Expertenmeinung: Oliver Gassner über den Social Media Einsatz in Unternehmen

7. Januar 2010 um 9:15 von Mario Grobholz

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Noch immer zögern viele Unternehmer, in die Tiefen des Social Webs vorzudringen. Schon des Öfteren haben wir über die Marketingvorteile von Social Media berichtet. Nun aber wollen wir auch andere Experten auf diesem Gebiet zu Wort kommen lassen.

olivergassnerOliver Gassner bloggt bereits seit 10 Jahren. Außerdem berät und schult er in den Bereichen Social Media und Selbstmarketing. Auf seinem Blog bietet er zudem einen kostenlosen Blog Check an, bei dem er Weblogs genau unter die Lupe nimmt und wertvolle Tipps zur besseren Gestaltung gibt. Ein Blick auf Olivers Blog lässt bereits ahnen, wie Social-Media-affin er  ist. Es gibt wohl kein Netzwerk, in dem er nicht vertreten ist. Wenn es um das Social Web geht, ist er auf jeden Fall Experte.

Wir haben Oliver Gassner 4 Fragen zum Thema “Social Media Einsatz in Unternehmen” gestellt und hier sind seine Antworten:

Denkst Du, dass Social Media Marketing für Unternehmen zum Standard Marketing Mix gehören sollte?

Oliver: Nun, man kann kein Marketing machen ohne ein Gespräch mit dem Markt zu führen, und egal ob B2B oder B2C: diese Gespräche finden längst online statt, in Social Networks, in Social Media (was etwas anderes ist ;) ), überall. Zuhören muss man, antworten möchte man wahrscheinlich, was nur geht, wenn man auf diesen Kanälen als Gesprächspartner zur Verfügung steht. wenn SMM also Konversationen sind: Ja, wenn sie ‘Kampagnen’ sind: Finger weg.

Wo sollten die Social Media Aktivitäten eines Unternehmens in der Organisation “aufgehängt” sein?

Oliver: Das Social Web eignet sich für viele Kommunikationsformen, die im Unternehmen an verschiedener Stelle sitzen: Digital Relations (zu Kommunikatoren und menschlichen Knotenpunkten), Kundenservice (für die Nutzer des eigenen Produkts), Business Development (für Partner und Lieferanten)  und viele andere Funktionen. Man wird eine Abteilung federführend machen müssen und dafür sorgen müssen, dass jenseits interner Silos die Kommunikation abgeglichen wird oder wir einen Soccial Web Officer haben müssen – ich mag übrigens den Ausdruck Social Media nicht, weil er nur einen Teil von dem umfasst, was wir als Social Web kennen.

Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Social Media Aktivitäten?

Oliver: Welche messbaren Ziele verfolgen Unternehmen mit ihren Fotokopierern und Telefonen? Was ist der ROI eines Faxgeräts? Nur weil man online glaubt, alles mögliche messen zu können, ist das nicht unbedingt sinnvoll oder simpel. Wie bewerte ich es, wenn ein Mitarbeiter der Firma via Twitter was wichtiges lernt? Wieviel ist ein neuer XING-Kontakt wert? Was der Cost of Acquisition für einen Twitterfollower? Und was macht so ein Follower an Lifetime-Umsatz? Die Gespräche aus denen Märkte bestehen sind nicht immer messbar. Man kann sicher versuchen, Messsysteme aufzusetzen und Sun hat das zum Beispiel für ihr internes zweinulliges Intranet auch getan und gemessen, ob Leute, die dort partizipieren ‘besser’ sind als andere und inwiefern. Die Tatsache, dass das  Intranet noch existiert dürfte die Antwort geben – und das SUN-Messsystem ist Open Source. Also: Nachmachen.

Welche Unternehmen kennst Du, die heute Social Media bereits erfolgreich einsetzen?

Oliver: Viele. ich nenne mal Zappos und Coremedia als Beispiele, um zu zeigen, wie weit die Konzepte auseinandergehen können. Die einen, Coremedia, haben ein halboffenes Blogsystem für Mitarbeiter, Kunden, Parter und Freunde der Firma. Die anderen haben beispielsweise diverseste Ansichten auf Twitter erzeugt, wo man sehen kann, wer bei ihnen alles twittert, was Kunden bei Twitter über Zappos sagen und ähnliches. Beide Firmen haben etwas anderes DAVOR getan. Sie haben ihre Firmenkultur anders gestaltet, als andere Firmen das tun. Das zeigt, dass es eben eine ganz besondere offene und wirklich kundenorientierte und innovationsorientierte Unternehmenskultur erfordert um Konversationen im Social Web zu führen. Und das ist es, was Unternehen zunächst brauchen, bevor sie über solche Kommunikationsformen nachdenken können; und zwar nicht nur auf dem Papier.

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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2 Kommentare für “Expertenmeinung: Oliver Gassner über den Social Media Einsatz in Unternehmen”

Bernd
8. Januar 2010 um 07:03

Social Media oder Social Networks durch Evangelisten, Community Manager oder Abteilungen widersprechen aber total dem Konzept “Menschen reden mit Menschen” (also alle Mitarbeiter mit Kunden). Das wirkt dann immer schnell gewollt und nicht gekonnt. Wenn die Qualität der wenigen “beauftragten” nicht überragend ist kommt dieses Vorhaben nie ans fliegen. Firmen werden das feststellen wenn sie in den Clue Train einsteigen:)

Gruss
Bernd

OliverG
16. Januar 2010 um 10:56

@Bernd: Das sehe ich grundsätzlich genauso. gerade Zappos fährt ja so eine Schiene.

andererseits ist es nicht im talent- und Kapazitätsbereich eines jeden, Unternehmenskommunikator zu spielen (machst du das in eurer Firma? wie?)

bei größeren irmen herrscht rabeitstelung. jeder könnte, nur wenige haben die Kapazotäten dazu – weils in der Jobbeschreibung steht.

Wenn Microsoft Deutschland (weiß nicht mehr genau) 30-60 Evangelisten hat (die sie auch mal auf messen nach Spanien ausleihen), dann ist das schon eine Kapazität, de nicht mehr in die ‘Lücken’ zwischen normale Jobs passt.

AGs (wie XING z.B.) haben dann auch ein ‘One Voice’-Problem, das man durch enge Kommunikation in einem ‘nach außen redenden Team’ abstimmen muss.

fazit: Cluetrain ist in der Theorie und als Utopie extrem wünschenswert. In der Realität muss man passend zur Firma und deren aktueller und “Zielkultur” eine machbare aktik udn Strategie entwickeln.

Dass das nicht auf der linken Backe geht, zeigt eben das Beispiel von Coremedia.




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