Jon Christoph Berndt®: Helmut, hör auf mit dem Scheiß!
8. April 2010 um 9:08 von Jon Christoph Berndt
Irgendwie, ich weiß ja auch nicht, hat Helmut Kohl doch den großen Pull-Faktor. Der ist wichtig für eine starke Marke: Anziehungskraft! Irgendwie, ich weiß ja auch nicht II, ist er dann auch noch schwer erschütterlich. Das ist wichtig für eine starke Marke: Standhaftigkeit!
Zum 80. Geburtstag meines Jugend- und Studentenkanzlers lese ich die Essays in der Qualitäts-Tagespresse und sehe die Helmut-Kohl-Nacht im öffentlich-rechtlichen Nischenfernsehen. Ich kann nicht anders und denke an andere daueranziehende und dauerschwererschütterliche Marken aus jener Zeit:
Pitralon, Samantha Fox, Brauner Bär, Remington (Sie alle haben diese gewisse Aura in meinen b.a.W. demenzbewahrten inneren Augen.)
Finde ich die Marke HK gut? Im Prinzip durchaus: Nicht nur durch seine politischen Erfolge, sondern auch durch seine markant-mächtige Erscheinung hat er den großen Wiedererkennungswert (die bei uns im Konfi gern angeführte „Recognition“). Besonders die Knallpresse macht den Helden Deutschlands heldiger und deutscher denn je. Allen voran die Bild Zeitung, da gibt es auch die wahrlich erlebenswerte Sonder-Website.
Bei Chefredakteur und Trauzeuge Kai Diekmann hat HK Narrenfreiheit. Sicher auch, weil der Alte genauso polarisiert wie das Blatt; nur ganz anders. Und das ist Grundvoraussetzung für eine starke Marke – Sie darf nicht nur Fans, sie muss auch Feinde haben. (Sonst ist sie weder stark noch schwach, sondern nur „ganz nett“, und das ist der kleine Bruder von Markenkiller „egal“.) In diesem Sinne eine schöne Line von HK auf die Frage der Bild Zeitung, wessen Glückwünsche er nicht vermissen und über welche er sich freuen würde: “Ohne Namen nennen zu wollen: Mit beidem könnte man ein ganzes Telefonbuch der Millionenstadt Berlin füllen.” (Quelle: Süddeutsche Zeitung online)
So ist’s markenrecht und – nun ja, mit dem Namen nennen hat er’s ja auch nicht so, der HK. Siehe hierzu die Qualitäts-Zitierquelle Nr. 1 Wikipedia und den saftigen Dauerbrenner „CDU-Spendenaffäre“.
Was können die markenbildnerisch tätigen Profis an den Fronten von Strategie und Online Reputation bei HK noch ausrichten? Ehrlich gesagt, nichts. HK genießt Bestands- und Kümmerschutz qua Markenalter. Da geht es ihm wie Pitralon, Samantha Fox, Brauner Bär und Remington.
Viel spannender für uns Markenbauarbeiter ist der kleine profilierte Parteibruder des Jubilars, inzwischen so groß, so groß kann der Schatten von HK nicht sein: Wolfgang Schäuble, ein schönes Beispiel dafür, dass konstruktives Abwarten und klar zielgerichtetes Wirken im Stillen dahin führen kann, wo genau er heute ist. Ganz vergessen die Begebenheit, als HK 1997 auf dem Leipziger CDU-Bundesparteitag Schäubles fulminante Rede in die Reportermikros rein krönt: „Ich wünsche mir, dass Wolfgang Schäuble einmal Kanzler wird.“ Darauf WS zu HK, klar profilierend und ganz privat am Telefon: „Helmut, hör auf mit dem Scheiß!“ All das weiß der Stern .
Der Bundesfinanzminister WS hat’s raus. Etabliert sich, ohne es recht zu merken, als profilierte Politikermarke, die durchweg großen Einfluss auf das politische Geschehen hat. Wenn er dann noch zur rechten Zeit – ganz anders und viel schlauer als HK – bemerkt, dass es Zeit ist zu gehen und auf dem WS-Olymp Hut und Sessel nimmt… Dann meinen großen Respekt vor einem, der seinem Dauerdrangsalierer ganz zum Schluss (erst hier wird bekanntlich richtig abgerechnet) gezeigt hat, was eine Markenharke ist.
Stay tuned!
Mehr von Jon Christoph Berndt® und Human Branding gibt’s hier:
- Weißer Rabe Grigory Perelman
- FDP-”Quartalsspinner” Wolfgang Kubicki
- Prof. Claudia Kemfert und ihre wehrhafte Marke
- Norbert Leitholt und sein “Pornolotl”
- Das Marken-Armageddon
- Jon Christoph Berndt®: im Interview
Dieser Artikel wurde von Jon Christoph Berndt geschrieben.Der Markenexperte und Managementtrainer Jon Christoph Berndt, geb. 1969, ist Inhaber der brandamazing: Unternehmensberatung für Markenkommunikation in München. Der Erfinder von Human Branding schreibt die Kolumne "Mensch, Marke!" im Handelsblatt und ist Mitglied des Vorstands der German Speakers Association (GSA).
Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Dann abonnieren Sie den myON-ID Blog als RSS-Feed, um regelmäßig über neue Artikel informiert zu werden!2 Kommentare für “Jon Christoph Berndt®: Helmut, hör auf mit dem Scheiß!”
[...] Helmut, hör auf mit dem Scheiß! [...]
[...] Helmut, hör auf mit dem Scheiß! [...]







