Archiv für Kategorie 'Reputationsmanagement'
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19. Juli 2010 um 8:40 von Mario Grobholz
Wir werden zu Cyber-Exhibitionisten und präsentieren uns in einem Glashaus der ganzen Welt. Und für was? Um uns zu einer Marke zu machen, uns darzustellen und uns der Welt mitzuteilen.
Einst im antiken Griechenland entzog sich der junge Narcissus aus Stolz der Liebe der Nymphe Echo. Dafür traf ihn der rächende Fluch, sein eigenes Spiegelbild in jedem Wasser lieben zu müssen, welches sich ihm gleichfalls immer entzog. So verliebte er sich stets beim Wassertrinken aus dem Brunnen in sein unerreichbares Selbstbild.
Die große Gemeinschaft der „Onliner“ hat dank der Entwicklung nutzerfreundlicher Social Software heute die Chance, ihre Spiegelbilder in potenzieller Endlosschleife auf Facebook, YouTube, mySpace, Twitter oder StudiVZ zu beäugen. Und mancher User scheint sein „Profil“ dort mit solch obsessiver Leidenschaft zu pflegen, betrachten und zu überhöhen, wie es der Geschichte des hellenischen Teenagers nicht besser entsprechen könnte.
Netzwerken sei dank, scheut sich keiner mehr, sich im Web zu zeigen. Waren wir vor ein paar Jahren noch vorsichtig mit unseren Daten im Netz, zeigen wir uns jetzt sogar mit Bild und lassen die Welt mitverfolgen, was wir den ganzen Tag so machen. Jeder geht dabei ganz anders vor, eine Studie hat allerdings herausgefunden, dass 80 Prozent der Twitter-User nur von sich selbst reden. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Rutgers University, im Zuge derer die Wissenschaftler Mor Naaman, Jeffreey Boase und Chih-Hui Lai über 3.000 Status-Meldungen von rund 350 Nutzern untersucht haben.
Interessant dazu auch das Buch von Markenexperte Jon Christoph Berndt: “Die stärkste Marke sind Sie selbst!“. Darin beschreibt der Autor Jon Christoph Berndt die Möglichkeiten das eigene Profil zur Marke zu entwickeln. Der Mensch wird Marke. Es geht darum seine Einzigartigkeit auf den Punkt zu bringen und dies auch Online transparent zu machen. Wer dieses Handwerk zukünftig versteht wird nicht nur erfolgreich seine Personenmarke positionieren, sondern auch für Unternehmen als Mitarbeiter interessant werden, denn eine starke Marke braucht starke Mitarbeiter. Jon Christoph schreibt seit einigen Wochen hier in unserem Blog als Gastautor über Human Branding.
Auch andere Social-Networking-Sites bringen bei ihren Mitgliedern vermehrt narzisstische Züge zum Vorschein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von Wissenschaftern der San Diego State University (SDSU) unter mehr als 1.000 College-Studenten aus den gesamten USA durchgeführt wurde. 57 Prozent davon gaben an, dass die Personen in ihrer Altersgruppe Social-Networking-Sites wie Facebook, Twitter oder MySpace vorwiegend für Selbstvermarktung, Narzissmus und Aufmerksamkeitssuche verwenden.
Die Wissenschafter wollen außerdem herausgefunden haben, dass die “Generation Y” der nach 1980 Geborenen generell mehr Wert auf Selbstvermarktung, Narzissmus, erhöhtes Selbstbewusstsein und Aufmerksamkeitssuche legt als vorherige Generationen. Zwei Drittel der Befragten stimmten dieser Aussage jedenfalls zu.
Herangezogene Quelle – Narziss im Cyberspace, Martina Mara
Online Reputation Management im TV
28. Mai 2010 um 8:30 von Mario Grobholz
Ein schlechter Ruf im Internet kann Job und Karriere kosten! Das Anschreiben individuell, das Foto perfekt, der Lebenslauf rund – und trotzdem klappt’s nicht mit den Bewerbungen auf eine Stelle?
Vielleicht liegt’s an Altlasten im Internet, denn Personalabteilungen nutzen zunehmend den Blick ins Web, bevor sie einen Bewerber zum Gespräch einladen. Besonders betroffen sind auch Jugendliche: Die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz wird durch Fotos von Saufgelagen nicht gerade besser.
Das war vor wenigen Tagen das Thema auch auf Deutsche Welle TV, dem öffentlich rechtlichen Rundfunksender mit über 100 Mio. Zuschauern in über 30 Ländern. Dazu wurden wir von der Redaktion des deutschen Auslandsfernsehens als Experte eingeladen um Einblicke in die Möglichkeiten des Online Reputation Managements zu geben.
Dabei stand unser neuester Service Ruflotse im Mittelpunkt.
Internetsurfer behalten mit dem Ruflotse jederzeit den Überblick, was über einen bestimmten Suchbegriff im Internet zu finden ist. Hierfür wird einmalig ein Suchagent mit dem gewünschten Begriff angelegt, das kann der eigene Name, der Name eines Familienmitglieds, ein Firmenname oder ein anderer frei gewählter Begriff sein. Anschließend durchforstet der Dienst vollautomatisch das gesamte Internet. Neue Funde werden per E-Mail mitgeteilt. Zu unliebsamen Einträgen kann per Mausklick ein Löschauftrag gestellt werden.
Jon Christoph Berndt®: Stefan Raab – Wie einer 2 Mio. Euro verliert und der große Gewinner ist
15. April 2010 um 11:15 von Jon Christoph Berndt
Ist das schön, den und das schau’ sogar ich gern! Dabei ist Stefan Raab mein Anti-TV-Held, bisschen zu flachgründig und zu despektierlich in seinen Äußerungen. Das mag ich nicht und hat er gar nicht nötig. Allerdings: Der Typ ist nicht vielleicht ’ne Marke, sondern ganz bestimmt! Das nicht wegen irgendwelcher Unterschichtenautorennen und -wokschlittergeschichten, sondern wegen seiner beharrlichen Konsequenz.
Starker Markenstichtag Stefan Raab: Samstagabend, 10. April 2010:
Da gibt es zum 22. Mal “Schlag den Raab“ auf Pro7, ein wirklich illustres TV-Format und nicht nur Spätbügelfernsehen. Marke Raab tritt gegen den 29-jährigen Unfallchirurgen Hans Martin aus Stolpe an. Schon vor der Sendung hatte der großspurig verkündet: „Sportlich gesehen hat der Stefan keine Chance.”
Hans Martin soll Recht behalten; Großmaul stürzt in der siebten Runde, auf dem Parcoursritt mit dem Mountainbike. Und das ziemlich schwer: „Der große Mann des Unterhaltungsfernsehens“ (na ja, liebe Süddeutsche Zeitung, da wollen wir mal die berühmte Kirche im berühmten Dorf lassen; an meinen Kulenkampff kommt der nicht ran!) steigt über den Lenker ab und bremst, wie es sich der durchschnittliche deutsche Sofasurfer und Salzlettenschweinleeresser live erhofft – mit dem Gesicht (wo bleibt die Kamera, die ist doch sonst immer voll drauf!!!???), echtes Blut, wow! Schon beim Zuschauen brennt es wie Hölle!
Also: Gehirnerschütterung, Kieferhöhlenwand- und Jochbeinbruch, kurzzeitige Amnesie, Schürfwunden und Prellungen; ein exquisites Ergebnis, formidabel für die Quote. Das Groteske: Er gibt Gas! „Die Show muss weitergehen, die Werbekunden haben schließlich gezahlt“, da hat die Süddeutsche so Recht. Jeder andere hätte als letzte Geste die Karte von der Barmer Ersatzkasse gezückt und dann das Licht ausgemacht: Soll Hans Martin doch gewinnen durch K.O., der Sender ist doch gut versichert! Nicht jedoch unsere stahlharte Marke Raab, der „harte Hund“ laut Stern . Dass er zum Schluß beim Gewinnen verliert – geschenkt!
Das lieben wir an der Markenfront, wenn jemand so konsequent ist, dass wir uns jederzeit auf ihn verlassen können. Genau wie bei den Lieblingsprodukten, die wir so gern haben – Coca Cola, BMW, m&m’s –, nur ganz anders. Und das liebt die Werbewirtschaft: Stefan Raabs Marktwert ist am Samstagabend stark gestiegen. Und das lieben die Kollegen an der Online-Reputation-Front: Stefan Raabs Unfall und die elektronische Berichterstattung als wunderbarer Best Case, was die stringente Rufpflege angeht. So sorgt sich Deutschlands Jochbeinexperte Nr. 1 und Human Branding-Trittbrettfahrer Dr. Ahmmed-Ziah Taufig in der Knallpresse „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Raabs Jochbein bei einem Trauma erneut bricht und sich verschiebt.“ O Gott!
Nun müssen wir uns sicher nicht vor Millionenpublikum und live erst auf die Fresse legen und dann munter weiterradeln, um in der Wertschätzung unserer Mitmenschen zu steigen. Vielmehr geht es um die Konsequenz; bei allem was wir tun und allem, was wir lassen. Das ist gut für Marke, Ruf, Begehrlichkeit. Dann lösen wir einen wahren Sog aus und müssen nicht so laut rufen, was wir alles Tolles können und zu bieten haben. Und es geht darum, dass ein profilierter Markenmensch immer wieder aneckt. Ohne Ecken und Kanten kann man im Einheitsbrei nicht mitschwimmen. Auf welche Art auch immer. So laut und grotesk wie Stefan Raab oder ganz anders. Nur passen sollte es.
Denken Sie beim nächsten Zaudern, Wankelmütigsein und Aufgeben an Stefan Raab. Ich tue es auch.
Stay tuned!
Mehr von Jon Christoph Berndt® und Human Branding gibt’s hier:
Setzen, 6! Facebook und Co. unter der Warentest-Lupe
7. April 2010 um 9:04 von Martina Doherr
Sicherheitsprobleme, mangelnder Datenschutz und eine flexible Handhabung der Nutzerrechte: Stiftung Warentest deckt auf, wo es bei den beliebtesten deutschen Netzwerken “hakt”. Auch die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisiert den mangelnden Datenschutz bei Facebook öffentlich und droht mit Löschung ihres Accounts.
Es dauerte laut Aussage der Warentester bei einigen Netzwerken nur einige Tage, bis man sich Zugriff auf persönliche Daten verschafft hatte. Das Ergebnis ist wahrhaft gruselig: Alle getesteten Netzwerke sind gerade beim Datenschutz lückenhaft, acht von zehn Portalen zeigten sogar „deutliche“ oder „erhebliche Mängel“.
Wer etwa eigene Texte und Bilder in Facebook stellt, verzichtet automatisch auf seine Rechte am geistigen Eigentum. Wenn man bei diesem Test von einem Highscore sprechen kann, dann hält diesen in der Kategorie “Nutzerdaten” auf jeden Fall MySpace. Hier hat die Stiftung über 20 unwirksame Klauseln gefunden, nach denen sich das Portal an Nutzerdaten bedienen darf.
Sonst oft getadelt- diesmal gelobt: die Friendcommunities SchülerVZ und StudiVZ, die laut der Stiftung als positive Beispiele vorran gehen, da auf beiden Portalen die persönlichen Informationen und Daten der Nutzer kaum an Dritte weitergeben werden. Als negative Spitzenreiter fallen in diesem Test neben MySpace auch Facebook und stayfriends aus der Reihe.
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat den mangelnden Datenschutz bei Facebook jetzt öffentlich kritisiert. In einem von Spiegel Online veröffentlichten Brief an Mark Zuckerberg fordert sie auf, persönliche Nutzer-Daten nicht ohne Einwilligung automatisch an Dritte weiterzugeben. “Sollte Facebook nicht bereit sein, seine Firmenpolitik zu ändern und die eklatanten Missstände zu beheben, sehe ich mich gezwungen, meine Mitgliedschaft zu beenden,” so die empörte Ministerin am Ende ihres Briefes.
Darüber hinaus patzte die weltweit größte Community Facebook am 31.März in den frühen Morgenstunden gleich nochmal in Sachen Daten-Sicherheit, als irrtümlich die Mail-Adressen aller zirka 400 Millionen Mitglieder für mehrere Minuten öffentlich angezeigt wurden. Laut Tech-Blog Gawker dauerte die Panne circa eine knappe halbe Stunde, die, laut Aussage von Facebook-Deutschland, von einem Bug ausgelöst wurde während der üblichen Code-Aktualisierung. Die verborgenen Mail-Adressen aller Nutzer waren deshalb kurz sichtbar. Facebook korrigierte diesen grob-datenschutzfeindlichen Fehler, äußerte sich aber bislang nicht weiter zu dem Vorfall.
Hier die vergebenen Noten aller getesten Netzwerke im Vergleich:
- Organisation und Transparenz: befriedigend
- Umgang mit Nutzerdaten: sehr gut
- Datensicherheit: ausreichend
- Nutzerrechte: sehr gut
- Jugendschutz: ausreichend
- Mängel in den AGB: sehr gering
Gesamtbewertung: EINIGE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: gut
- Umgang mit Nutzerdaten: gut
- Datensicherheit: ausreichend
- Nutzerrechte: sehr gut
- Jugendschutz: befriedigend
- Mängel in den AGB: sehr gering
Gesamtbewertung: EINIGE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: befriedigend
- Umgang mit Nutzerdaten: gut
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: gut
- Jugendschutz: befriedigend
- Mängel in den AGB: gering
Gesamtbewertung: DEUTLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: befriedigend
- Umgang mit Nutzerdaten: ausreichend
- Datensicherheit: ausreichend
- Nutzerrechte: befriedigend
- Jugendschutz: befriedigend
- Mängel in den AGB: gering
Gesamtbewertung: DEUTLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: befriedigend
- Umgang mit Nutzerdaten: gut
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: befriedigend
- Jugendschutz: ausreichend
- Mängel in den AGB: keine
Gesamtbewertung: DEUTLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: befriedigend
- Umgang mit Nutzerdaten: gut
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: befriedigend
- Jugendschutz: ausreichend
- Mängel in den AGB: sehr gering
Gesamtbewertung: DEUTLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: ausreichend
- Umgang mit Nutzerdaten: gut
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: ausreichend
- Jugendschutz: mangelhaft
- Mängel in den AGB: keine
Gesamtbewertung: ERHEBLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: mangelhaft
- Umgang mit Nutzerdaten: ausreichend
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: befriedigend
- Jugendschutz: befriedigend
- Mängel in den AGB: sehr deutlich
Gesamtbewertung: ERHEBLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: ausreichend
- Umgang mit Nutzerdaten: mangelhaft
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: mangelhaft
- Jugendschutz: ausreichend
- Mängel in den AGB: sehr deutlich
Gesamtbewertung: ERHEBLICHE MÄNGEL
- Organisation und Transparenz: mangelhaft
- Umgang mit Nutzerdaten: mangelhaft
- Datensicherheit: mangelhaft
- Nutzerrechte: mangelhaft
- Jugendschutz: ausreichend
- Mängel in den AGB: sehr deutlich
Gesamtbewertung: ERHEBLICHE MÄNGEL
(Quelle: Stiftung Warentest 04/2010)
Wer ganz sicher sein möchte, dass garantiert NICHTS in die Öffentlichkeit gerät, sollte vor jedem Post, jedem hochgeladenen Bild und Video einfach genau überlegen, was er damit bezweckt und welchen “Risikofaktor” er damit eingehen möchte. Diese sogenannte Medienkompetenz beginnt heute bereits im Grundschulalter und zieht sich während der Schulaufbahn bis hin zum Studium und dem späteren Arbeitsplatz durch.
Wer sich hier noch etwas genauer informieren möchte, was myON-ID über dieses Thema bereits berichtet hat, kann hier weiterlesen:
Jon Christoph Berndt®: Weißer Rabe Grigory Perelman
1. April 2010 um 9:40 von Jon Christoph Berndt
Beim Blättern im Blätterwald fand ich dieser Tage eine ganz besonders schöne Geschichte: Da knackt ein russischer Mathematiker eine harte Nuss, an der sich seine Mathematikerkollegen auf der ganzen Welt hundert Jahre lang die Zähne ausgebissen haben. Und dann – verzichtet er auf Ruhm, Ehre, Preise und eine Million Dollar.
Besser noch: Lieber lebt Grigori Jakowlewitsch Perelman zurückgezogen bei seiner Mutter in einer kleinen Datscha am Rande von Sankt Petersburg und spielt den ganzen Tag Tischtennis gegen sich selbst. Das Schönste: Die Geschichte ist wahr. „Ziemlich verrückt, aber auch ziemlich sympathisch“, sagt die Knallpresse.
Da wird jemand berühmt, weil er nicht berühmt werden will. Und das will er nicht aus Kalkül nicht, sondern weil er halt so ist; in der Wolle gefärbt echt, ohne Lust darauf sich zu verbiegen oder gar verbiegen zu lassen: Ihr könnt mich mal kreuzweise! Behaltet Eure Preise, Euer Geld, Euren Rummel, und lasst mich in Ruhe Tischtennis spielen gegen mich selbst!
2006, vier Jahre nach Perelmans Lösung des Problems um die so genannte Poincaré-Vermutung (ich hatte Mathe Leistung und verstehe nur Bahnhof; mehr dazu jedoch gern hier), sollte ihm auf dem Internationalen Mathematiker-Kongress in Madrid die Fields-Medaille, sie gilt als Nobel-Preis der Mathematik, verliehen werden. Perelman tauchte aber erst gar nicht auf. Damit stieß er nicht nur die gesamte mathematische Elite, sondern auch den Medaillenverleiher König Juan Carlos, vor den Kopf. Auch wurscht, sagte er sich. Auf die mehrfach ausgesprochene Einladung hatte er nicht mal geantwortet. Dem „New Yorker“ sagte Perelman dazu: „Wenn sich zeigt, dass die Beweisführung stimmt, brauche ich keine weitere Anerkennung. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich die Auszeichnung ablehnen werde. Die Medaille ist für mich völlig unbedeutend.“ (Quelle und mehr dazu: Spiegel)
Nun steckt hinter dieser starken konsequenten Haltung vermutlich nicht nur himmelhoch Jauchzendes, sondern auch ordentlich Betrübtes. Wo Markenlicht ist, ist auch Markenschatten. So liest man davon, dass Poincaré-Löser Perelman schon in grauer Vorzeit an der University of California in Berkeley sowohl durch seine Schlauheit als auch durch seine Ablehnung von Materiellem als „Weißer Rabe“ auffiel. Das ist Russisch und bedeutet so etwas wie „Schwarzes Schaf“ wobei diese Bezeichnung genauso gut wertschätzend positiv wie abschätzig negativ gemeint sein kann.
Was meinen Sie: Ist Perelmans Erscheinung und Wahrnehmung als Weißer Rabe im Sinne der profilierten Human Brand positiv oder negativ? Etwas pointierter als Radio Eriwan’s Standardantwort „Kommt darauf an“ ist zu sagen:
- zur Erscheinung: Nun ja, der Mann sieht aus, als möchte man ihm mal fünf Mark schenken. Doch, wird er sagen, wen schert’s? Ich mach’ mich für mein Tischtennisspiel gegen mich selbst so zurecht, wie es mir beliebt! Recht hat er, der Herr Perelman. Auf die roten Teppiche und die Bühnen des Lebens will er ja nicht drauf. Und seine Mama wird ihn lieb haben wie er ist und aussieht.
- zur Wahrnehmung: irgendwie cool und begehrlich, finde ich. Und nicht so nahbar und damit belanglos wie die Boris Beckers dieser Welt. Da schreibt denn auch Blogger-Kollege Perez Hilton, weltweit ziemlich vernetzt und einflussreich, was A-, B- und C-Promis angeht: “This guy is so AWESOMELY insane!! We LOVE it!!”
Wie auch immer wir alle es sehen: Unstrittig ist, dass Grigory Perelman echt profiliert ist. Wichtiger noch: Er ruht in sich selbst und muss sich nichts beweisen. Das sind die besten Voraussetzungen für eine profilierte Wahrnehmung. Diese im gesellschaftlichen Leben, als Exot, als – wie ich finde, positiv so bezeichneter – Weißer Rabe, den man doch irgendwie ganz anziehend findet. Diese auch im Internet-Leben, wo selbst die Online-Reputation-Profis genau wie wir Leute von der Human-Branding-Front gar nicht mehr viel außer dem ausrichten können, was Herr Perelman schon ganz nebenbei und ungeplant für seine markenstarke Wahrnehmung getan hat.
Er wollte nie eine starke Marke sein. Nun ist er eine. Wahrlich genial.
Stay tuned!
Nix wie weg – Hotels haben es in der Bewertung am schwersten
30. März 2010 um 9:04 von Martina Doherr
Das Hotelbewertungsportal holidaycheck.de macht gerade einigen Hotels das Leben schwer. Aus mehr als 1,3 Millionen abgegebener Bewertungen hat das Portal jetzt die 10 Ekelhaftesten gekürt.
Wie kommt es, dass gerade Hotels so schlecht wegkommen bei der Vergabe von Bewertungen im Netz? Vielleicht liegt es daran, dass Hotelbewertungen bei den Nutzern zum Standard geworden sind, während diese nur gelegentlich von den Hotels selbst kontrolliert werden. Aber warum? Wenn doch jeder Urlauber, der einen internetfähigen Rechner herumstehen hat, weiß, dass es: 1. Portale wie beispielsweise holidaycheck.de oder Tripadvisor gibt – und 2., wie man dort seiner Meinung freien Lauf lassen kann. Scheinbar haben noch nicht alle Hotels das gleiche Ziel: mittels zufriedener Gäste und deren Kommentare in Communities wie Facebook oder Twitter wahrgenommen zu werden. Aber erfolgreiches Tourismusmarketing im Web 2.0 kann eben nur dann funktionieren, wenn nicht nur die Gäste, sondern auch das Hotelpersonal in „Social Marketing“ geschult und eingebunden wird.
Ich wage zu bezweifeln, dass die Hotelliers diesen Umstand bewusst ignorieren. Schließlich lebt ein Hotel (wie jeder andere gatsronomische Betrieb auch) von seinem guten Ruf. Die Generierung von Hotelbewertungen ist ein also ein „Must have“ für Hotels, die in heutigen Zeiten überleben wollen. Bietet ein Hotel oder Gästehaus seinen Besuchern die Möglichkeit, ihre Zufriedenheit oder auch Unzufriedenheit direkt auf der eigenen Hotelseite zu äußern, verringert sich das Risiko, langfristige Rufschädigung in Foren oder Blogs zu ernten. Diese zeigt sich mangels Übersicht der aktuellen Nennungen zum Hotelnamen allerdings häufig erst bei ausbleibender Buchung im nächsten Ferienzeitraum.
Mit der passenden Monitoring-Strategie kann sich jeder Betrieb vor einem möglichen Reputations-Supergau schützen. Nicht nur, dass das Hotel so jederzeit den Überblick darüber hat, was wo über das Haus gepostet wird, der Betreiber hat so natürlich auch die Chance, frühzeitig zu reagieren. Er hat die Wahl, sich zu negativen Aussagen unzufriedener Gäste zu äußern, diese evtl. direkt zu revidieren. Oder, bei einer totalen Einbahnstrasse, mit einem Löschauftrag den entsprechenden Eintrag entfernen zu lassen, um Trittbrettfahrer zu vermeiden.
Natürlich ist selbst die beste Monitoring-Lösung nicht das Erfolgsrezept für Hotelbetriebe, sondern sie dient als Marketing-Tool. Was für einen zufriedenen Gast zählt, sind weiterhin Sauberkeit, Service, gutes Essen und Freundlichkeit. Dann kommt der Gast gerne wieder. Und hinterlässt auch einen entsprechenden Kommentar für alle, die den Namen diese Hotels in irgend einem Forum dieser Welt eingeben werden.
Jon Christoph Berndt: FDP-”Quartalsspinner” Wolfgang Kubicki
25. März 2010 um 11:03 von Jon Christoph Berndt
Super, was da derzeit aus Richtung Kiel in Richtung Berlin, München und Wohin-auch-immer gefeuert wird: Da sitzt Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein, und merkt, dass aus ihm so richtig nichts mehr werden wird.
Mit das Größte, was ich seit meiner Volljährigkeit gelesen habe, ist das ultimative Zeit-Interview mit dem „Quartalsspinner“ (CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt). Der Mann ist ganz bestimmt ’ne Marke und gefundenes Fressen für meine Tiefenstudien über verzweifelte Restprofilierung strahlungsarmer Hinterbänkler kurz vor Ende der Restlaufzeit. (Henrik M Punkt Broder und Michel Paolo Pinkel Friedman sind da Brüder im Geiste in derselben Marken-Range.) Wow, geht’s da ab in der Zeit:
- Ganz nett: Er würde „zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock“, wäre er doch noch im Berliner Politikbetrieb gefragt.
- Schon ziemlich fett: Parteikollegin Silvana Koch-Mehrin habe er „ein einziges Mal angebaggert“, bis ein Riesenkerl, offenbar ein Mann, neben ihm gestanden sei: „Da bin ich einfach aufgestanden und habe noch einen schönen Tag gewünscht.“
- Ein richtiges Brett: Nach der anstehenden NRW-Wahl mit ordentlich Prozentpunkten für die FDP werde man auf die CSU einhauen, „bis die Schwarte kracht. Diesen CSU-Generalsekretär (Anm. Alexander Dobrindt) werden wir uns als Erstes vornehmen. Feuer frei von jedem. Ich freue mich schon auf jede Sottise. Und warum nicht auch mal den CSU-Chef Horst Seehofer fragen: Hat Ihre Abneigung gegen die Kopfpauschale auch damit zu tun, dass Ihre Familienplanung etwas aus dem Ruder gelaufen ist?“
Von diesen Marken werden wir regiert, liebe Nichtwählerinnen und Nichtwähler. Das Verrückte: Der Mann ist wirklich eine starke Human Brand, richtig gut: messerscharf profiliert, klare Kante, konsequent bis zum Schluss, der doch irgendwann mal kommen muss. So muss sie sein, was die Thermik und damit die Wahrnehmung angeht, die sie verursacht. Nur bei Maybrit Illner (“Der ist doch froh, seit Jahren wieder eingeladen zu sein”) ist am vergangenen Donnerstag der Fuß vom Gas gerutscht. Das darf nicht passieren, Herr Quartalsspinner: Ein wirklich scharfer Schäferhund bietet niemals seinen Bauch beim Spielen dar!
Was wir von Windhose Kubicki (zieht auf, bläst, zieht wieder ab, und hernach ist’s, als wäre nichts gewesen) tatsächlich – und das ist immer das Wichtigste – Nutzbringendes und Freudvolles haben (Stichwort substanzieller Gesellschaftsbeitrag) weiß ich nicht. Er wohl auch nicht. Ist auch egal. Dafür weiß die Knallpresse was:
Die Bild zur Baggerfahrt mit Frau Koch-Mehrin: „Sehr männlich – und sehr menschlich. Zudem zeigt er Geschmack“
Der Stern zum Zeit-Interview: „Kubicki hat Arsch in der Hose“
Ich sag’s lieber mit Roger Willemsen, legendär im vergangenen Frühsommer über Heidi Klum in der taz: „Da möchte man sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln – wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre.” Wäre das, lieber Herr Willemsen, angesichts von Herrn Kubicki denn auch männerfeindlich?
Liebe Leserin, lieber Leser in NRW: Bitte gehen Sie am 9. Mai zur Wahl. Unterlassen Sie Trinkerei, Hurerei und Baggerei am Vorabend, damit in der Wahlkabine nicht der Bleistift ausrutscht. CSU-Mann Alexander Dobrindt, der sicher schon ganz arg vor der starken Marke Kubicki zittert, wird es Ihnen danken.
Stay tuned!
Jon Christoph Berndt: Norbert Leithold und sein „Pornolotl“
18. März 2010 um 9:02 von Jon Christoph Berndt
Man könnte lachen, wenn’s nicht so traurig wär’: Ursprünglich war Norbert Leithold für sein neues Sachbuch „Graf Goertz: Der große Unbekannte“ für den Preis der Leipziger Buchmesse vorgeschlagen. Wow! Das freut auch den Osburg Verlag, bisher etwas für kleine Bücher kleiner Autoren mit kleiner Auflage.
Dann wird’s kryptisch und ein Fall für die stringente Menschenmarken-führung: Das FAZ-Feuilleton schreibt am vergangenen Freitag unter der Überschrift „Wie viel Vorleben ist erlaubt?“ von „Pornolotl“ und dass die Nominierung nach einigen Nachforschungen des Preiskomitees zurück-genommen wurde: Man stieß auf ein Vorgängerwerk Leitholds mit dem Titel „2040“, in dem von der Islamisierung Deutschlands die Rede ist. Darf man ja auch schreiben als Autor, sofern der Verfassungsschutz nicht aufmuckt. Und der Islam ist ja nicht Graf Goertz. Leithold verwies dann auf den bereits erfolgreich erhaltenen Alfred-Döblin-Preis der Berliner Akademie der Künste – aber davon will diese Akademie so gar nichts wissen. Also rudern die Leipziger, auch aus noch pikanteren Gründen, zurück. Denen wird’s langsam mulmig, die Nominierung ist perdu.
Hintergrund 1: Norbert Leithold hieß mal Norbert Bleisch, und zwar auf dem Cover von „Viertes Deutschland“. Und dafür hatte er 1991 tatsächlich den Alfred-Döblin-Förderpreis erhalten.
Hintergrund 2: Norbert Leithold hieß mal Sebastian Bleisch, und der wirkte seit 1990 in über 60 Pornofilmen mit. Auch Jugendliche sollen dabei gewesen und dafür bezahlt worden sein, und dafür gab’s für Norbertsebastian Leitholdbleisch das Essen durch die Klappe.
Also was jetzt: Der gepflegte Boulevard und die intellektuelle Knallpresse lieben doch so etwas! Aber dann muss
- ordentlich recherchiert werden von den Buchmesse-Preisverteilern; die haben die ganzen Namen und Themen und Preise durcheinander gebracht und Recherchemühen gescheut (das machen ja gemeinhin auch die Autoren)
- Herr Leithold auch so eine gierige Lobby haben wie zum Beispiel Prof. Miriam Meckel; die ist Lebenspartnerin von Anne Will, und solcher Sex sells sogar ein Burnout-Buch auf Platz 10 bei Amazon (mein Neid sei mit ihr!)
- Herr Leithold zu Alias, Porno und Knast stehen wie Michaela Schaffrath und Sibel Kekilli; absolute Konfrontation weist dann denn Weg in die Medien, auf die Preisbühne und die Amazon-Hitliste.
Norbert Leithold ist keine starke Marke, sondern ein schlaffes Märkchen. Da kann „Graf Goertz: Der große Unbekannte“ ein noch so großes Werk sein – es wird unbekannt bleiben, weil sein Autor weder Fisch noch Fleisch ist. Absolute Konfrontation wäre angezeigt gewesen: Natürlich gibt es das Deutschland-Islamisierungs-Werk, natürlich bin ich Porno-Bleisch, natürlich saß ich im Knast. Und das ist gut so! Das gab mir die Kraft und die Reife für den Grafen Goertz! Dann wird eine Story draus, und eine echt gute Story macht die Human Brand Norbert Leithold lebbar und erlebbar, für ein Preiskomitee genauso wie für die Medien und die Buchkäufer.
Die schmutzigen Schmankerl müssen heutzutage einfach größer gefeiert werden: Sehr schön, aber zu spät für den Leipziger Literaturpreis kommt das Welt-Interview mit Norbert Leithold vom 26. Februar. Sehr gut für die Online-Reputation, da nimmt der Fast-Preisträger endlich das Marken-Heft in die Hand.
Es gewinnt nun einmal nicht der beste Autor, sondern der mit der besten Verpackung. Der schafft es dann nicht nur mit „Pornolotl“ ins FAZ-Spezialisten-Feuilleton, sondern zu Amelie Fried und Ijoma Mangold von „Lesen!“ im ZDF und dann auf die Impulstische im gut sortierten Bahnhofsbuchhandel.
Jon Christoph Berndt: Das Marken-Armageddon
11. März 2010 um 2:48 von Jon Christoph Berndt
Gestern in der Süddeutschen Zeitung, Printausgabe (so was gibt es noch…): Unter der Überschrift „Axolotls Vorgänger“ erlebt Prof. Dr. Claudia Kemfert ihr ganz persönliches Marken-Armageddon: Sie hat geklaut!
Eine ziemlich bekannte und anerkannte Wissenschaftlerin, Expertin für Energie und Klimapolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), hat abgeschrieben; ohne Hinweis auf den Urheber! Und das für einen Artikel über die Privatisierung der Bahn. Ein Viertel des Textes stammt wortwörtlich von wikipedia.de, wo jeder alles schreiben und jeder ungeprüft alles übernehmen kann und das sogar tut (inkl. Tageschau und die BILD sowieso)! Bei sueddeutsche.de ist der Marken-GAU hier nachzulesen.
Die Headline des Artikels bezieht sich auf die frisch gehypte Junior-Super-Human-Brand Helene Hegemann und ihren frisch gehypten Junior-Super-Debut-Roman „Axolotl Roadkill“. Für den hat sie abgeschrieben, was das Zeug hält, und ist laut spiegel.de „eher so regiemäßig drangegangen”. Ok, das Mädel ist 18, ein bisschen schnell ein bisschen hoch geflogen, der Sonne zu nah gekommen, und da wird es halt warm. Außerdem gibt sie entwaffnend alles zu, mit großem Augenaufschlag; wer wird ihr da schön böse sein wollen oder sogar können?
Bei Frau Prof. Kemfert, die sich oft und gern medial inszeniert und präsentiert, ist das etwas anderes: In ihrer senioren Position müssen wir erwarten dürfen, dass sie vor und hinter ihrem Institut und vor allem vor und hinter ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht. Da reicht es eben nicht, wenn sie zwar den Sachverhalt zugibt, jedoch abwinkt, dass hier „die wissenschaftliche Basis für meinen Bericht auf einer Recherche eines Mitarbeiters“ beruht (Felix Berth, „Axolotls Vorgänger“, Süddeutsche Zeitung, 10.03.10). Im Gegenteil: Das ist sogar kontraproduktiv. Wer lange genug im Geschäft ist und sich dafür exponiert, muss nun mal mit heißem Gegenwind rechnen da oben an der Sonne; das ist völlig normal und richtig so. Normal und richtig so ist es aber nicht, wenn die Chefin alles auf den unbedarften Praktikanten aus Tonga Tabu schiebt, der schon lange wieder daheim ist und von dem eh keiner wissen will, ob er jemals mehr Substanzielles als die Wikipedia-Recherche zur Privatisierung der Bahn hinterlassen hat.
Die Süddeutsche kommt zu dem Schluss, dass das Vorgehen von Frau Prof. Kemfert „unsauber“ ist. Und das nicht nur, weil in den forschungsethischen Prinzipien des DIW die „unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorenschaft„ als „wissenschaftliches Fehlverhalten“ (Felix Berth, ebd) gilt.
Prof. Dr. Claudia Kemfert hält viel beachtete Keynote-Vorträge, auch in einer gemeinsamen Vortragsreihe mit mir und weiteren Speakern bei „Unternehmen Erfolg“ und Focus. Dort heißt ihr Thema „Die wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes“. Damit ihre Human Brand und damit ihre Themen und Inhalte glaubwürdig bleiben, wünsche ich mir, dass sie zu den Plagiatsvorwürfen proaktiv und substanziell Stellung bezieht. Auf ihrer Website findet sich bis eben – außer ziemlich guter Eigen-PR, die idealtypisch auf die Marke Claudia Kemfert einzahlt – gar nichts. Das ist nicht zur zuwenig, sondern birgt vor allem die Gefahr, dass sich das Thema medial verselbständigt und Frau Kemfert die Chance verpasst und nicht mehr bekommt, selbst Herrin der Lage zur sein und den Diskurs zu steuern. Eine Human Brand ist jahrelang aufgebaut und sekundenschnell zerstört.
Die Illusion der absoluten Markenkontrolle
10. März 2010 um 9:15 von Mario Grobholz
Vielleicht haben Sie schon davon gehört, dass die Marke Ihres Unternehmens nicht mehr Ihnen gehört? Die Behauptung basiert dabei auf einfacher Mathematik. Im Zeitalter von Blogs, Diskussionsforen, Facebook, Twitter und anderen Web 2.0 Tools kann fast jeder online gehen und über Ihr Unternehmen und seine Angebote reden. Als Ergebnis kommt heraus, dass die Menge an Informationen, die Ihre Marketing-und PR-Abteilung erzeugen kann, nur einen kleinen Prozentsatz des Gesamtvolumens von Inhalten über Ihre Firma im Internet ist.
Bedeutender werden diese Stimmen zudem, wenn einige dieser Stimmen genauso beliebt oder gar beliebter als Ihre offizielle Stimme werden. Diese werden Sie dann sehr weit oben bei Google und Co. finden. Nehmen wir Jako als Beispiel. Eigentlich ein Sportbekleidungshersteller, ist Jako im Herbst 2009 stark in die Kritik geraten, da sie einen Blogger abmahnten, der sich abfällig über ein neues Logo äußerte. Immer noch findet man jetzt unter den ersten Suchergebnissen Einträge zu diesem Vorfall. Das Image und die Reputation von Jako ist daher nicht nur verändert, sondern in diesem speziellen Fall nachhaltig beschädigt worden.
Die Fehler der “Großen”
Große Organisation reagieren sehr empfindlich wenn es um ihre Marke geht. Die Wenigsten sind glücklich über den Kontrollverlust und haben Wege gefunden damit umzugehen. Sie reagieren auf die Web 2.0-Ära in unterschiedlicher Weise aber die meisten von ihnen starten vergeblich den Versuch, Kontrolle auszuüben oder wiederherzustellen.
Einige verschieben ihre großen Marketing-Kampagnen in die Onlinewelt, um den Gesprächen “von Draußen” entgegen zu wirken. Andere versuchen, Einfluss auf bedeutende Stimmen “von Außen” zu nehmen. Viele monitoren (verfolgen) auch Gespräche die online stattfinden und beteiligen sich an diesen, indem sie u. a. offizielle Facebook-Fan-Seiten oder Twitter-Accounts ins Leben rufen. Andere stellen auch Mitarbeiter, die mit nichts anderem beschäftigt sind, als das Unternehmen nach außen hin gut dastehen zu lassen. Das funktioniert allerdings nur selten, denn Web-User sind sehr gut im Erschnüffeln unechter Stimmen und ignorieren diese bzw. greifen diese sogar an.
Einige große Unternehmen haben einen anderen Ansatz gewählt: Sie haben ihre mangelnde Kontrolle über die eigene Marke angenommen und ermutigen nun intensiv Mitarbeiter an Online-Unterhaltungen teilzunehmen ohne sie darauf zu schulen oder einen Leitfaden zu entwickeln. Ihre Argumente an die Mitarbeiter heißen meist wie folgt: “Sie kennen ja unser Unternehmen sehr gut, erzählen Sie über uns im Web. Wir wollen, dass die Welt erfährt, was Sie zu sagen haben.”
Erst denken, dann reden
Klingt das alles sehr riskant für Sie? Halten Sie sich nun vor Augen, welche gravierende Ausmaße ein falscher Ansatz haben kann? Es ist einfacher als es aussieht und mit ein paar logischen Maßnahmen schaffen auch Sie den Sprung in die vielseitige Onlinewelt.
Als erster Tipp sei gesagt, dass ad hoc aufgesetzte Online-Kommunikationstools zu vermeiden sind, um es nicht dem Zufall zu überlassen, ob ein Dialog mit den Kunden entsteht oder er gänzlich abgelehnt wird. Um effektiv mit Social Media arbeiten zu können sind einige Schritte notwendig, um zu vermeiden, dass ohne Ziel in den Web-Wald hinein geschriehen wird, ohne Antwort zu erhalten.
Zielgruppen müssen definiert werden, Kommunikationsziele festgelegt, Strategien entwickelt und die richtigen Technologien eingesetzt werden. Des Weiteren sollte man sich vorher ein Bild machen, wo und wie die Kommunikation im WWW stattfindet. Twitter zum Beispiel wird derzeit als wichtigstes Marketingtool im Onlinebereich gehandelt. Was aber, wenn Ihr Klientel sich auf dieser Plattform gar nicht bewegt? Sie wären sicherlich schnell vom ausbleibenden Dialogeffekt enttäuscht und entscheiden, dass Social Media nicht in Ihr Portfolio passt. Doch vielleicht gibt es themenrelevante Foren, die Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung schon längst diskutieren. Genau das gilt herausgefunden zu werden, bevor auch nur ein Schritt in die Webwelt gesetzt wird.
Die ersten Schritte für einen erfolgreichen Social Media Start
- Crawling – Identifikation der Zielgruppen-Communities (Wo wird gesprochen?)
- Monitoring – Was wird geredet?
- Mood-Controlling – Wie wird über die Marke und die Firma gesprochen (Tendenz positiv oder negativ)?
- Prioritätsanalyse – Welche Social Media Kanäle müssen am intensivsten angegangen werden?
Kommunikation im Internet kann nun gezielt angegangen werden. Es wird zugehört und Ihr Unternehmen kann von Feedback, Kritik und Lob auf Echtzeitbasis profitieren. Social Media Kanäle richtig eingesetzt können somit schon bald einen entscheidenden Vorteil gegenüber Ihren Wettbewerbern bringen.
Bildquelle: Flickr @arisey







