Karriere mit dem Internet: Online Bewerbung

10. November 2008 um 6:00 von Mario Grobholz

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In unserem Special, bei dem sich alles um das Thema “Karriere” und “Online-Bewerbung” dreht, stellen wir Informationen zusammen, die jungen Menschen helfen sich besser und effizienter im Internet für den nächsten Job zu bewerben. Wir lassen hierzu Personaler, Unternehmen, Berater und Studenten zu Wort kommen. Diesmal im Interview die Gründerin von Studidoo Sarah Steinwachs.

Die Internetplattform studidoo.de ist eine Kombination aus Dienstleistungsportal, Online-Jobbörse und Social Network für Studenten, Absolventen sowie Unternehmen und Privatpersonen. Studenten und Absolventen suchen bei studioo.de nach Jobs oder bieten ihre Dienstleistungen an. Unternehmen bietet studidoo.de gegen Gebühr eine Recruiting-Plattform für die Suche nach potenziellen Mitarbeitern.Gegründet wurde studidoo.de im März 2008 vom BWL-studierenden Geschwistertrio Gavin, Marc und Sarah Steinwachs.

Unternehmen, die bei Studidoo nach passenden Mitarbeitern suchen, schauen sich die Profile und Lebensläufe der potentiellen Kandidaten genau an und recherchieren darüber hinaus nach weiteren Informationen zur Online Reputation, um sich ein vollständigen Eindruck von den Bewerbern zu bilden. Sarah Steinwachs, Co-Gründerin von studidoo.de, erklärt in diesem Interview an einem sehr anschaulichen Beispiel, was passieren kann, wenn man im Netz zuviel von sich preis gibt.

Sarah, wie finden bei Euch Unternehmen und potentielle Mitarbeiter zueinander?

Sarah: Über die Suchfunktionen – Bewerber können nach Unternehmen suchen und Unternehmen nach Bewerbern. Und zwar gibt es dazu die „Profilsuche“ und die „Anzeigen-„ bzw. „Jobsuche“. Bei der „Profilsuche“ wählt man zunächst aus, ob man nach „Studenten“, „Unternehmen“ oder „Privatpersonen“ sucht und kann dementsprechend die Suche weiter eingrenzen (Name bzw. Firma, PLZ, Stadt etc.). Bei der „Anzeigensuche“ trifft man als erstes die Auswahl, wonach man sucht: „Stellenangebote von Unternehmen“, „Jobgesuche von Studenten“, „Dienstleistungen von Studenten“, o.ä. und grenzt dementsprechend weiter ein (Art des Jobs, Berufsfeld, Studiengang, etc.). Die Suchfunktionen sind dabei auf die jeweilige Benutzergruppe zugeschnitten. Wenn ein Unternehmen einen interessanten Bewerber gefunden hat, kann es den User vormerken (Merkliste) oder ohne Umschweife und Kosten direkt kontaktieren (über eine persönliche Nachricht oder Kontaktanfrage). Hat ein Student ein interessantes Unternehmen gefunden, kann er ebenfalls direkt Kontakt aufnehmen und der persönlichen Nachricht den Lebenslauf und weitere Dokumente (z.B. Zeugnisse) anhängen.

Auf was sollten die Studenten und Absolventen beim Erstellen ihrer Profile und Lebensläufe achten?

Sarah: Bei der Erstellung des Lebenslaufs sollte vor allem auf Vollständigkeit geachtet werden und am besten auch ein seriöses Porträtfoto hinzugefügt werden (hier kann ein vom Profilfoto abweichendes Foto hochgeladen werden.) Auch für die Profilerstellung gilt: Je vollständiger das Profil ausgefüllt ist, desto interessanter ist es für die Unternehmen, da sie sich so ein besseres Bild des potentiellen Mitarbeiters machen können. Neben Angaben zu Studium, Berufserfahrungen und Interessen sollte der „Über mich“-Freitext dazu genutzt werden, etwas über seine Persönlichkeit und seine Eigenschaften und Stärken zu berichten. Zudem kann der Upload Bereich dazu genutzt werden, um beispielsweise Zeugnisse, Referenzen, oder auch Bewerbungsvideos hochzuladen. Die Lebensläufe und Dateien sind nur für Unternehmen sichtbar und können wahlweise den Gesuchen angehängt oder im Rahmen einer Bewerbung nur ausgewählten Unternehmen freigeschaltet werden.

Gibt es das klassische Bewerbungsverfahren überhaupt noch?

Sarah: Auf jeden Fall. Unter einem klassischen Bewerbungsverfahren verstehe ich, dass ein Unternehmen in Form einer Anzeige eine Stelle ausschreibt und sich Interessierte daraufhin um die Stelle bewerben. Oder ein Bewerber inseriert ein Jobgesuch und wartet auf Resonanz von Unternehmen. Eine dritte Möglichkeit sind Initiativbewerbungen, bei denen der Interessent eine Bewerbung sendet, ohne zu wissen ob das Unternehmen gerade freie Stellen hat. Dieser klassische Weg wird bei Studidoo beibehalten – nur eben online. Früher lief die Anzeigenschaltung in erster Linie über Zeitungsannoncen und heute eben – aufgrund der höheren Reichweite, der geringeren Kosten, der Zeitersparnis und des erfolgreicheren Matchings – zusätzlich bzw. immer mehr über das Internet.

Haben sich die Bewerber und Unternehmen gleichermaßen darauf eingerichtet, die neuen Medien für die Recherche und Bewerbung zu verwenden?

Sarah: Ich denke, dass das Bewerbungsverfahren über das Internet immer populärer wird, und zwar gleichermaßen für Bewerber und Unternehmen. Auch die Verwendung des Internets für Recherchen halte ich mittlerweile für recht ausgeglichen. Vor den Zeiten der mittlerweile zahlreichen Communitys konnten zwar die Bewerber über das Internet Informationen über die Unternehmen recherchieren, aber nicht umgekehrt. Heutzutage ist ja fast jeder Berufseinsteiger Mitglied in irgendeiner Community. Daher können Unternehmen auch auf einfache Weise über Einzelpersonen recherchieren. Und diese Möglichkeit wird seitens der Unternehmen auch immer mehr genutzt.

Was fällt Dir hierzu ein: „Karrierefalle Internet“?

Sarah: Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die mein Professor mal erzählt hat: Eine äußerst qualifizierte junge Dame hatte sich bei einem namhaften Unternehmen beworben. Nach dem Bewerbungsgespräch, das auch sehr gut gelaufen ist, hat das Unternehmen im Internet recherchiert. Gefunden wurde ein YouTube-Clip, der die Bewerberin zeigte, wie sie volltrunken und leicht bekleidet auf einer Party auf dem Tisch tanzte. Sie wurde nicht eingestellt… So etwas sollte natürlich nicht passieren.

Was rätst Du Bewerbern in Bezug auf ihre Online Reputation?

Sarah: Man sollte natürlich darauf achten, was im Netz veröffentlicht wird. Ich denke, dass es auch von Vorteil sein kann, von Unternehmen im Internet gefunden zu werden. Allerdings nur mit wünschenswerten, seriösen oder zumindest sympathischen Beiträgen und Informationen.

Welche Skills muss ein Bewerber heute mitbringen?

Sarah: Neben fachlichen Skills sind Softskills für Arbeitgeber sehr wichtig. Eigenschaften wie Teamgeist, Kreativität, Offenheit und Selbständigkeit sind im Rahmen einer schriftlichen Bewerbung natürlich schwer nachzuweisen. Es wird daher immer mehr darauf geachtet, welche Erfahrungen der Bewerber bereits gesammelt hat, da z.B. Auslandssemester und Praktika auf die gewünschten Softskills hinweisen.

Du hast ja bereits Berufserfahrung in Eurem Familienunternehmen gesammelt, bist aber auch noch Studentin. Welche Vorteile siehst du darin und wie kannst du das bei studidoo umsetzen?

Sarah: Generell haben meine Brüder und ich durch die Mitarbeit im Familienunternehmen natürlich gute Einblicke in die Selbständigkeit bekommen und können unsere Erfahrungen und Kenntnisse nun selbst umsetzen.
Was Studidoo betrifft, denke ich, dass es von Vorteil ist, dass ich sowohl Unternehmerin, als auch Studentin und Privatperson bin und mich somit gut in alle drei Nutzergruppen von studidoo.de hineinversetzen kann. Bei der Umsetzung der Plattform haben wir darauf geachtet, dass der Login Bereich für die verschiedenen Gruppen sich jeweils entsprechend der unterschiedlichen Bedürfnisse unterscheidet. Jeder bekommt das zu sehen, was für ihn relevant und interessant ist.

Wie hast Du selbst Deinen letzten Job gefunden?

Sarah: Mein Job in unserem Familienunternehmen wurde mir ja sozusagen in die Wiege gelegt und meinen aktuellen Job habe ich zusammen mit meinen beiden Brüdern durch die Gründung von Studidoo selbst geschaffen. Andernfalls hätte ich es aber sicherlich über das Internet versucht.

Sarah, vielen Dank für dieses interessante Interview. Wir von myON-ID wünschen Euch viel Erfolg und alles Gute mit Studidoo.

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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