Jugendschutz im Web: Cybermobbing und anderen Gefahren den Riegel vorschieben
1. März 2011 um 9:41 von Mario Grobholz
Als eine Schülerin im kalifornischen San Jose mit ihrem Freund Schluss machte, begann dieser sie zu mobben, gemeinsam mit ihren Freundinnen. Dem Bombardement von 3.500 anfeindenden SMS innerhalb eines Monats und Kommentaren auf Facebook, die sie als Lesbe bezeichneten und ihr AIDS andichteten, konnte das Mädchen nach einiger Zeit nicht mehr standhalten: Sie versuchte, sich das Leben zu nehmen. Sie überlebte – aber mit schweren Hirnschäden. Dieser Fall war am Sonntag Thema im Weltspiegel auf ARD. Auch hierzulande sind junge Menschen von Cybermobbing betroffen, wie eine aktuelle Studie belegt. Um Kinder vor verbalen Angriffen in der digitalen Welt zu schützen und um ihnen im Ernstfall zu helfen, ist es essenziell zu wissen, in welchem Umfeld sich der Nachwuchs im Netz bewegt und mit welchen Themen er konfrontiert ist.
Die Tendenz ist eindeutig – Kinder sind immer häufiger und früher online. Die KIM (Kinder und Medien)-Studie, die vergangene Woche vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest veröffentlicht wurde, zeigt, dass sich 2010 bereits 43 Prozent der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren regelmäßig in Online-Communities aufgehalten haben. Wie Heise berichtet, waren dies noch zwei Jahre zuvor nur 16 Prozent. Es ist ganz klar: Schüler halten sich dort auf, wo auch ihre Freunde zu finden sind. Daher ist es nur natürlich, dass die Nutzung sozialer Netzwerke schneeballartig zunimmt. Und wo junge Menschen aufeinandertreffen, kann es eben leider auch zu Hetzjagden kommen. Laut der jüngsten EU Kids Online-Studie waren bereits 39 Prozent der Kinder in Europa mit einem oder mehreren Online-Risiken konfrontiert, darunter mit dem Missbrauch persönlicher Daten, Pornographie, dem Erhalten sexueller Nachrichten, sogenanntem „Sexting“ und Mobbing, auch „Online-Bullying“ genannt.
Wie können Eltern ihren Kindern bei der Nutzung des Internets zur Seite stehen?
Ein offener Austausch zwischen Eltern und Kindern über die Online-Welt ist essenziell. Statt als strikte Kontroll-Instanz aufzutreten sollten Mütter und Väter die Medienkompetenz der Kinder beim Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken fördern, ihnen helfen, persönliche Daten zu schützen und mit ihnen über Inhalte sprechen, denen sie im Web begegnen. Wichtig ist auch, den Kindern klarzumachen, dass sie den Erziehungsberechtigten Ängste und Probleme anzuvertrauen sollten, die bei der Webnutzung entstehen.
Eltern sollten sich regelmäßig einen Überblick darüber verschaffen, welche Beiträge, Fotos und Kommentare über den Namen des Kindes im öffentlich zugänglichen Web zu finden sind. Zum sicheren Umgang mit dem Netz empfiehlt es sich auch, dem Kind regelmäßig bei der Nutzung des Internets und sozialer Netzwerke wie Facebook oder SchülerVZ über die Schulter zu sehen.
Ebenso wie Eltern den Fernsehkonsum ihrer Kinder beobachten und einschränken sollten, ist es logisch, dass sich das Gleiche für das Internet empfiehlt. Denn die Welt des Internets ist unendlich weit. Werden die Risiken minimiert und das World Wide Web in Maßen konsumiert, stellt das Internet enorme Bildungschancen für den Nachwuchs dar.
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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