Social Media Expeditionen: Tourismusbranche noch nicht am Ziel angekommen
21. März 2011 um 11:37 von Philipp Strobel
Vor rund einer Woche hat die alljährliche Internationale Tourismusbörse (ITB) Berlin, die weltweit größte Tourismusmesse, wieder Medienvertreter und Tourismusakteure aus aller Welt in ihren Bann gezogen. Viel diskutiert wurden unter anderem die Chancen und Risiken des Social Webs für die Reiseindustrie. Zeitlich passend kursiert eine neue Studie zu „Social Media in der Tourismusbranche“, in der es heißt, die Branche sei gerade mal im Web 1.5 unterwegs.
Die Tourismusbranche nutzt zwar die vielfältigen Möglichkeiten des Internets und des Social Webs – jedoch noch nicht optimal und effizient genug. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin hat zeitgleich zur ITB die Studie „Web 2.0 in the Tourism Industry – Status Quo 2011“ vorgestellt: Das Social Web wird noch nicht so recht in die Online Marketing-Strategien eingebunden; man „kann im Tourismussektor maximal von Web 1.5 sprechen“, fasst Prof. Dr. Holger Lütters von der HTW zusammen.
Wie i-marketing-net.com berichtet, findet der Wettbewerb in der Tourismusbranche überwiegend immer noch klassisch über die Instrumente „Katalog” und „Preis” statt. Soziale Netzwerke beispielsweise werden in die Informations- und Vertriebsstrategien nur vereinzelt eingebunden, obwohl auf der Hand liegt, dass Social Media für die Tourismusbranche besonders wichtig ist.
Im Tourismussektor sind Bewertungsportale für Reise und Urlaub wie HolidayCheck.de oder TripAdvisor.de wichtige Adressen geworden. Hier können sich Verbraucher bei der Auswahl von Hotels, Flügen und Pauschalreisen an den Empfehlungen anderer Reisender orientieren. HolidayInsider.de bietet daneben auch Privatunterkünfte an – der Spezialität, der sich Airbnb.com komplett widmet. Plattformen, die private Angebote vermarkten, sollten von der Hotelbranche nicht ignoriert bleiben, wie auch von Thomas Knüwer in seinem Blog „Indiskretion Ehrensache“ erwähnt. All diese Websites bieten genau das, was für Internetnutzer, die sich über Reisen und Urlaubsangebote informieren wollen, einen hohen Stellenwert hat: Meinungen von Kunden, die ähnliche Reise-Interessen haben und ihre Erfahrung in diesen Portalen teilen. Also Social Media durch und durch. Aber Bewertungsplattformen können die Tourismusbranche auch unter Druck setzen: In der Anonymität des World Wide Webs sind Hotelgäste teilweise erbarmungslos. Umso wichtiger sind aktives Engagement und Interaktion mit den Reisenden – auch online.
Die Möglichkeiten, das Social Web für die Reiseindustrie zu nutzen, sind vielfältig: Da Kunden die Meinungen in Bewertungsportalen sehr oft als gewichtige Entscheidungskriterien heranziehen, sollten diese auch von den Tourismusakteuren noch effizienter ausgewertet und für einen stetigen Fortschritt entsprechend den eigenen Online Marketing-Strategien profitabel genutzt werden. Neben diesen Portalen kann auch ein eigenes Bewertungsportal sinnvoll sein. Ein eigener Blog gibt dem Unternehmen zudem ein Gesicht, was sich wiederum positiv auf die Corporate Identity auswirkt. Daniella Dear, Autorin des Beitrags „Social Media in der Hotellerie“ auf pr-blogger.de beschreibt den Blog des Berlin Plaza Hotels als konstruktives Beispiel. Die Social Networks Facebook, Twitter & Co. tun ihr Übriges: Sie bieten die Möglichkeit, den Word-of-Mouth-Effekt nochmals zu multiplizieren und authentische Dialoge zu führen.
Das Social Web ist also geradezu prädestiniert für die Reiseindustrie, es in die eigene Online Marketing-Strategie zu integrieren. Für die Tourismusbranche gilt jetzt „nur noch“, sich weitere Wettbewerbsvorteile zu sichern, indem die eigene Social Media-Kompetenz weiter ausgebaut wird. Im besten Fall werden das Potenzial der vielen Millionen Social Web-Nutzer sowie die Kunden-Interaktionen auf die eigene Website zurückgeführt, um sie für eine langfristige Kundenbindung effektiv einzusetzen.
Dieser Artikel wurde von Philipp Strobel geschrieben.Philipp Strobel ist Business Development Manager bei der myON-ID Media GmbH. Hier ist er verantwortlich für den strategischen Vertrieb der iMedia Lounge und berät Unternehmen bei der Integration und Umsetzung professioneller Social Media-Lösungen. Zuvor war der Betriebswirt als Product Sales Manager bei Apple tätig. Er kann zudem auf eine fast zehnjährige Erfahrung als selbständiger IT-Berater für Apple Business-Lösungen zurückblicken.
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