Expertenmeinung: Frank Wolf von der T-Systems zum Thema Social Media Entwicklung in Unternehmen
1. März 2010 um 9:10 von Mario Grobholz
Es ist wieder Montag – und Montag bei myON-ID heißt: Interviewtag! Wie immer an dieser Stelle möchten wir hier einen waschechten Profi in Sachen Social Media und deren Nutzung in Unternehmen zu Wort kommen lassen – diesmal aus dem Hause der Deutschen Telekom.
Auch in Deutschland herrscht nunmehr ein größeres Bewusstsein für das Web 2.0, im Zusammenhang mit Social Media tauchen verstärkt große Namen auf: ob Firmen, Tageszeitungen, Vereine und Parteien – man bloggt, twittert und nutzt eigens entwickelte Applikationen für Plattformen wie beispielsweise Facebook. Ist das die Zukunft für erfolgreiche Unternehmen?

“Frank Wolf, unser heutiger Interviewpartner, ist Head of Social Business Solutions bei der T-Systems MMS, Experte auf den Gebieten Knowledge Management, Social Media und Intranet 2.0 und schreibt zu diesem Themen auch regelmäßig auf dem Blog seines Teams besser20.de. Sein neuestes Projekt, die Seite socialsoftwarematrix.org beschäftigt sich mit der Frage, welche Social Software Suiten für den Unternehmensgebrauch am besten geeignet sind.”
Wir haben ihm vier interessante Fragen gestellt, hier seine Antworten:
Denkst Du, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?
Frank Wolf: Die Frage „Was können wir im (social) Web für unser Marketing tun?“ sollte auf jeden Fall zum Standard werden. Die Antwort wird aber noch längere Zeit sehr individuell ausfallen. Eine Privatbank mit Kunden jenseits der 50 wird für sich ganz andere Antworten finden, als ein Startup, das Apps für das iPhone programmiert. Diese sogenannten Technographic Profiles, nach denen man seine Kunden anhand deren Nutzungsgewohnheiten des Internets einordnen kann, sind auch regional sehr unterschiedlich. Der amerikanischen Privatbank mit den Kunden 50+ könnte man fast schon wieder raten, jetzt verstärkt auf Social Media Marketing zu setzen. Kein Wunder, dort sind fast 75% der Bevölkerung online, bei uns in Deutschland gerade 54%. (Quelle: http://www.internetworldstats.com/stats.htm)
Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?
Frank Wolf: Wir sprechen in unserem Blog immer mal wieder vom Chief Social Media Officer. Diese Position ist kein Muss, aber eines ist klar: der Auftritt im Web ist für Unternehmen schon lange kein rein technisches Thema mehr, sondern Kultur, Organisation und Technologie werden immer enger verwoben. Die beteiligten Bereiche wie HR, Marketing, IT, Fachbereiche oder Geschäftsführung müssen sich wesentlich besser koordinieren, denn die heute standardisierte Kommunikation nach außen wird zwangsläufig durch viele (authentischere) Stimmen abgelöst werden. Diese müssen nicht gleichgeschaltet sein, sollten aber im Kern alle dieselbe positive Botschaft des Unternehmens tragen. Das wird man zumindest für größere Unternehmen nur leisten, wenn dieses Thema sehr prominent platziert und koordiniert wird.
Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?
Frank Wolf: Messbarkeit ist grundsätzlich ein riesiger Vorteil gegenüber klassischeren Kanälen. Es ist leicht zu messen, ob meine Botschaft ankommt (Anzahl der Leser), wen sie aktiviert (Kommentare, Klicks auf weitere Informationen oder einen Shop,…) und wen sie sogar zu meinen Botschaftern macht (Twitter, Facebook, Delicious, Blogs,…). Und alle diese Informationen gibt es in Echtzeit und einer Detaillierung von der klassische Werbung nur träumen kann. Erfolgsentscheidend ist dann, dass man wirklich auch in diesem neuem Tempo mitspielen kann und nicht nach der gesendeten Botschaft erschöpft und zufrieden ins lange Wochenende geht und eine sich entwickelnde Diskussion im Web vertrocknen lässt.
Welche Unternehmen kennst Du, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?
Frank Wolf: In fast jeder Branche finden wir Vorreiter, die Social Media Kommunikation ausprobieren. Wir selbst machen z. B. mit besser20.de wirklich sehr gute Erfahrungen. Dieser Blog und das darum entstehende Gespräch bei Twitter, anderen Blogs oder auf Konferenzen ist für uns zu einer wichtigen Quelle von Kontakten, Inspiration und Wissen geworden, die wir nicht mehr missen wollen. Generell sind es vor allem kleinere Unternehmen und Ihre Social Media Aktivitäten wie z.B. der Saftblog oder die Westaflex GmbH, die mich begeistern. Dort sieht man was möglich ist, wenn Social Media zur Chefsache erklärt, und wirklich mit Leidenschaft betrieben wird. Wenn große Konzerne mit Ihren Budgets auch nur ansatzweise diese Konsequenz hätten, dann würden Sie für Ihr Geld viel mehr Marketing und viel mehr echtes Gespräch mit Ihren Kunden bekommen.
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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