Karriere Spezial – „Sich bewerben“ heißt vor allem: Mach Werbung in eigener Sache!
19. Oktober 2009 um 9:56 von Anya Rutsche
Zum Auftakt unseres Karrierespecials baten wir die Buchautorin und Verhaltensregel-Expertin Lydia Morawietz um einen Beitrag. Durch jahrelange Erfahrung als Seminarleiterin für Manager, Führungsteams aber auch Schüler und Studenten, weiß sie worauf es bei einer Bewerbung ankommt.
Ein Gastbeitrag von Lydia Morawietz, Beraterin für Stil und Etikette

Der wichtigste Punkt beim Verfassen einer Bewerbung ist die Authentizität. Die Bewerbung sollte sowohl zu deiner Person als auch zu dem Unternehmen passen, bei dem du dich bewirbst. So wird eine Mappe für eine Bank anders aussehen als eine Bewerbung bei einer Werbeagentur. Neben der Orientierung an den Standards ist immer auch deine Kreativität gefragt. Wichtig: Eine gute Bewerbung sollte nicht nur inhaltlich und gestalterisch gut aufbereitet, sondern auch sorgfältig vorbereitet sein. Ziellos Bewerbungen zu schreiben, um das Gewissen zu beruhigen, ist nicht nur Verschwendung von Material und Zeit, sondern wirkt sich auch negativ auf deine Motivation aus. Je zielgerichteter eine Bewerbung ist, desto erfolgreicher wird sie sein. Werde dir daher im Vorfeld darüber klar, welche Stellen – und auch welche Arbeitgeber – für dich interessant sind.
Versuche zunächst, dir selbst – oder einem Gesprächspartner – zunächst folgende Fragen zu beantworten:
‐ In welchen Branchen kann ich mir vorstellen, künftig zu arbeiten?
‐ Habe ich die nötige Qualifikation dafür?
‐ Entsprechen meine Fähigkeiten dem Anforderungsprofil?
‐ Welche Bereiche und Aufgabengebiete reizen mich?
‐ Wo liegen meine Interessen?
‐ Welche Aufgaben möchte ich übernehmen?
‐ Will ich Verantwortung übernehmen?
‐ Wie stelle ich mir meinen künftigen Arbeitgeber vor?
‐ Wie sollte mein Arbeitsplatz gestaltet sein?
‐ Wie viel Geld will ich verdienen?
Wenn du dir darüber klar geworden bist, hast du schon wertvolle Vorarbeit für deine Bewerbungen geleistet, denn du wirst dadurch viel einfacher die richtigen Stellenanzeigen und damit das für dich passende Unternehmen finden. Denn bedenke immer: Der Job muss zu DIR passen, zu deinen Qualifikationen und deinem Leistungsprofil, du solltest natürlich nicht unterfordert, aber auch nicht zu stark überfordert sein.
Versuche Klarheit zu gewinnen über deine Stärken und Schwächen, deine Fähigkeiten und Kenntnisse. Aber vermeide bitte eine Aufzählung deiner Soft Skills in den Bewerbungsunterlagen – mit stichhaltigen Argumenten wirst du jeden Personaler eher überzeugen!
Wenn du diese Punkte beachtest, wird es dir sicherlich gelingen, eine aussagekräftige Bewerbungsmappe ausarbeiten.
Und noch ein Tipp zum Schluss
Versuch dich durch eine „etwas andere Bewerbung“ von der Masse abzuheben – denn wie gesagt, eine Be-Werbung ist Werbung in eigener Sache!
Dieser Artikel wurde von Anya Rutsche geschrieben.Anya ist eine passionierte Social Media Trend Verfolgerin und News Aufschnapperin. Nachdem Sie ein Jahr in Amerika ihr Wissen über die Online- und Mobilfunkwelt bei dem VoIP Anbieter JAJAH erweitert hat, gehört Sie nun seit Juli 2009 zum myON-ID Team und gibt als Marketing Managerin ihr Expertise an Eigenmarketing-Interessierte weiter.
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Sehr verehrte Frau Morawietz,
eine kleine Empfehlung von mir, einem älteren Kollegen:
Die deutsche Rechtschreibung erlaubt – nach einem kurzen Irrgang von zwei Jahren, in denen die schriftliche Anrede “Du” und “Sie” sowie das schriftlich gebrauchte Possessivpronomen “Dein”, und “Euer” nur klein geschrieben werden durfte, nach der nunmehr festgelegten endgültig neuen Rechtschreibregel beide Schreibweisen bei diesen Wörtern, groß und klein.
Es besteht kein Zweifel daran, dass sich insbesondere angeschriebene Personen, die nicht ganz jung sind, höflicher behandelt fühlen, wenn sie mit “Du” und “Sie” angesprochen werden, wenn der Briefeschreiber sich “für Ihren Brief” herzlich bedankt und “Ihnen alle gute Wünsche” übermittelt. Das sollte man auch jungen Menschen, die sich auf eine Stelle im Wirtschaftsleben bewerben wollen, sagen und ihnen empfehlen, den jeweils Angeschrieben durch Großschreibung zu ehren. Dann darf man sie aber nicht selber, wie in Ihrem Beitrag permanent geschehen, mit “du”, sondern dann sollte man sie, wenn schon nicht mit “Sie”, doch wenigstens mit einem großen “Du” ansprechen, sonst werden sie es nicht lernen und nicht tun.
Mit besten Grüßen,
Ihr
Uwe Fenner
Headhunter & Coach
Institut für Stil & Etikette
Flensburger Strasse 28
10557 Berlin
Tel. 030 – 755 499 49
u.fenner@fenner.de
http://www.fenner.de
Sehr geehrter Herr Fenner,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Da Frau Morawietz eine angesehene und erfahrene Trainerin/Seminarleiterin ist, können Sie sich sicher vorstellen, dass sie mit Höflichkeit umzugehen weiß. Wenn Sie sich unser Blog genauer betrachten, sollte Ihnen auffallen, dass es zu UNSEREM Stil gehört, die DU-Form in Texten zu verwenden. Deshalb bat ich Frau Morawietz, dies auch in Ihrem Artikel zu beachten.
Desweiteren sehe ich persönlich keine Notwendigkeit, durch die Großschreibung der Du-Formen die Höflichkeit neu zu erfinden, denn wie Sie selbst herausgefunden haben, ist jede Schreibweise erlaubt. Hier zeigt nicht derjenige mehr Etikette, der am größten schreibt, sondern den richtigen Umgangston wählt. Vielleicht liegt es am Generationsunterschied, dass es hier verschiedene Denkweisen gibt aber es ist schon seltsam, dass das einzige Volk, welches einer Person dank Großschreibung der Anrede Ehre erweisen kann, das Deutsche ist. Oder kennen Sie eine Sprache, in der es ein großgeschriebenes Du als Zeichen der extravaganten Höflichkeit gibt?
Freundlichst,
Anya Rutsche (die Herausgeberin)
Persönlich bevorzuge ich ebenfalls die durchgängige Großschreibung in der Anrede. In der Tat gab es da zwischendurch einen Irrweg.
Für das Thema Bewerbungen wird diese Frage vermutlich selten aktuell sein, denn da wird es wohl auf absehbare Zeit beim “Sie” bleiben, sodass die Frage “Du oder du?” sich gar nicht stellt.
Sollte es aber um eine besondere lockere Branche gehen – und denken wir nicht an eine schriftliche Bewerbungsmappe, sondern einen Kontakt zwecks Bewerbung im Internet – dürfte diese Frage zur Groß- und Kleinschreibung auch keine Rolle mehr spielen, vermute ich.
Keinesfalls möchte ich damit sagen, dass gutes Deutsch kein Thema sei. Ich glaube vielmehr, dass es sich hier um ein noch weithin unterschätztes Thema handelt. Ein Bewerbungschreiben kann man von Freunden korrigieren lassen. Und auch sonst sprachlich durch zahlreiche Helfer optimieren lassen.
Die sprachlichen Spuren im Internet, die viele von uns täglich hinterlassen, lassen jedoch Rückschlüsse zu, die (so vermute ich) noch vollkommen unterschätzt werden mit Blick auf Bewerbungen.
Wie jemand in seinen Blogposts, seinen Statusmeldungen auf Facebook oder in seinen Tweets kommuniziert, verrät sehr viel über ihn. Rechtschreibung ist dabei nur ein Aspekt, der Kommunikationsstil etwa wird ebenfalls sichtbar.







