Online bewerben! Aber wie?
4. November 2008 um 6:00 von Mario Grobholz
Karriere und Bewerbung im Internet beschäftigt nicht nur Studenten und Bewerber. Auch für Unternehmen ergeben sich hier neue Möglichkeiten und gleichzeitig auch neue Herausforderungen. In einem früheren Artikel haben wir bereits mit einer Serie hierzu begonnen. Heute haben wir uns mit dem Personalreferenten der Nexum AG über die Möglichkeiten der Online-Bewerbung unterhalten.
Nachdem Thomas Schulze, Gründer von Spirofrog, in einem ersten Interview von seinem Erfahrungen als Personaldienstleister berichtet hat, wird heute ein Unternehmen zu Wort kommen, das regelmäßig neue Mitarbeiter rekrutiert und dabei stark auf das Internet setzt, um sein dynamisches Wachstum abbilden zu können. Lesen Sie hier das Interview mit Dirk Horn, Personalreferent bei der Nexum AG in Köln.
Wo und wie suchen Sie heute nach neuen Mitarbeitern?
• Empfehlungen bei Mitarbeitern / Bekannten etc.
• Onlineanzeigen bei großen Stellenbörsen / speziellen Stellenbörsen
• Foren / Xing etc.
• Zeitungsanzeigen
Auf was achten Sie bei der Internetrecherche nach Kandidaten?
• Auftritt / Präsentation der Kandidaten
• Netzwerk / Umfeld
• Erfahrung in den relevanten Bereichen
Gibt es für Sie „No Goes“, die bereits hier zum Ausschluss führen?
Das ist stark abhängig von der Position, die zu besetzen ist – der Auftritt muss dementsprechend sein. Hier haben wir Unterschiede zwischen Beratern, die oft beim Kunden vor Ort sind oder die Designer / Entwickler, die einen anderen/lockeren „Auftritt“ wählen können, z.B. auch um Ihre Kreativität zu verdeutlichen.
Gibt es klassische Bewerbungsverfahren überhaupt noch?
Ja, selbstverständlich – sie werden aber immer weniger, vor allem in der Branche, in der wir tätig sind. Vieles läuft von Anfang an über Netzwerk und vorab Informationen z.B. über Xing.
Haben sich Bewerber und Unternehmen gleichermaßen darauf eingerichtet, die neuen Medien für die Recherche und Bewerbung zu verwenden?
Das ist branchenabhängig. Bewerber haben oft einen guten Überblick, ob man sich klassisch in einem konservativen Beratungsunternehmen oder eher in der Medienbranche bewerben sollte. Unternehmen sollten aber noch mehr darauf eingehen, mehr die neuen Medien / das Web 2.0 zu nutzen, um an die richtigen Bewerber zu kommen.
Neue Plattformen wie Bewertungsplattformen im Internet (z.B. kununu.com) oder auch Karriereplattformen (z.b. jobleads.de), bei denen man selbst „Personalberater“ sein kann und Freunde / Bekannte für ein Honorar an Unternehmen empfiehlt, werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Mangel an Fachkräften nimmt weiter zu und die neuen Mitarbeiter sind schwerer zu finden. Hier reichen die klassischen Wege der Anzeigenschaltung nicht aus.
Was fällt Ihnen hierzu ein: „Internet Karrierefalle“?
Online Reputation – Hier geht es darum, dass fast alle User des Internets auch eine Online-Identität haben, die ohne weiteres gefunden werden kann. Warum sollte der zukünftige Arbeitgeber nicht nach den neuen Mitarbeiter „googeln“? Man bekommt hier schnell interessante Informationen über das geschäftliche Leben (Xing etc.), allerdings auch schnell Infos über das private Leben. Blogs, aber auch Seiten wie StudiVZ, können einiges verraten, was der Bewerber vielleicht gar nicht möchte.
Was raten Sie Bewerbern in Bezug auf ihre Online Reputation?
Sie sollten nur Informationen ins Netz stellen, die auch gesehen werden sollen. Man kann mit Sicherheit sein Xing-Profil so einrichten, dass es nur die wichtigen öffentlichen Dinge zeigt – aber auch bei anderen Blogs / Netzwerken ist dies ohne weiteres möglich.
Welche Skills muss ein Bewerber heute mitbringen?
Skills sind natürlich sehr wichtig und müssen genau auf die zu besetzende Stelle passen. Hier werden uns zunehmend die Soft Skills (Charakter, Persönlichkeit, Teamfähigkeit) wichtiger, damit das Team stimmt und der Mitarbeiter auch wirklich ins Unternehmen passt und sich damit identifizieren kann. Die Hard Skills (Erfahrung im Beruf, EDV-Kenntnisse etc.) sollten natürlich vorhanden sein, allerdings kann man hier auch diese fördern oder weiter entwickeln. Das ist bei den Soft Skills nicht so einfach möglich.
Wie viele Mitarbeiter stellen Sie pro Jahr ein bzw. rekrutieren Sie?
Wir haben 2008 bisher 30 neue Mitarbeiter eingestellt, verteilt auf alle Bereiche. Hierzu zählen auch ein paar Studenten und Praktikanten, die uns meist nicht nur kurzfristig begleiten, sondern in vielen Fällen nach dem Studium oder Praktikum als wertvolle Mitarbeiter erhalten bleiben. Wie das Wachstum weiter geht, kann man schwer sagen, da wir auch nur einstellen, wenn wir sicher sind die neuen Mitarbeiter auf Dauer halten zu können. Wir stellen nicht nur projektbezogen ein.
Wie haben Sie selbst Ihren aktuellen Job gefunden?
Über Empfehlung – das ist wie bereits erwähnt, einer der wichtigsten Wege, heute an einen neuen Job / Bewerber zu kommen.
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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