Fans und -Followern im Social Web ist schön und gut – in den kommenden Monaten und Jahren wird jedoch die Herausforderung darin liegen, einen Kreislauf zwischen dem Social Web und der Website herzustellen. Die Interaktion mit und unter Kunden und Interessenten sollte so kanalisiert werden, dass sie am Ende wieder in das E-Business-Konzept der Tourismusanbieter einzahlt – Stichwort Social Booking.
Trotz einer starken Kommunikation im Web gilt es weiterhin die Brücke zu schlagen zu realen Beratungsdienstleistungen, die insbesondere bei Individualreisen auch zukünftig noch offline im Reisebüro stattfinden könnten. Sicher wird es noch viele Trends geben, die sich durch die dynamische Entwicklung des Social Webs heute noch nicht absehen lassen. Hier müssen die Anbieter die Augen offen halten und durch fortlaufende Innovationen sicherstellen, bei der Zielgruppe der Digital Natives am Ball zu bleiben.
Wie die Tourismusexperten auf diese Herausforderungen eingehen werden bzw. welche Social-Media-Aktivitäten geplant sind, lesen Sie im nächsten Teil dieser Interview-Serie.
Fortsetzung folgt…
Social-Media-Branchen-Special – Tourismus:
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 4
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 3
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 2
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 1
Social Media Expeditionen: Tourismusbranche noch nicht am Ziel angekommen
Weitere Social-Media-Branchen-Specials:
Social Media in DAX-30-Unternehmen: Einige fest im Sattel, viele mit noch angezogenen Zügeln
Social Media im Finanzsektor – Banken fassen Fuß, Versicherungen ziehen nach
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 3
5. Mai 2011 um 8:42 von Philipp Strobel
Die Frage des letzten Teils dieser Interview-Serie lautete: Welchen Nutzen hat Social Media für die Tourismusbranche? Der Tenor der Experten aus der Reisebranche: Durch Social Media lassen sich neue Zielgruppen erschließen – insbesondere die der Digital Natives. Und diese lassen sich nicht nur als mögliche Kunden ansprechen, sondern auch als Jobbewerber. Authentische Meinungen, Empfehlungen und lokale Tipps von Freunden und anderen Touristen bilden heute für viele Internetnutzer die Entscheidungsgrundlage vor der Reisebuchung. Ein weiterer Vorteil des Webs für die Tourismusbranche: Suchanfragen lassen sich analysieren und dadurch Reisetrends vorhersagen.
In der dritten Etappe unserer Social-Media-Tour durch die Tourismusbranche machen wir Halt bei den Social-Media-Aktivitäten der Branchen-Experten: Nadja Waldraff von HolidayCheck.de, Karen Liller von STA Travel, Birgit Ströbel von Holidayinsider.com und Dr. Ingo Markgraf von REWE Touristik geben einen Einblick, wie sie in ihren Unternehmen in Sachen Social Media aufgestellt sind. Entdecken Sie selbst und lassen Sie sich von den Erfahrungen und Ideen für Ihre Social-Media-Expedition inspirieren!
Frau Waldraff, Frau Liller, Frau Ströbel und Herr Dr. Markgraf, wie ist Ihr Unternehmen im Bereich Social Media aktiv?
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Nadja Waldraff, HolidayCheck.de: HolidayCheck ist selbst auf den Plattformen Facebook, Youtube und Twitter aktiv und außerdem mit einer Xing-Gruppe vertreten. Wir schätzen den direkten und persönlichen Austausch mit unseren Usern sehr. Das Feedback, das über diese Kanäle zurückkommt, ist sehr wertvoll. | |
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Karen Liller, STA Travel: STA Travel hat auf der eigenen Website ein Reiseforum und seit August 2010 ein Corporate Blog – das Herzstück unserer Social-Media-Aktivitäten. Unser Blog ist eine lebendige und authentische Publikationsplattform für alle Themen rund um die Welt von STA Travel. Es gibt uns die Möglichkeit, mit ausführlichen Beiträgen und spannenden Hintergrundinfos Interesse für unsere vielfältigen Themen und Produkte bei unserer Zielgruppe zu wecken. Außerdem nutzen wir das Blog für die interne Kommunikation und das Employer Branding.
Über unsere Facebook- und Twitter-Accounts verbreiten wir in kleinen Häppchen Reise-Inspiration, Unterhaltsames, News und auch werbliche Botschaften. Wir haben festgestellt, dass sich unsere Fans bei Facebook über Informationen zu aktuellen Flug-Specials, günstigen Angeboten oder Gewinnspielen freuen und gerne annehmen. Natürlich nutzen wir Facebook als Kommunikationskanal in beide Richtungen und reagieren auf Feedback oder Fragen von unseren Kunden. |
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Birgit Ströbel, Holidayinsider.com: Holidayinsider.com verfügt über eine eigene Fanpage bei Facebook, einen Twitter-Account, verschiedene Landingpages und die direkte Möglichkeit, bei der Nutzung von Holidayinsider.com zu posten. Dabei testen und beobachten wir die Resonanz auf die verschiedensten Aktivitäten. Holidayinsider.com ist mit verschiedenen Destinationen verlinkt, führt Meinungs-Umfragen durch und integriert die Social Communication aktiv in den Dienst. | |
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Dr. Ingo Markgraf, REWE Touristik: Wir betreiben für unsere Veranstaltermarken ITS und TJAEREBORG sowie unsere Hotelmarke CLUB CALIMERA eigene Facebook-Seiten, auf denen wir aktuelle Themen behandeln, auf neue Reiseangebote hinweisen, Hotelanlagen vorstellen und mit Interessierten in Kontakt kommen. Unsere Kunden nutzen die Plattformen sehr vielfältig: Sie geben Tipps, erzählen von Ausflügen, loben den Service, grüßen die Animationsteams… Diese vielen Urlaubsfacetten sind die Grundlage für einen interessanten Kommunikationsmix. |
Vielen herzlichen Dank an die Tourismusexperten für die anregenden Antworten!
Die Tourismusexperten sind in ihren Unternehmen in Sachen Social-Media-Kommunikation sehr aktiv: Über Facebook, Twitter, Youtube, Xing, Corporate-Blogs und Co. erhalten die Fans Tipps zu neuen Reisezielen, Angeboten und Themen rund um den Urlaub. Im Gegenzug haben die Fans und Kunden die Möglichkeit, selbst zu kommentieren, Erfahrungsberichte zu posten und an Meinungsumfragen teilzunehmen – so profitieren beide Seiten.
Auf die Reaktionen der Zielgruppen gehen unsere Tourismusexperten in unserer nächsten Folge genauer ein; das direkte Feedback zeigt den Tourismusakteuren auf, ob der eingeschlagene Weg richtig ist und worin Potenzial für Optimierungen liegt. Bleiben Sie dran! Fortsetzung folgt…
Social Media Branchen Special – Tourismus:
- Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 2
- Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 1
- Social Media Expeditionen: Tourismusbranche noch nicht am Ziel angekommen
Weitere Social Media Branchen-Specials:
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 2
28. April 2011 um 8:45 von Philipp Strobel
Im ersten Teil unserer Interview-Serie waren unsere Experten aus dem Tourismussektor letzte Woche einstimmig der Meinung, dass Social Media für die Tourismusbranche viel Potenzial hat und eine hohe Relevanz besitzt. Heute nehmen die befragten Branchen-Kenner im zweiten Teil der Interview-Serie zu den Chancen von Social Media im Tourismusbereich Stellung.
Wie der eigene Urlaub will die Social Media Expedition der Tourismusbranche schließlich gut geplant sein. Dementsprechend wichtig sind die Reisevorbereitungen: Erst wenn klar ist, welche Aktivitäten während der Social Media Expedition sinnvoll, effektiv und chancenreich sind, kann die Reise gebucht werden!
Um das Potenzial von Social Media für die Tourismusbranche einzuschätzen, haben sich folgende Tourismusexperten für uns auf die Reise gemacht: Nadja Waldraff von HolidayCheck.de, Karen Liller von STA Travel, Birgit Ströbel von Holidayinsider.com und Dr. Ingo Markgraf von REWE Touristik:
Frau Waldraff, Frau Liller, Frau Ströbel und Herr Dr. Markgraf, welche Potenziale und welchen Nutzen sehen Sie in Social Media insbesondere für die Tourismusbranche? In welchem/welchen Unternehmensbereich/en zahlt sich Social Media Ihrer Ansicht nach am besten aus?
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Nadja Waldraff, HolidayCheck.de: Das größte Potenzial für den Tourismus bieten sicher die Bewertungsportale. Der Trend hin zur offenen Kommunikation birgt eine große Chance für die Branche. Die Erfahrungsberichte von Gästen bieten Hotels ein kostenloses Marketingtool bzw. ein kostenloses Qualitätsmanagementtool, mit dem sie auf Missstände unverzüglich aufmerksam gemacht werden. | |
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Karen Liller, STA Travel: Viele Menschen durchforsten zu Beginn ihrer Urlaubsplanung erst mal das Internet. Sie suchen nach Inspiration und Information, nach coolen Reisezielen, nach Insidertipps und Erfahrungen von anderen Urlaubern und nach besonderen Touren oder Erlebnissen. Social Media hat in dieser ersten Phase der Urlaubsplanung meiner Meinung nach ein großes Potenzial. An dieser Stelle kann man als Reiseunternehmen z. B. in Foren helfend zur Seite stehen, kann durch authentische Videos und Fotos inspirieren, in Podcasts oder eigenen Erlebnisberichten seine Reiseexpertise beweisen, durch die Analysen von Suchanfragen Reisetrends herausfinden und vieles mehr.
Sehr wichtig ist meiner Meinung nach der Einsatz von Social Media im Bereich Recruiting. Schließlich sind Nachwuchskräfte und Young Professionals Digital Natives. Diesen ist es wichtig, wie sich ihr zukünftiger Arbeitgeber im Internet präsentiert und von der Online Community bewertet und wahrgenommen wird. Wir hören immer öfter von Bewerbern, dass sie sich eingehend in unserem Corporate Blog und auf unserer Facebook-Fanpage über STA Travel, unsere Unternehmenskultur, Aufstiegschancen und die Arbeit der Abteilungen informiert haben. Die Kategorie „Jobs & Karriere“ ist die meistgeklickte bei uns im Blog! Daher mein Tipp für andere Reiseunternehmen: Nutzt die Chance, durch eure Aktivitäten im Social Web Employer Branding zu betreiben – also aktiv mitzugestalten, wie eure Marke im Internet wahrgenommen wird. |
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Birgit Ströbel, Holidayinsider.com: Empfehlungen und authentische Meinungen haben im Bereich Tourismus einen sehr hohen Stellenwert. Hier liegt viel Potenzial in Social Media, der gegenseitige Erfahrungsaustausch, verbunden mit affinen, lokalen Tipps kann und wird sich weiter entwickeln und einen Mehrwert für Reisende bringen. Darüber hinaus lässt sich so die Reichweite eines akzeptierten Portals wie Holidayinsider.com spielerisch steigern.
Social Media steckt in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen: viele Urlaubsziele experimentieren hier mit teilweise ganz interessanten Erfolgen. Derzeit sehen wir dennoch keine Mainstream-Aktivitäten, sondern sehen Social Media vielmehr als einen möglichen Kanal zur Gewinnung von User-generated Content. |
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Dr. Ingo Markgraf, REWE Touristik: Eines der größten Potenziale für uns ist sicher, dass wir Kunden erreichen können, die wir über klassische Medien kaum oder nur sehr schwer erreichen. Damit meine ich vor allem junge Menschen, „Digital Natives“. Ein großer Vorteil für uns als Reiseveranstalter ist ja, dass das Thema Urlaub bei den Menschen extrem positiv besetzt ist. Wir verkaufen eben keinen Atomstrom, sondern die hoffentlich schönste Zeit im Jahr. Deshalb können wir die Menschen im Web sehr positiv, sehr direkt und emotional ansprechen. Weiterempfehlungen, Tipps und Hinweise von Freunden – die großen Assets des Social Web – sind für die Reisebranche von immens großer Bedeutung. |
Vielen Dank an unsere Gesprächspartner für das freundliche Interview und für diesen interessanten Ein- und Ausblick!
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass jeder der von uns befragten Tourismusexperten den Austausch von Empfehlungen, Meinungen und Erfahrungen von und für Reisende als große Chance für die Tourismusbranche sieht. Eine positive und transparente Kommunikation der Tourismusakteure sollte durch die Social Media Aktivitäten weiter gefördert werden, um einer im Tourismus besonders geforderten Service- und Kundenorientierung gerecht zu werden.
Zum anderen ist Social Media eine große Chance für die Tourismusakteure selbst: Der Einsatz von Social Media in den Bereichen Human Resources und Recruiting unterstützt die Unternehmen dabei, sich bei Bewerbern – unter denen sich zunehmend immer mehr sogenannte „Digital Natives“ befinden werden – als innovativer und attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.
In Kürze lesen Sie hier, wie unsere Tourismusexperten dies umsetzen und wie sie in ihren Unternehmen in Sachen Social Media aufgestellt sind – es bleibt also spannend!
Fortsetzung folgt…
Weitere Teile dieser Interview-Serie:
- Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 1
- Social Media Expeditionen: Tourismusbranche noch nicht am Ziel angekommen
Weitere Branchen-Specials:
Social Media Expeditionen: Erfolgsgeschichten aus der Tourismusbranche, Teil 1
20. April 2011 um 8:44 von Philipp Strobel
Kürzlich haben wir uns auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, welchen Weg die Tourismusbranche auf ihren Social Media Expeditionen eingeschlagen hat. Wir kommen dabei zum dem Schluss, dass die Tourismusakteure die vielfältigen Möglichkeiten des Social Web noch besser und effizienter nutzen könnten. Um auch in Sachen Social Media auf die bevorstehende Urlaubssaison 2011 vorbereitet zu sein, haben wir vier Experten aus der Tourismusbranche zu ihren Social Media Erfahrungen befragt: Nadja Waldraff von HolidayCheck.de, Karen Liller von STA Travel, Birgit Ströbel zu Holidayinsider.com und Dr. Ingo Markgraf von REWE Touristik.
Die heutige Frage ist der Start einer mehrteiligen Serie, die wir hier in unserem Blog bereitstellen: Seien Sie gespannt, wie die Social Media Erfolgsgeschichten der Tourismusbranche weitergehen!
Frau Waldraff, Frau Liller, Frau Ströbel und Herr Dr. Markgraf, welchen Stellenwert hat Social Media bei Ihnen im Unternehmen?
Nadja Waldraff, HolidayCheck.de: HolidayCheck ist an sich schon ein soziales Medium, weshalb die Frage nach der Wichtigkeit von Social Media Marketing relativ schnell beantwortet war. Innerhalb des Unternehmens gibt es zwar eine zentrale Stelle, die sich um die Koordinierung kümmert, das Thema ist aber in allen Teams präsent. Auch intern wird Social Media häufig zur Kommunikation genutzt, z. B. in eigenen Abteilungsblogs.
Karen Liller, STA Travel: Social Media hat einen hohen Stellenwert bei STA Travel, schließlich richten sich unsere Reiseprodukte vor allem an eine junge und junggebliebene Zielgruppe – und die ist nun mal sehr aktiv im Social Web.
Birgit Ströbel, Holidayinsider.com: Als größtes Ferienunterkunftsportal spricht Holidayinsider.com primär den Kundenwunsch „Suchen & Buchen“ an. Eine verbreitete Fragestellung unserer Kunden besteht darin: „Wo kann ich zum Zeitpunkt X mit meiner Familie stadtnah, kinderfreundlich und mit Wellness angenehm urlauben?“ Die soziale Komponente ist hierbei noch relativ gering. Sobald allerdings Unterkünfte in der näheren Auswahl gelandet sind, wird gerne der Facebook- oder Twitter-Button benutzt, um Freunde zu informieren oder eine Gruppenentscheidung zu treffen. Das zeigt uns bereits heute, dass für die Entscheidungsfindung zunehmend das Social Web hinzugezogen wird.
Nach erfolgter Buchung sowie nach der Urlaubsrückkehr teilen unsere Kunden gerne ihre Erfahrungen über das Social Web und empfehlen Reiseziele auch weiter.
Dr. Ingo Markgraf, REWE Touristik: Wir haben die ständig wachsende Bedeutung von Social Media erkannt und setzen uns intensiv mit den Chancen auseinander, die uns das Thema als Reiseveranstalter bietet. Und wir sammeln Erfahrungen: Mit unseren Veranstaltermarken ITS und TJAEREBORG oder mit unserer Hotelmarke CLUB CALIMERA sind wir auf Facebook aktiv. Als REWE Touristik – als Teil eines großen Konzerns – sind wir dabei in eine Gesamtstrategie eingebunden. Wie für alle anderen Unternehmen heißt es natürlich auch für die REWE Touristik: „Learning by doing“. Social Media ist dynamisch, direkt und manchmal eben nicht vorhersehbar.
Herzlichen Dank an unsere Tourismus-Experten für die interessanten Antworten!
Die Befragten sind sich einig, dass Social Media für die Tourismusbranche besonders wichtig ist und in Zukunft auch noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Social Media bietet den Tourismusakteuren sowohl die Chance der aktiven Kommunikation mit den relevanten Zielgruppen als auch diesen die Möglichkeit zu geben, direkt mit dem Unternehmen kommunizieren zu können.
Im nächsten Beitrag werden unsere vier Tourismus-Experten unter anderem auf das Potenzial von Social Media für die Branche näher eingehen. Wir sind also gespannt, was uns die Experten weiter zu berichten haben! Fortsetzung folgt…
Nadja Waldraff ist seit Januar 2011 Marketing Managerin Social Media bei HolidayCheck.de. Nadja Waldraff hat International Business & Tourism Management an der Heidelberg Business Academy studiert. Vor ihrer Tätigkeit als Marketing Managerin Social Media unterstützte sie HolidayCheck.de bereits im Bereich Presse & Redaktion.

Karen Liller ist seit Anfang 2010 verantwortlich für die Social Media-Strategie und -Aktivitäten des Reiseanbieters STA Travel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihre Karriere begann 2005 in der PR-Branche. Doch erst als zu ihrer Leidenschaft für Kommunikation auch die Begeisterung für Social Media kam, wurde aus daraus ein konkreter Berufswunsch. Sie hat vielfältige Erfahrung im Bereich Public Relations, Corporate Blogging, Community Management, Online Marketing und Social Media Communication.
Birgit Ströbel ist als Strategie- und Marketingmanagerin selbstständig. Sie berät und steuert Firmen mit Nr. 1 Anspruch in deren Unternehmensstrategie und Managementfragen. Darüber hinaus beteiligt sich Frau Ströbel an Neugründungen und sorgt als Business Angel für eine erfolgreiche Startphase. Birgit Ströbel ist Mitgründerin und Gesellschafterin der Holidayinsider AG, München. In den vergangenen zwei Jahren hat sie das heute führende Ferienunterkunftsportal www.holidayinsider.com mit aufgebaut. Vorher war Frau Ströbel als Unternehmerin oder in leitenden Funktionen tätig, z. B. als Mitgründerin und langjährige Geschäftsleiterin Marketing von ImmobilienScout24, dem größten Immobilienmarkt in Deutschland. Außerdem bei der adidas AG sowie als Geschäftsführerin einer Werbeagentur. Birgit Ströbel zählt zu den 3.000 wichtigsten Managern der Medien- und Marketingbranche Deutschlands (aktuelle Ausgabe kress köpfe) und wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Berlin und München.
Dr. Ingo Markgraf leitet seit 2009 bei der REWE Touristik GmbH den Bereich Marketing und Vertriebskommunikation. In seinen Verantwortungsbereich fallen die Endkunden- und Vertriebskommunikation für die Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg. Er ist in dieser Funktion sowohl für die Markenkommunikation als auch das technische Marketing, wie Katalogproduktion, CRM, Kundendatenbank, etc. verantwortlich. Der Dipl.-Kaufmann war zuvor sechs Jahre bei der TUI Deutschland in verantwortlichen Positionen tätig. Seine berufliche Laufbahn startete er als Unternehmensberater für Strategie und Marketing.
Expertenmeinung: Wilfried Schock über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
25. Mai 2010 um 9:05 von Mario Grobholz
Wir freuen uns, heute Wilfried Schock bei uns begrüßen zu dürfen. Wilfried Schock ist Jahrgang 1957, aktiver Blogger, Twitterer, CRM Profi, Geschäftsführer von Social Network Marketing sowie absoluter Social Media-Befürworter. Die unterschiedlichen Entwicklungen und Prognosen der Nutzung von Sozialen Medien im deutschprachigen Markt hat er für uns wie folgt beantwortet.
Denken Sie, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
WS: Social Media wird ohne Zweifel für Unternehmen zu einem Standard werden. Alles andere hieße sich dem Dialog mit dem Markt und seinen Kunden zumindest teilweise zu verweigern. Ob Social Media als Social Media Marketing „nur“ zu einem Standardbestandteil des Marketings wird, hängt von den Unternehmen ab. Beachtet man die mögliche Nutzenstiftung von Social Media wird deutlich, das auch PR, Marktforschung, Produktentwicklung, Support und Vertrieb ganz wesentlich von Social Media profitieren können.
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
WS: In der Praxis wird es darauf hinauslaufen, das Social Media von dem Bereich federführend umgesetzt wird, der dieses Instrument zuerst für sich nutzt. Dies dürfte das Marketing sein. Alternativ wäre aber auch eine eigenständige Funktion Social Media mit Schnittstellen zu allen tangierten Bereichen sinnvoll.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
WS: Aktuell sind viele Unternehmen in einer eher experimentiell geprägten Phase, in der primär der Umgang mit Social Media erarbeitet und vorrangig Kommunikationsziele angestrebt werden. An messbaren Zielen bietet Social Media eine große Bandbreite – sowohl was die Funktionen angeht, als auch was die Messbarkeit der Wirkung von Social Media betrifft. ebay hat ja schon vor Jahren die direkte wirtschaftliche Bedeutung von Social Media in einer groß angelegten Studie belegen können. Die Aussage, das Social Media nur schwer oder nur sehr indirekt messbare Ergebnisse produzieren kann, teile ich nicht. Es mangelt eher an der Orientierung an machbaren metrics bei der Entwicklung und Umsetzung von Social Media Konzepten.
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
WS: Da stellt sich vor zuerst die Frage nach den Beurteilungskriterien für erfolgreich. Proctor & Gamble sprechen davon das Social Media effizienter ist als alle anderen Marketingtools. Konkrete, nachprüfbare Ergebnisse werden aber nicht vorgestellt. Nikeplus gilt als erfolgreiches Social Media Konzept, aber ein genauerer Blick auf die praktische Nutzung und die Struktur des Social Media Konzepts lassen zumindest deutliche Optimierungsmöglichkeiten erkennen.
MountainDew belegt mit seiner DEWmocrazy beachtliche Ergebnisse in der Einbindung von Kunden in die Produktentwicklung (crowdsourcing). In ganz anderem Maßstab gefällt mir das Beispiel des Wasenwirt (Cannstatter Volksfest, die Nr. 2 hinter der Wiesn), der via Facebook eine Reichweite von über 5000 Nutzern aufgebaut hat und sie für Neukundengewinnung und Kundenbindung nutzt. Hier ist der Social Media Ansatz zwar sehr rudimentär aber bezogen auf das Unternehmen und die Branche dahinter schon wieder interessant.
H&M agieren mit Social Media, was von außen erkennbar ist, zeigt aber noch eine stärkere Orientierung an Kampagnendenken. Coca Cola versucht Social Media auf vielfältige Weise zu nutzen, wenngleich auch nicht immer mit großem Erfolg. Die Expedition 206 stellt – im Vergleich mit dem Vorgehen der Pepsi-Tochter Mountain Dew – eine sehr eigenständige Vorgehensweise dar. Nach Google Trends ist dieser Ansatz allerdings nicht unbedingt von höherer reichweitenbildender Qualität zu sein.
An Beispielen für den Einsatz von Social Media mangelt es weniger. Nach guten Beispielen, in denen Social Media in seiner ganzen Qualität genutzt wird, kann schon deshalb nicht viel zu sehen sein, weil auch die großen Unternehmen Social Media erst seit relativ kurzer Zeit und eher experimentell einsetzen. In der Regel kranken die meisten Aktivitäten an größeren handwerklichen Problemen – insbesondere der Qualität der Profile und der Vernetzung – und an konzeptionellen Defiziten oder Selbstbeschränkungen – hier insbesondere an der Möglichkeit der Partizipation.
Wir bedanken uns bei Wilfried Schock für das Interview – und freuen uns natürlich auf eure Kommentare, Feedback, Anregungen und Republikationen!
Oliver Weiß über die Bedeutung klassischer PR in Zeiten von Socialmedia
17. Mai 2010 um 8:30 von Mario Grobholz
Für unser heutiges Social Media Experten Gespräch haben Oliver Weiss gebeten, uns 4 Fragen zum Einsatz von Social Media in Unternehmen zu beantworten. Oliver ist Geschäftsführer der PR Agentur Freude an Weiss und zudem auch als Journalist tätig. Wir haben in gesprochen und wollten von ihm als Kommunikationsexperten erfahren, wie er die Zukunft für Social Media im Unternehmenseinsatz einschätzt.
Oliver, verliert die klassische PR für Unternehmen in Zeiten von Social Media an Bedeutung?
Die Frage geht von einem direkten Zusammenhang zwischen Social Media und klassischer PR aus. Aus PR-Sicht ist das derzeit eher die Ausnahme. Solange es die klassischen Medien gibt, wird es auch die klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geben. Im Gegenteil. Ihre Bedeutung wird sogar noch zunehmen.
Der Medienmarkt befindet sich in einem nie da gewesenen Umbruchprozess. Geschäftsmodelle versagen und Wertschöpfungsprozesse müssen neu durchdacht werden. Dafür sind m. E. drei Entwicklungen verantwortlich: Erstens erleichtern technologische Entwicklungen dem Einzelnen, Dinge ins Netz stellen und weltweit zu verbreiten und zwar ohne großartiges technisches Vorwissen. Zweitens benutzen Menschen häufiger Technologien, um das, was sie brauchen, voneinander (also nicht von Unternehmen) zu bekommen. Drittens gibt offensichtlich immer Menschen, die bereit sind, ihr Können und Wissen kostenlos einzubringen, wie die Entwicklungsgeschichte von Facebook in beeindruckender Weise gezeigt hat.
Wo und wie grenzt sich die klassische PR von Social Media ab und wo gibt es Überschneidungen bzw. keine Grenzen mehr?
Schauen wir uns doch einmal die Social-Media-Landschaft genauer an: Da gibt es Plattformen, die dabei helfen, Texte zu veröffentlichen und Themen zu diskutieren. Dann gibt es Plattformen zum Netzwerken. Dann gibt es Plattformen für die jeweiligen medialen Inhalte, Produkte und Orte. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Gaming-Plattformen. Und für die PR? Und dann sind da noch die Sozialen Netzwerke. Und für die PR? Sehen wir einmal von Corporate Blogs, Twitter und einigen Sozialen Netzwerken ab, ist die Social-Media-Landschaft aus PR-Sicht recht überschaubar. Überschneidungen mit der klassischen PR sind – je nach kommunikativer Zielrichtung des jeweiligen Unternehmens – eher im Bereich der Online Relations zu finden. Online Relations, nicht Social Media, haben sich zu einem Kerninstrument der Public Relations entwickelt. Dazu zählen Dienste wie die Corporate Website, E-Mails, Chats, Foren, Blogs, Podcasts und eben, als ein Dienst von vielen, das Web 2.0 bzw. Social Communities.
Wie verändert die aktuelle Entwicklung das Profil und die Aufgaben von PR- und Kommunikationsdienstleistern?
Viele Redaktionen stehen unter einem steigenden Zeit- und Kostendruck. Der Journalist ist häufig Fotograf, Lektor und Schriftsetzer in einem. So steht für eine ausfühliche Recherche oder gar eine investigative Story immer weniger Zeit zur Verfügung. Für Unternehmen wird es also immer schwerer, die Aufmerksamkeit der Journalisten für die eigenen Themen zu wecken. Auf der anderen Seite erwarten Journalisten auf Unternehmens- und Agenturseite kompetente Ansprechpartner, die ihre Sprache sprechen und wissen, wie Medien funktionieren.
Zunehmend werden Kommunikationsexperten mit dem Thema Web 2.0 und Social Media konfrontiert. Leider mangelt es in Deutschland noch an wirklich umfassenden und übertragbaren Cases, die den erfolgreichen Einsatz, z. B. von Sozialen Netzwerken für die PR belegen. Das Beispiel General Motors hat aber gezeigt, dass einige Social-Media-Plattformen für PR-Kampagnen relevant sein können. Dabei darf auf Unternehmensseite allerdings der zeitliche und personelle Aufwand nicht unterschätzt werden.
Müssen Unternehmen nun generell zweigleisig fahren und neben der klassischen PR auch Social Media bedienen?
Das ist immer eine Frage der kommunikations-strategischen Ausrichtung von Unternehmen. Wen wollen sie mit ihren Botschaften erreichen? Wie wollen sie sich positionieren? Welche kommunikativen Ziele verfolgen sie darüber hinaus? Schauen Sie sich einmal die Nutzerzahlen von sozialen Netzwerken an. Dort treffen Sie eher auf Digital Natives. Digital Natives sind Personen, die mit digitale Technologien aufgewachsen sind. In der Regel nutzen sie soziale Netzwerke selbstverständlicher als die Digital Immigrants, die Personen also, die digitale Technologien erst im Erwachsenenalter kennen gelernt haben. Wollen Unternehmen also junge, technikaffine, Menschen erreichen, dann fahren sie gut, wenn sie zweigleisig fahren. Social Media sind häufig auch ein brauchbarer Katalysator für Krisen.
Ein weiterer Aspekt kommt seit Social Media für die PR aber ganz sicher hinzu: Social Media ist eine zusätzliche Monitoring-Plattform und gesellt sich zur bereits professionell praktizierten Medienbeobachtung hinzu.
Gibt es Unternehmen, welche klassische und “neue PR” schon idealtypisch vereint haben?
Beispiele erfolgreicher Corporate Blogs sind der Frosta-Blog und der Saftblog von von Walters. Dann sind da die Social Media Newsrooms zu erwähnen, die bei einigen Unternehmen bereits zum Einsatz kommen. Die Sparkassenorganisation hat sich von der Berliner Agentur Golden Alligator Interactivities ein Media-Center entwickeln lassen, das Audio- und Videobeiträge intelligent in ihre Internetfilialen einbindet. Damit bedienen sie dem neuen und meiner Ansicht nach wegweisenden Bewegtbildtrend im Netz.
Wie verändert die aktuelle Entwicklung die Organisation in Ihrem Unternehmen?
Ich befasse mich seit Jahren intensiv mit Online Relations und der Frage, wie sich einzelne Social-Media-Plattformen für die PR nutzen lassen. Meine Beratungsleistung ist auf Kundenseite sehr gefragt. Meine Agentur hat ein mehrstufiges Verfahren entwickelt, mit dem wir Social-Media-Plattformen auf ihre PR-Tauglichkeit untersuchen können. Zudem entwickele ich gemeinsam mit meinem Team strategische Kommunikationskonzepte, die die aktuellen Entwicklungen berücksichtigen. Diese Konzepte werden anschließend in die Praxis umgesetzt. Bisher hat jedes Konzept seinen Praxistest bestanden.
Vielen Dank Oliver, für dieses interessante Gespräch – und freuen uns natürlich auf eure Kommentare, Feedback und Anregungen!
Weitere Experten Interviews zum Thema “Social Media im Unternehmenseinsatz”:
- Tim Cole über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Jochen Mai über den Social Media Einsatz in Unternehmen
- Thomas Pfeiffer über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Bernhard Jodeleit über den Social Media Einsatz in Unternehmen
- Frank Wolf von der T-Systems zum Thema Social Media Entwicklung in Unternehmen
- Karsten Füllhaas zum Thema Social Media Entwicklung in Unternehmen
- Kerstin Hoffmann über klassische PR in Zeiten der “Social Media”
Expertenmeinung: Jan Hendrik Senf zur Nutzung von Social Media in Unternehmen
10. Mai 2010 um 9:00 von Mario Grobholz
Unser heutiger Interviewpartner ist Jan Hendrik Senf. Der sympathische Berliner ist Berater und Begleiter für Effektivität und Effizienz in Social Media. Er hat u.a. für und mit MTV, PRINZ Berlin, Berlin.de, tip Stadtmagazin Berlin, Ein Hartz für Berlin Spendengala und Steinbeis SMI gearbeitet. Im März 2010 hat er den ersten Twittwoch-Praxisworkshop in Berlin geleitet. Der Workshop ist Teil der neuen Workshop-Reihe des Twittwoch e.V. (Veranstaltung zu Social Media in Unternehmen) und wird am 27. Mai auch in München angeboten.
Hier seine Antworten auf unsere Fragen zur Nutzung von Social Media in Unternehmen:
JHS: Jeder Berater, der das behauptet, gehört aus meiner Sicht geohrfeigt. Natürlich ist es immer wieder erfreulich, zu sehen, dass es in den allermeisten Fällen dann doch extrem passt. Dass das individuelle Potenzial eines Unternehmens, sinnvoll und mit Mehrwert für alle Seiten in Social Media aktiv zu werden, einem förmlich entgegenspringt. Und dass man deshalb eigentlich besser gestern als morgen damit hätte anfangen sollen, dieses Potenzial in neue Prozesse zu übertragen.
Ich finde es immer wieder auf ein Neues toll und aufregend, Firmen und deren Mitarbeitern zu helfen, sich durch Social Media in der Aussenwirkung von einer langweiligen Raupe in einen bunt schillernden Schmetterling mit souverän lockerem Flügelschlag zu verwandeln. Doch es gibt aus meiner Sicht eben auch einige Fälle, in denen das nicht sinnvoll und auch überhaupt nicht zielführend ist. Warum sollte zum Beispiel ein Hersteller von Spezialschrauben für Brückenpfeiler eine Facebook-Fanpage oder einen twitter-Account pflegen? Da gibt es sicher genügend dringende Dinge, mit denen die Zeit dort sinnvoller verbracht werden kann.
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
JHS: In der Geschäftsführung. Ein Traum. Ich denke, es geht nichts über die Vorbildfunktion einer professionell in Social Media agierenden Unternehmensleitung. Die nicht nur Ressourcen und Respekt für Social Media einräumt, sondern aktiv und kompetent einbezogen ist. So etwas hat intern einfach eine starke Signalwirkung und setzt aus meiner Sicht nicht zu unterschätzende, hohe transformatorische Energien für Unternehmen frei.
Bis es in der Mehrzahl der in Social Media aktiven Unternehmen soweit ist, dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen. In den meisten Fällen ist es ja doch so, dass schon viel gewonnen ist, wenn die Chefetage den Entschluss gefasst hat, erste Schritte konsequent und strukturiert gehen zu wollen. Und die hierfür notwendigen Möglichkeiten schafft, also Projektteams genehmigt und Mitarbeiter mit dem notwendigen Zeitkontingent inthronisiert. Gerade das ist aus meiner Erfahrung immer wieder ein sich erst langsam einpendelnder Verständnisbildungsprozess.
Operativ tätige Social Media Manager bzw. mit den Aufgaben betreute Mitarbeiter klagen nach einer ersten Phase der Begeisterung nach ein paar Wochen oft schnell über zu wenig Zeit für die Pflege der neuen, oft nur individuell sinnvoll zu pflegenden, digitalen Dependancen. Das ist schade, denn Social Media Aktivitäten geschehen nicht umsonst, sondern haben nachhaltig wirkende und bleibende, fast immer überwiegend positive Konsequenzen für Unternehmen.
Sie lassen sich aber letztlich trotz oftmals kostenlos nutzbarer Dienste auch nicht umsonst realisieren. Arbeitszeit kostet immer Geld. Wir sprechen hier ja von den so genannten Opportunitätskosten. Bedeutet: Die Zeit, die jemand für Social Media aufwendet, kann im besten Fall sinnvoll sein. Sie geht aber immer zu Lasten anderer Aufgaben. Es wäre schön, wenn hier mehr Wertschätzung innerhalb der Unternehmen stattfinden könnte. Wenn entsprechende Mitarbeiter konsequent genügend Zeit zur Verfügung gestellt bekommen würden. Doch zurück zur eigentlichen Frage: Aus meiner Sicht gibt es ungefähr fünf sinnvolle Optionen.
Option 1: Ein Mitarbeiter übernimmt die Social Media Aktivitäten und es werden klare Prozesse für den internen Kommunikationsfluss in Richtung dieses Mitarbeiter aufgesetzt.
Vorteile: Konsistent in der Aussenwirkung; wenig operativer Abstimmungsaufwand bzgl. Pflege der verschiedenen Kanäle; klare Zuständigkeit und Ansprechperson intern und extern.
Nachteile: Gefahr von Hoheitswissen; Gefahr der mangelhaften Reflexion des eigenen Tenor als Unternehmensrepräsentant; interner Verwaltungsaufwand und mangelnde Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung sowie keine fachliche Kompetenz in Bezug auf die weitergetragenen und eventuell von Nutzern kommentierten und mit Fragen versehenen Meldungen.
Option 2: Mehrere Mitarbeiter (z.B. 2 – 3) aus einer Abteilung übernehmen die Social Media Aktivitäten, sinnvollerweise aus der Marketing-/ Kommunikations- / Redaktions- Abteilung.
Vorteile: Gemeinsame Lernkurve und hoher Reflexions- und Austauschgrad; Passung in die sonstige Kommunikationskultur; Nähe zu den zur Verfügung stehenden bzw. zu kommunizierenden Inhalten. Vertreung im Urlaubsfall möglich und Vermeidung von Hoheitswissen.
Nachteile: Erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich verteilte Aktivität; Abstimmungsaufwand bzgl. zu erledigender o. bereits erledigter operativer Tätigkeiten; sinnvolle Notwendigkeit, um Nutzer nicht zu verwirren: Verwendung von Kürzeln an gesendeten Meldungen.
Option 3: Mehrere Mitarbeiter (z.B. 4 – 5) aus verschiedenen Abteilungen übernehmen die Social Media Aktivitäten.
Vorteile: Hoher Abdeckungsgrad der kommunizierten Unternehmensaktivitäten; Zusammenarbeit und hierdurch gegenseitiges Verständnis der verschiedenen Abteilung; positive Wahrnehmung durch die Nutzer und Verfügbarkeit kompetenter Ansprechpartner aus dem Unternehmen; Notwendigkeit der Nutzung kollaborativer Tools im operativen Daily Business = Transformationspotenzial für die Unternehmenskultur.
Nachteile: Langer Prozess der Findung des individuellen Unternehmenstenors in der Aussenkommunikation durch Social Media; Notwendigkeit von deutlichen Social Media Richtlinien und gemeinsam festgelegten Zielen und Vorgehensweisen.
Option 4: Ein Social Media Desk wird in der Marketing-/ Kommunikations- / Redaktions- Abteilung o.ä. eingerichtet und es findet ein Rotationsverfahren der Zuständigkeit statt. Vorteil: Wer am Desk sitzt, ist – z.B. für eine Stunde – ausschließlich in Social Media aktiv. Hierdurch kann, für alle Seiten sinnvoll, ein effizienter und effektiver Umgang mit der knappen Ressource Zeit stattfinden. Alle beteiligten Mitarbeiter sind in einem vertretbaren und klar überschaubaren Rahmen eingebunden und können theoretisch die gleiche Lernkurve haben. Jede Social Media Aktivität wird zu einer klar greifbaren und abgrenzbaren Tätigkeit. Prokrastinierung wird verhindert. Nachteil: Hoher Abstimmungsaufwand in Bezug auf zu erledigende oder bereits erledigte Dinge; langsame Resonanzprozesse in Bezug auf individuelle Nutzerbeziehungen und Aktionen.
Option 5: Alle Mitarbeiter des Unternehmens sind in die Social Media Aktivitäten eingebunden.
Vorteile: Exponentielle Steigerung des gesamten Kommunikationsoutput; implizierter Weiterbildungsaspekt für alle Mitarbeiter; hohes Transformationspotenzial für die Unternehmenskultur; schnelle Reaktionszeiten aus Nutzersicht; starke und positiv wahrgenommene Aussenwirkung einer derartigen Unternehmenskultur. Nachteile: Starker Bedarf nach Guidelines und Richtlinien; Verwaltungsaufwand bzgl. Rechten und Log-Ins etc.; mangelndes Sendungsbewusstsein bei einem Teil der Mitarbeiter = erzwungenes und somit kontraproduktives Kommunikationsverhalten.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
JHS: Leider aus meiner Sicht oft entweder viel zu viele oder viel zu wenige. Ich denke, es kommt auf eine gesunde Mischung von messbaren und nichtmessbaren Zielen an. Und die Kompetenz, die Relevanz von diesen – sowohl insgesamt als auch untereinander – unterscheiden zu können. Albert Einstein hat einmal etwas sehr treffendes hierzu gesagt: “Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles, was gezählt werden kann, zählt.” Unabhängig davon: So individuell wie die Unternehmen und deren Potenzial für eine sinnvolle Nutzung von Social Media, so unterschiedlich bemisst sich doch letztlich immer auch Erfolg. Blogposts und Beiträge bzgl. der vermeintlich zu messenden Ziele gibt es ja zu Genüge. Ich möchte deshalb lieber dazu anregen, diese erst einmal vorab selbst im Unternehmen zu entwickeln. Hierzu hat sich aus meiner Sicht die intensive und schriftliche Beantwortung der folgenden 10 Punkte bewährt:
- 1. Was soll erreicht werden?
- 2. Warum Social Media?
- 3. Welche Art von Social Media hilft optimal, um die Ziele zu erreichen?
- 4. Wie bereit sind wir, die Kontrolle – zumindest partiell – abzugeben?
- 5. Wie soll Partizipation erzeugt werden?
- 6. Wer wird die Social Media Präsenz(en) pflegen?
- 7. Wieviele Ressourcen sind vorhanden, um eine kurzlebige Kampagne zu vermeiden?
- 8. Wie passt die Nutzeraktivierung über Social Media in die allgemeine Marketing / Kommunikationsstrategie?
- 9. Wie wird Erfolg gemessen? Was sind Fehler?
- 10. Was wird vernachlässigt, wenn Ressourcen für Social Media aufgewendet werden?
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
JHS: Meine Kunden. Mich selbst. Ok, Spaß beiseite: Wenn ich so darüber nachdenke, dann sind das extrem viele. Einfacher und weitaus platzsparender wäre es wohl, jene aufzuzählen, bei denen es nicht so gut läuft. Die sich leider nicht von der Raupe zum Schmetterling entwickelt haben. Obwohl: Da müsste ich jetzt aber auch ganz schön nachdenken. Und das ist doch mal wirklich großartig, erfreulich und motivierend.
Wir bedanken uns bei Jan-Hendrik Senf für das Interview – und freuen uns natürlich auf eure Kommentare, Feedback, Anregungen und Republikationen!
Sie fanden das Experten-Interview mit Jan-Hendrik Senf interessant? Dann lesen Sie hier weiter:
- Christoph Bauer über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Michael Reuter über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Nils Hitze über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Marc Frey über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Frank Wolf (T-Systems) über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
- Christoph Hölzlwimmer über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
Expertenmeinung: Tim Cole über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
26. April 2010 um 9:09 von Mario Grobholz
Für unser heutiges Montags-Gastinterview haben wir Tim Cole gebeten, uns die 4 Fragen zum Einsatz von Social Media in Unternehmen zu beantworten. Tim Cole gilt als einer der erfahrensten Internet-Publizisten im deutschsprachigen Raum und hat gerade sein jüngstes Buch veröffentlicht.
Er ist seit Jahrzehnten als Journalist und Kolumnist tätig. Seine Beiträge, Kommentare und Kolumnen erscheinen in führenden Wirtschaftsmagazinen wie Capital, Tageszeitungen wie Süddeutsche Zeitung oder Die Welt sowie in Fachpublikationen und Online-Magazinen.Kurz: Tim Cole ist ein “alter Hase” auf seinem Gebiet. Gemeinsam mit Ossi Urchs war er jahrelang Gastgeber von „eTalk“ bei n-tv, einer Talkshow mit Prominenz aus den Bereichen IT, Telekommunikation, Internet und Hightech. Als Buchautor („Erfolgsfaktor Internet“, „Econ“, „Das Kunden-Kartell – die neue Macht des Kunden im Internet“ und „Hanser“) sowie als Berater und Referent bei Seminaren und Firmenveranstaltungen steht der gebürtige Amerikaner im intensiven Dialog mit Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Finanzen.
Tim, denken Sie, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
Tim Cole: Ich denke, dass Firmen, die kein Social Media Marketing betreiben, bald überhaupt kein Marketing mehr nötig haben werden – weil es sie nicht mehr geben wird. Was ist denn eigentlich so neu an der Vorstellung, seine Kunden zu fragen, was sie wollen? Warum tun sich gerade deutsche Unternehmer so schwer damit? Statt dessen hört man hierzulande krude Witzchen wie: „Bei uns steht der Kunde immer im Mittelpunkt – und damit allen im Wege…“. Das Gegenteil von sozialen Medien sind unsoziale Medien. Das sollte uns zu denken geben.
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
Tim Cole: Ohne Power von oben funktioniert Marketing nicht, ob im Internet oder sonst wo. Der Chef muss mitziehen, aber jeder in der Firma ist ein potenzieller Botschafter seines Unternehmens in Plattformen wie Facebook, Xing, YouTube oder wie sie alle heißen. Die Marketingabteilung sollte zuerst mal Werbung im eigenen Haus machen. Pech, natürlich, wenn das Unternehmen seinen Mitarbeitern gerade verboten hat, während der Arbeitszeit Facebook zu nutzen. Dann haben die sich halt ins Knie geschossen…
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
Tim Cole: Mit Social Marketing ist es wie sonst auch in der Unternehmenskommunikation: Jeder Marketingchef könnte sich sofort die Hälfte seiner Ausgaben sparen, wenn der wüsste, welche Hälfte… Umgekehrt wird ein Schuh draus: Was kostet es mich, wenn nicht kein Social Marketing mache? Fragen Sie die Firma Kaffee Partner, was für einen Schaden für sie entstanden ist, nachdem mein Freund Michael Kausch auf czyslansky.net von seinem Ärger mit dem Knebelvertrag und dem miserablen Service der Firma berichtet hat. Sein Blog ist inzwischen zu einem Sammelbecken für unzufriedene Kunden der Firma geworden, die sich mit Horrorgeschichten überbieten und sich gegenseitig Tipps geben, wie man sich erfolgreich aus dem Vertrag rausklagen kann. Michaels Posting liegt bei Google inzwischen auf Platz zwei – direkt hinter der Website des Unternehmens Kaffee Partner selbst. Ich wollte jedenfalls nicht in der Haut des Marketingleiters stecken, wenn der seinem Chef erklären muss, warum die Umsatzzahlen gerade in den Keller gehen…
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
Tim Cole: In meinem neuen Buch, „Unternehmen 2020 – das Internet war erst der Anfang“ habe ich gleich mehrere Fallbeispiele solcher Unternehmen beschrieben. Einer meiner Lieblingsbeispiele ist fahrrad.de in Esslingen, die inzwischen gar keine Kundenberater mehr beschäftigen. „Unsere Kunden sind unsere besten Berater“, sagte mir Steffen Grunegger, der sich dort „Web 2.0-Manager“ nennt. Sein Job ist es, in der Community unterwegs zu sein und das „Gesicht“ seiner Firma gegenüber der großen Gemeinde der Radfahrer zu sein. Damit schafft der Glaubwürdigkeit und Vertrauen – zwei der wichtigsten Erfolgsfaktoren für jedes Unternehmen im Zeitalter der vernetzten Wirtschaft.
Wir bedanken uns bei Tim Cole für das Interview – und freuen uns natürlich auf eure Kommentare, Feedback, Anregungen und Republikationen!
Expertenmeinung: Sacha Wigdorovits über den Social Media Einsatz in Unternehmen
19. April 2010 um 9:07 von Mario Grobholz
Zum heutigen Experten-Interview haben wir den schweizer Journalist, Unternehmer und Social Media Kenner Sacha Wigdorovits geladen. Als Mitbegründer der Gratiszeitungen «20 Minuten» und «.ch» schrieb Sacha Wigdorovits in den vergangenen zehn Jahren Mediengeschichte in der Schweiz. Zuvor war der Zürcher Medien- und PR-Spezialist zwanzig Jahre lang als Journalist tätig, unter anderem als USA-Korrespondent bei der SonntagsZeitung und als Chefredaktor beim Blick. 1998 gründete er die Contract Media AG, eine Agentur für holistische Kommunikation, deren Geschäftsführer er heute ist.
Auf der diesjährigen “Swiss Online Marketing” hielt der Absolvent der Harvard Business School zum Thema „Kommunikation und Marketing im Zeitalter der Social Networks“ den Keynote Vortrag. In die Schlagzeilen geriet Wigdorovits im November 2009, als er Berater von Milliardärssohn Carl Hirschmann wurde. Reputationsmäßig eine ziemlich spannende Story, die allerdings heute und hier nicht behandelt wird…. Wir haben Sacha Wigdorovits gebeten, und folgende Fragen zu beantworten:
Denken Sie, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
SW: Ja, aber bevor man damit beginnt, muss man sich gut überlegen, was man damit bezweckt und wie man dies organisiert.
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
SW: Das hängt davon ab, wie das Unternehmen in der Kommunikation und im Marketing aufgestellt ist und was man mit den Social-Network-Aktivitäten bezweckt: dienen sie mehr der Corporate Communication und Imagebuilding oder dem Marketing?
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
SW: Das können unterschiedliche Ziele sein: Awareness der Marke, Imagepflege, Verkauf von Produkten, Personalsuche – je nach Unternehmen und Branche.
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
SW: Erfolg ist, mindestens kurzfristig, nicht immer leicht zu messen, vor allem wenn es um Aktivitäten zum Imagebuilding geht. Aber für Unternehmen aus der Musikindustrie, dem Gamingbereich und aus anderen Branchen, die ein junges Zielpublikum haben, wie zum Beispiel Nachtclubs und Discos, zahlen sich Social-Media-Aktivitäten schon heute nachweisbar kommerziell aus.
Expertenmeinung: Thomas Pfeiffer über den Einsatz von Social Media in Unternehmen
12. April 2010 um 9:03 von Mario Grobholz
Ist Social Media ein Hype? Gibt es überhaupt eine Entscheidung dafür oder dagegen? Viele Unternehmen (und auch Privatpersonen) verfolgen die Presse mit gemischten Gefühlen. Einerseits wird von unternehmerischen Vorteilen, Gewinnsteigerung und verbesserter Kommunikation mit neuen und alten Zielgruppen gesprochen – andererseits werden auch die Risiken einer umfassenden Social Media Strategie in Unternehmen beleuchtet.
Einer, der sich damit gut auskennen muss ist Thomas Pfeiffer: Medienpädagoge, Webevangelist, selbstständiger Online-Konzeptioner und Programmierer mit dem Schwerpunkt Web 2.0 & Social Media. Wir haben ihn gebeten, die folgenden Fragen für uns zu beantworten:
Denken Sie, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
TP: Nein, dass denke ich nicht. Einige wollen uns das weiß machen. Es gibt doch sowieso keinen „Standard“. Die einen machen Werbung in der Lokalzeitung, andere Fernsehwerbung. Manche sponsern einen Fußballverein, andere verlassen sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Social Media ist momentan das Hype-Thema schlechthin. Zum Teil ist das auch gerechtfertigt. Immer mehr Menschen tummeln sich in Online-Communities. Dort hinzugehen, wo die Menschen sind, ergibt durchaus Sinn. Aber jedes Unternehmen muss für sich entscheiden: Wo ist meine Zielgruppe? Passt Social Media Marketing überhaupt zu meinem Unternehmen?
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
TP: Idealiter ist Social Media nicht nur eine „One-Man-Show“ im Unternehmen. Social Media an sich ist ja mehr als nur Facebook, Twitter oder StudiVZ. Social Media ist eine Unternehmensphilosophie, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt, zwischen den Mitarbeitern, den Partner und natürlich gegenüber den Kunden: kurz allen Stakeholdern eines Unternehmens. Social Media Aktivitäten und Kampagnen sind eine klassischen Mischform zwischen PR- und Marketing-Abteilung. Ohne Rückedeckung durch das Management oder Verständnis dafür in der gesamten Belegschaft werden aber Fehler passieren. Vodafone hat glücklicherweise diese Fehler schon begangen (und hoffentlich daraus gelernt): Twitteraccounts auf Werbeanzeigen werden wohl in Zukunft nicht mehr gefaked.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
TP: Auch da ist noch vieles im Unklaren. Vom Online-Marketing sind Entscheider klare Zahlen und Meßinstrumente gewohnt: z.B. den Tausender-Kontakt-Preis (TKP) für Werbebanner. Dieses Instrumentarium greift aber im Social Web, der klassichen Long Tail, immer weniger. Manchen schlagen nur vor, das „User Engagement“ miteinzubeziehen, bspw., ob Inhalte kommentieren oder weiterverbreitet werden. Ich persönlich halte diese Operationalisierungen nicht nur für kompliziert. Ich glaube auch, dass sie nicht das wiedergeben, was sie vorgeben, zu messen (das nennt man mangelnde Validität).
Letztenendes ist doch der Geschäftserfolg entscheidend. Ähnlich wie bei der Bandenwerbung im heimischen Stadion muss man bei Social Media vorsichtig sein, mit einer blinden Zahlengläubigkeit. Ein valides, belastbares Äquivalent zum TKP oder zur Auflage eines Printmagazins gibt es noch nicht. Und ich persönlich glaube, das wird auch noch lange so bleiben. Noch wird hier viel experimentiert und ausprobiert.
Welche Unternehmen kennen Sie, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
TP: Man muss Vodafone sehr dankbar sein, dass sie als großes, internationales Unternehmen sich in Social Media gewagt haben und Fehler begangen haben. Davon haben alle profitiert (leider auch die nervigen Berufsnörgler-Dons, aber das ist wohl ein Kollateralschaden dabei
Alles in allem haben sie einen mutigen Schritt getan und auch vieles richtig gemacht. Es gibt ein paar Perlen, ich möchte nur zwei Beispiele herausgreifen: Der Bewerberblog hat sich sehr gut positioniert als richtig kleines Unternehmen, das zunächst auf der Suche nach qualifizierten Personal fürs eigene Wachstum war. Und DM Alverde, die Twitter und Facebook sehr schön fürs eigenen Marketing einsetzen. Das sind nur zwei von vielen Beispielen. Wer noch mehr kennt: Nur her damit, kommentieren Sie hier oder schreiben Sie mir auf Twitter @codeispoetry oder auf http://twittwoch.de/facebook











