„Social Media 2011“ – Experten geben einen Ausblick auf kommende Entwicklungen.
17. Dezember 2010 um 8:22 von Mario Grobholz
Nestlé, BP oder die Deutsche Bahn – diese Unternehmen haben 2010 durchaus negative Erfahrungen mit Social Media gesammelt. Johannes Lenz wies im letzten Beitrag auf die Bedeutung von Leidenschaft und Kreativität innerhalb einer Social Media Strategie hin und forderte von den Unternehmen für 2011 in Sachen Social Media „Mut, sich zu öffnen“. Wie sieht Veit Mathauer, Geschäftsführer der Agentur für Öffentlichkeitsarbeit Sympra, die anstehenden Entwicklungen?
Guten Tag Herr Mathauer, welche Kenntnisse haben Unternehmen bereits 2010 mit Social Media gewonnen?
2010 – das Jahr, in dem Social Media „gegroundet“ wurde, in dem was für Geeks begann, bei der Allgemeinheit angekommen ist. Selbst Maschinenbauer, Vereine und Gemeinden haben erkannt, dass es da draußen im Internet etwas gibt, auf was immer mehr Menschen abfahren. Und sie fragen sich nun: Muss ich da mitmachen? Wenn ja: wie? Oder die anderen, die sagen: „Unser Unternehmen kommt nicht auf Facebook, denn da können womöglich unzufriedene Kunden kommentieren und posten.“ Also: Social Media ist kurz davor, Mainstream zu werden. Die Unternehmen sehen dies auch so, haben aber oft ein enormes Informationsdefizit und – noch wichtiger, da nachhaltiger – nicht die passende Unternehmenskultur für Web 2.0.
Mit welchen großen Herausforderungen müssen demnach Unternehmen im Umgang mit Social Media für 2011 rechnen?
Die große Herausforderung für Dienstleister, wie wir es bei Sympra sind, ist es, Unternehmen die Bedeutung von Social Media für die Kommunikation mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern klarzumachen, ihnen auch aufzuzeigen, dass Social Media nicht der Ersatz für, sondern eine Ergänzung zu den klassischen Kommunikationstools und -plattformen ist. Vor allem aber müssen sich die Unternehmen – gern mit unserer Unterstützung – verändern: Social Media heißt Dialog, auch über Hierarchieebenen hinweg, Wissen teilen, geben und nehmen, mitmachen. Viele Unternehmen bzw. ihre Mitarbeiter sind vom Enterprise 2.0 noch meilenweit entfernt – und zwar nicht technisch, sondern mental. Da hilft es auch nichts, wenn die Mitarbeiter im Privaten ganz eifrig im Web 2.0 unterwegs sind. Privates und Geschäftliches bleiben noch eine ganze Weile getrennt.
Und wie werden Unternehmen in Deutschland Ihrer Meinung nach diese Herausforderungen im kommenden Jahr umsetzen?
2011 werden wir einige ganz tolle Kampagnen im Social Web sehen, wir werden neue Formate erleben, aufwändige und teure Web-2.0-Aktionen. Große Unternehmen werden das Social Web ausreizen, vielleicht nicht immer ganz erfolgreich. Investitionsgüterhersteller werden verstärkt Plattformen wie Blogs und Wikis für die B2B-Kommunikation nutzen. 2011 wird auch das Jahr sein, in dem der Social Media Newsroom zur Standardplattform für professionelle Web-2.0-Aktivitäten avanciert. Zahlreiche Unternehmen werden erkennen, wie wichtig Social Media für das Wissensmanagement und für die interne und externe Kommunikation ist und werden dem auch organisatorisch Rechnung tragen, indem sie einen Chief Social Media Officer (CSMO) installieren, der die 2.0-Aktivitäten koordiniert und dafür sorgt, dass die Mitarbeiter informiert und zum Mitmachen motiviert werden.
Herzlichen Dank, Herr Mathauer, für Ihre Einschätzung. Im kommenden Beitrag kommt Jan Manz, Leiter der Social Media Mandate bei wbpr – Gesellschaft für Public Relations und Marketing mbH, zum Ausblick „Social Media 2011“ zu Wort.
Veit Mathauer war bereits während des Studiums der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim (1983 bis 1989) freier Mitarbeiter in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von Alcatel SEL in Stuttgart und bei der „Computer Zeitung” in Leinfelden-Echterdingen. Anschließend war er Leiter Marketing im Zentrum für internationale Wettbewerbsfähigkeit am Instituto Tecnológico in Monterrey, Mexiko. Wieder zurück in Deutschland, arbeitete Veit Mathauer als Redakteur in der Presseabteilung bei S&K Communications (1990 bis 1991). Seit 1992 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Sympra GmbH. Er ist Teilnehmer am Executive MBA-Programm der Donau-Universität in Krems mit Abschluss „Master of Business Administration” sowie Mitglied im Board des internationalen Public Relations Networks (PRN) und Mitglied im Fachbeirat des Studiengangs Electronic Business der Hochschule Heilbronn.
“Social Media 2011″ – weitere Interviews:
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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