Personal Branding und wie wir alle zu Narzissten werden
19. Juli 2010 um 8:40 von Mario Grobholz
Wir werden zu Cyber-Exhibitionisten und präsentieren uns in einem Glashaus der ganzen Welt. Und für was? Um uns zu einer Marke zu machen, uns darzustellen und uns der Welt mitzuteilen.
Einst im antiken Griechenland entzog sich der junge Narcissus aus Stolz der Liebe der Nymphe Echo. Dafür traf ihn der rächende Fluch, sein eigenes Spiegelbild in jedem Wasser lieben zu müssen, welches sich ihm gleichfalls immer entzog. So verliebte er sich stets beim Wassertrinken aus dem Brunnen in sein unerreichbares Selbstbild.
Die große Gemeinschaft der „Onliner“ hat dank der Entwicklung nutzerfreundlicher Social Software heute die Chance, ihre Spiegelbilder in potenzieller Endlosschleife auf Facebook, YouTube, mySpace, Twitter oder StudiVZ zu beäugen. Und mancher User scheint sein „Profil“ dort mit solch obsessiver Leidenschaft zu pflegen, betrachten und zu überhöhen, wie es der Geschichte des hellenischen Teenagers nicht besser entsprechen könnte.
Netzwerken sei dank, scheut sich keiner mehr, sich im Web zu zeigen. Waren wir vor ein paar Jahren noch vorsichtig mit unseren Daten im Netz, zeigen wir uns jetzt sogar mit Bild und lassen die Welt mitverfolgen, was wir den ganzen Tag so machen. Jeder geht dabei ganz anders vor, eine Studie hat allerdings herausgefunden, dass 80 Prozent der Twitter-User nur von sich selbst reden. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Rutgers University, im Zuge derer die Wissenschaftler Mor Naaman, Jeffreey Boase und Chih-Hui Lai über 3.000 Status-Meldungen von rund 350 Nutzern untersucht haben.
Interessant dazu auch das Buch von Markenexperte Jon Christoph Berndt: “Die stärkste Marke sind Sie selbst!“. Darin beschreibt der Autor Jon Christoph Berndt die Möglichkeiten das eigene Profil zur Marke zu entwickeln. Der Mensch wird Marke. Es geht darum seine Einzigartigkeit auf den Punkt zu bringen und dies auch Online transparent zu machen. Wer dieses Handwerk zukünftig versteht wird nicht nur erfolgreich seine Personenmarke positionieren, sondern auch für Unternehmen als Mitarbeiter interessant werden, denn eine starke Marke braucht starke Mitarbeiter. Jon Christoph schreibt seit einigen Wochen hier in unserem Blog als Gastautor über Human Branding.
Auch andere Social-Networking-Sites bringen bei ihren Mitgliedern vermehrt narzisstische Züge zum Vorschein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von Wissenschaftern der San Diego State University (SDSU) unter mehr als 1.000 College-Studenten aus den gesamten USA durchgeführt wurde. 57 Prozent davon gaben an, dass die Personen in ihrer Altersgruppe Social-Networking-Sites wie Facebook, Twitter oder MySpace vorwiegend für Selbstvermarktung, Narzissmus und Aufmerksamkeitssuche verwenden.
Die Wissenschafter wollen außerdem herausgefunden haben, dass die “Generation Y” der nach 1980 Geborenen generell mehr Wert auf Selbstvermarktung, Narzissmus, erhöhtes Selbstbewusstsein und Aufmerksamkeitssuche legt als vorherige Generationen. Zwei Drittel der Befragten stimmten dieser Aussage jedenfalls zu.
Herangezogene Quelle – Narziss im Cyberspace, Martina Mara
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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