Archiv für Januar 2011
„Social Media 2011“ – Experten geben einen Ausblick auf kommende Entwicklungen.
19. Januar 2011 um 8:15 von Mario Grobholz
2011 bedeutet für deutsche Unternehmen professionalisierter und strategischer in Sachen Social Media zu werden. Wurde vergangenes Jahr noch häufig die Frage nach der Relevanz von Social Media gestellt, tritt nun die Frage der Effizienz und nach der zielgruppengerechten Ausgestaltung von Social Media in den Vordergrund, so Tobias Hurrle im letzten Beitrag zur Serie „Social Media 2011“. Was sagt Johannes Marcus Schäfer von der nexum AG zur Entwicklung von Social Media in 2011?
Hallo Herr Schäfer, welche Erfahrungen machten Unternehmen in 2010 mit Social Media und wie wird sich Ihrer Meinung nach aufbauend darauf 2011 unterscheiden?
Das vergangene Jahr war davon geprägt, dass Unternehmen zunehmend dem Ruf von Social Media gefolgt sind. Hier konnte man vor allem eine Vielzahl neuer Facebook-Präsenzen und einige kreative Kampagnen beobachten. Viele Aktionen, für die soziale Netzwerke genutzt wurden, hatten dabei einen starken experimentellen Charakter.
2011 werden die Unternehmen einen Schritt weiter gehen und nach und nach ein besseres Verständnis für Social Media entwickeln. Vor allem im Hinblick auf den Paradigmenwechsel, der die Kommunikation im Social Web bestimmt: weg vom klassischen Werbedenken bzw. -handeln und hin zu einer authentischen und individuelleren Kommunikation mit seinen Zielgruppen. Dennoch müssen Unternehmen auch im Hinblick auf den „handwerklichen“ Teil ihre Hausaufgaben machen – fundiertes Knowhow über die Möglichkeiten ist häufig noch nicht vorhanden. Stichworte sind hier beispielsweise Social Media Applikationen, die Integration verschiedener Unternehmensbereiche in die Online-Kommunikation oder der Bereich Social Commerce.
Das heißt, vor welchen großen Herausforderungen im Umgang mit Social Media stehen Unternehmen für das gerade begonnene Jahr?
Die größten Herausforderungen liegen nicht in der Technologie sondern in den Köpfen der Kommunikatoren. Um im Social Web erfolgreich zu sein, zählen Ausdauer, ein langfristiges Vertrauen sowie neue Ideen, die überraschen und begeistern. Das Versprechen nach Authentizität sollten Unternehmen, die Social Media nutzen, auch einlösen. Zudem beinhaltet der angesprochene Paradigmenwechsel neben einem offenen und authentischen Umgang mit seinen Zielgruppen auch eine langfristige Denke. Nicht die einzelne Kampagne sollte im Fokus stehen sondern der Wandel in der Kommunikationsstrategie. Denn eines muss Unternehmen klar werden: Lassen sie sich auf Social Media ein, ist eine Transparenz automatisch gegeben – Nutzer erkennen schnell, ob Aussagen ernst gemeint sind oder nur ein Lippenbekenntnis, das konträr zum Handeln des entsprechenden Unternehmens steht.
Insgesamt wird der Wettbewerbsdruck auch im Social Web weiter stark ansteigen, was ebenfalls zu einer Herausforderung für Unternehmen wird. In vielen Fällen wird das Engagement im Social Web zu einer Art Hygienefaktor – zur Notwendigkeit, um im steigenden Angebot an Inhalten überhaupt wahrgenommen zu werden. So wird schnell klar, dass Social Media-Aktivitäten das gesamte Unternehmen betreffen. Es hilft also wenig, einen Social Media-Beauftragten zu etablieren. Vielmehr müssen Unternehmen intern die richtigen Strukturen schaffen, die eine erfolgreiche Social Media-Nutzung überhaupt erst ermöglichen.
Wie werden Unternehmen in Deutschland nun dieses Jahr in Sachen Social Media vorgehen?
Ein zentraler Punkt wird die Messbarkeit aller Kommunikationsaktivitäten im Social Web sein. Dazu gehört die Definition von KPIs, die jedoch ein besseres Verständnis über die Mechanismen erfordert, welche im direkten Dialog über unterschiedliche Social Media-Kanäle zum Tragen kommen. In diesem Zusammenhang wird Social Media Monitoring für Unternehmen zunehmend an Relevanz gewinnen.
Die Experimentierphase, die sich im Hinblick auf die Etablierung von Social Media-Aktivitäten bereits in der jüngeren Vergangenheit beobachten ließ, wird 2011 auf weitere Bereiche ausgedehnt. Die Voraussetzungen seitens der Betreiber sind mittlerweile genauso gegeben wie die Akzeptanz auf Seiten der Nutzer. Ein Beispiel sind Location Based Services, etwa über Facebook Places – ob auf Facebook Deals oder anderen Diensten aufbauend. In Verbindung mit der steigenden Nutzung von Smartphones wird die kontextbezogene Ansprache der Nutzer unterwegs allmählich massenrelevant und dadurch sehr interessant für eine Vielzahl von Unternehmen. Ein anderes Beispiel ist das Thema Employer Branding – die hohe Verfügbarkeit und Reichweite von Social Media-Diensten birgt ideale Möglichkeiten, Unternehmenswerte zu transportieren und potenzielle Bewerber besser anzusprechen, als über die klassischen Medien.
Auch im B2B-Bereich wird Social Media nochmals einen deutlichen Sprung machen. Das liegt zum einen an den vielfältigen Möglichkeiten, auf die Unternehmen zur Ansprache von Business-Kunden zurückgreifen können, zum anderen an der Entwicklung der Menschen selbst: Social Media ist keine reine B2C-„Plattform“. Auch die Entscheider in Unternehmen nutzen heute selbstverständlich Social Media-Netzwerke für ganz unterschiedliche Zwecke. Die Schere zwischen privat und geschäftlich wird dabei in den meisten Fällen kleiner, da das „9 to 5 und danach bleibt es privat“-Prinzip bereits heute stark aufgeweicht ist und diese Entwicklung noch weiter voranschreiten wird.
Herzlichen Dank, Herr Schäfer, für Ihre Meinung.
Seit April 2010 ist Johannes Marcus Schäfer als Marketing Manager für die Vermarktungsaktivitäten der nexum AG verantwortlich. Darüber hinaus berät er Kunden unterschiedlicher Branchen in Strategiefragen. Dies umfasst vor allem die Bereiche Online-Marketing und Social Media. Zuvor war er Projektmanager in der Abteilung „Neue Geschäftsfelder und zentrale Koordination“ der WDR mediagroup. Seine Aufgaben umfassten u. a. die Optimierung der Online-Marketingaktivitäten sowie die Entwicklung und Umsetzung der strategischen Online-Vermarktung. Während seines Diplomstudiums der Wirtschaftswissenschaften war Johannes M. Schäfer zweieinhalb Jahre als Werkstudent im Bereich Handelsmarketing für das internationale Technologieunternehmen Dyson tätig.
“Social Media 2011″ – weitere Interviews:
Social Media und Marke: „Expedition 206“ – das größte Social Media Projekt von Coca-Cola
13. Januar 2011 um 8:20 von Mario Grobholz
Coca-Colas größtes Social Media Projekt „Expedition 206“ ist beendet. Am 29.12.2010 kamen die drei Glücksbotschafter, die „Happiness Ambassadors“, die von Coca-Cola auf eine Reise durch 206 Länder geschickt wurden, wieder zu Hause an. Kelly, Toňo und Tony waren im Januar 2010 zu einer Weltreise aufgebrochen, um herauszufinden, was Menschen in unterschiedlichsten Ländern glücklich macht. Auf der eigenen Kampagnenwebseite, aber auch im Social Web, dokumentierten die drei „Happiness Ambassadors“ ihre Reise.
Ausgestattet mit Videokameras, Laptops und Smartphones war es das Ziel der Coca-Cola- Glücksbotschafter, möglichst viele der 206 Länder und Gebiete, in denen Coca-Cola verkauft wird, zu besuchen und zu ermitteln – und über Social Media zu dokumentieren – was Menschen weltweit glücklich macht. Ausgewählt wurden die „Happiness Ambassadors“ – der in München lebende Tony Martin, die Belgierin Kelly Ferris und Antonio Santiago aus Mexico-City – durch eine weltweite Onlineabstimmung.
Insgesamt dokumentierten die Teams auf Facebook, Youtube, Twitter, Flickr und im Blog ihre Reise in 186 Ländern (einige Länder konnten wegen Sicherheitsrisiken, Visa-Problemen oder durch Wetter ausgelöste Schwierigkeiten nicht besucht werden). Die Resonanzen war riesig. In China etwa wurde beim Instant-Messaging Dienst QQ 1 Milliarde Visits bzgl. des Stichworts „Expedition 206“ verzeichnet und auf Facebook erreichte das Social Media Projekt über 21,5 Millionen Fans. Coca-Cola selbst zeigt sich äußerst zufrieden mit seinem Projekt: 650 Millionen Medienaufrufe wurden insgesamt verzeichnet und unzählige Nutzer aktiviert.
Für die Deutschen – Tony besuchte hier Berlin – stehen Weihnachten, Fußball, Musik und Familie und Freunde auf der „Glücksliste“ ganz oben.
Weitere Artikel zu “Social Media und Marke”:
Das schreibt die Presse über myON-ID Media im Dezember
11. Januar 2011 um 8:20 von Mario Grobholz
Im Dezember veröffentlichte die c´t ein Special zum Thema Online Reputation Management. Unter dem Titel „Ihr guter Ruf im Web – Peinliches und Diffamierendes finden und entfernen“ erläuterte das Magazin für Computertechnik in drei Artikeln wie einfach Informationen im Netz über eine Person recherchiert werden können und wie man die Reputation – also den guten Ruf – im Internet schützen kann.
Die c´t zeigt am Beispiel einer realen Person (R.), dass jeder aus Informationen, welche über Jahre hinweg ins Internet gestellt wurden, ein sehr konkretes Profil der Testperson und auch deren Verwandten- und Freundeskreis erstellen kann.
„Am Ende der Recherche hatten wir Hunderte von Texten und Fotos sowie etliche Videos zusammengetragen. Dabei haben wir uns auf frei zugängliche Informationen aus dem Netz beschränkt. Selbst die Bankverbindung ließe sich mit einem ganz legalen Trick herausbekommen… Auf den beschriebenen Wegen gelang es uns, noch mehr Personen aus R.s engem Familien- und Freundeskreis aufzuspüren.“
Die Testperson der c´t zog ihr Einverständnis zur Namensveröffentlichung auf Grund der Vielzahl an Fundergebnissen zurück – obwohl die meisten von ihr selbst veröffentlicht wurden. Der Artikel der c´t verdeutlicht wie wichtig es auch für Privatpersonen ist, den eigenen Ruf im Web zu steuern und zu verteidigen. Die c´t bezog sich bei ihrem Special über das Thema “Online Reputation Management” auch auf unseren Dienst Ruflotse. Ruflotse sucht, findet und löscht unliebsame Einträge im Internet.
„Social Media 2011“ – Experten geben einen Ausblick auf kommende Entwicklungen.
4. Januar 2011 um 8:25 von Mario Grobholz
2011 findet Social Media seinen fixen Platz in der gesamten Kommunikation von Unternehmen und wird dort in seinen vielen Facetten vielschichtig angewendet werden. Dabei erfährt Social Media auch bei Krisenkommunikation eine zentrale Rolle – dies erwartete Jan Manz im vorangegangenen Beitrag. Heute gibt Tobias Hurrle von Lingner Consulting New Media einen Ausblick auf „Social Media 2011“.
Guten Tag Herr Hurrle, wenn Sie die Aktivitäten von Unternehmen in 2010 in Sachen Social Media beurteilen – welche Erfahrungen wurden hier gemacht und welche Unterschiede wird es in 2011 geben?
Ich berate vorwiegend Unternehmen im B2B Bereich, daher will ich mir auch nur für diesen Bereich eine Aussage gestatten. Die deutsche B2B Branche hat erst im Laufe dieses Jahres vorsichtige Schritte ins Social Web gewagt. Dabei ist zu erkennen, dass die Motivation Social Media als Kommunikationsweg zu nutzen, meist/verstärkt aus dem Bereich Personal entsteht. B2B Arbeitgeber sehen sich mit prestigeträchtigen B2C Firmen in einem „War for Talents“ und Social Media Kommunikation ist en vogue um diese Talente bereits frühzeitig an das Unternehmen zu binden. Unsere Kunden entdecken aber zunehmend, dass Social Media auch für das Kerngeschäft eine Rolle spielt. Im Zuge ihrer Aktivitäten stellen sie fest, dass es z.B. durchaus relevantes Zielgruppenpotential für den Maschinenbau im Social Web gibt und Youtube ein idealer Präsentationskanal für komplexe Produkte ist.
Welchen großen Herausforderungen im Umgang mit Social Media werden sich Unternehmen in 2011 gegenübersehen?
Ich glaube, dass 2011 ein sehr spannendes Jahr für den Bereich B2B in Social Media wird. So steht z.B. der endgültige Beweis, dass Social Media auch im Vertrieb eine tragende Rolle spielen kann meines Erachtens noch aus. Die Herausforderungen dabei sind vielfältig und nehmen noch weiter zu je mehr Bereiche eines Unternehmens sich diesen stellen.
Unternehmen versuchen diesen Herausforderungen zumeist mit Regeln – „Social Media Guidelines“ – und mit einem strategischeren Ansatz zu begegnen. Wie reagiert man, wenn auf Facebook z.B. die Anfrage nach der „Glue Consumption“ einer bestimmten Maschine gestellt wird? Wer im Konzern hat die Information? Darf sie öffentlich gemacht werden? Dies stellt meist einen schwierigen Balanceakt dar, zwischen dem im jungen Social Media Bereich oftmals erfolgsversprechenden eher experimentellen Ansatz und dem Bedürfnis eines großen Unternehmens nach klar kontrollierbaren Prozessen.
„Social Media 2011“ – wie werden Unternehmen in Deutschland damit umgehen?
Umfragen zeigen, dass Social Media in vielen Unternehmen noch nicht strategisch fundiert ist. Mit dem von mir prognostizierten zunehmenden internen und externen Ressourcenaufwand wird die Frage nach Kennzahlen und Erfolgskriterien von Social Media lauter werden. Die Herangehensweise an Social Media wird sich demnach professionalisieren und strategischer werden müssen. Während 2009/2010 noch häufig die Frage nach der Relevanz von Social Media gestellt wurde, tritt nun die Frage der Effizienz und nach der zielgruppengerechten Ausgestaltung von Social Media in den Vordergrund.
Herzlichen Dank für Ihren Ausblick, Herr Hurrle.
Tobias Hurrle studierte Medienmanagement an der Hochschule Heilbronn und ist seit rund zwei Jahren im Bereich Beratung und Konzeption für Lingner Consulting New Media tätig. Dort berät er überwiegend B2B Unternehmen mit Fokus auf den Bereich Social Media und Digital Storytelling.
“Social Media 2011″ – weitere Interviews:








