Digitaler Karriere-Back Bone: „Wie sich das Internet für die Karriere nutzen lässt“

19. November 2008 um 6:00 von Mario Grobholz

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Wir freuen uns sehr, dass wir vor kurzem zum wiederholten Mal die Möglichkeit hatten, mit Frau Susanna Wieseneder ein Interview zum Thema Karriere- und Reputations-Management zu führen. Als Reputationsforscherin der ersten Stunde wies Susanna Wieseneder schon vor Jahren auf die wachsende Bedeutung des guten Rufs für die berufliche Weiterentwicklung hin.

In einem sehr interessanten Gespräch mit der Reputationsexpertin und Managementberaterin Susanna Wieseneder konnten wir einige neue Aspekte für das Karrieremanagement herausfiltern. Dieses Gespräch wollen wir Euch nicht vorenthalten und veröffentlichen es hier in zwei Teilen unter „Digitaler Karriere-Back Bone“.

Dies ist ein weiterer Artikel aus der Karrierereihe im myON-ID Blog, mit der wir einerseits interessante Einblicke in das Online Karrieremanagement geben und andererseits hilfreiche Tipps von Karriere-Experten an Euch weitergeben.

Frau Wieseneder, wie schätzen Sie die Bedeutung der digitalen Identiät im Internet für die persönliche Karriere heute und in den nächsten Jahren ein?

Die erste Diskussionswelle über Online-Reputation ist abgehandelt: In vielen Foren, Blogs, Publikationen und Diskussionen wurde die Bedeutung der persönlichen Präsenz im Internet hervorgehoben sowie Möglichkeiten der Nutzung und Auswirkungen auf die Karriere besprochen. Mögliche Fallen und Gefahren sind nach heutigem Ermessen bekannt. Gegenmaßnahmen um ein digitales Schutzschild zu entwickeln und Dienste, die diese Hilfe anbieten, sind geschaffen.

Folgende Botschaften sind daraus hervorgegangen, die heute als hinlänglich bekannt gelten: „Nutze das Web 2.0 für Deine eigene Marke“, wie auch: „Überlege Dir gut, welche Bilder und Botschaften Du anbietest“. Nicht bekannt ist aber, wie die unterschiedliche Nutzung dieser Handlungsimperative nach demografischen Gesichtspunkten aussieht.

Welchen Einfluss hat Ihrer Meinung dabei das Internet auf die Karriere eines Berufseinsteigers im Generationenvergleich? Welches Verhalten ist für welche Altersgruppe immanent?

Wenn es um Online Reputation geht, sind viele Karriereratschläge auf die Generationen X und Y bezogen, also auf die heutigen Studenten, Lehrlinge und jungen Berufstätigen. Aus Studien ist bekannt, dass 60% der Hypervernetzten unter 35 Jahre sind (Manager Magazin). Das sind jene zwei Generationen, die vermutlich seit ihrer ersten Lebensminute im Web präsent sind. Sie haben bereits unzählige digitale Fußspuren hinterlassen, vom Babyfoto über den Sportpokal bis zur Sponsion an der Uni, und so geht es weiter. Mit Freude stellte und stellt man alles, was geht, ins Netz – genug Material für andere, um ein kompaktes Bild einer Person aus der Generation X oder Y zu erhalten. Als 2. Phase folgt die aktive Vernetzung auf sozialen Plattformen wie StudiVZ und Facebook, das Engagement in diversen Foren, das Wohnung suchen und finden – oder Jobs suchen und finden. Diese Generationen bewegen sich mit großer Selbstverständlichkeit in dieser Onlinewelt, daher geht es bei ihnen beim Thema Online Reputation eher um die „Bremse“: Was darf ich alles ins Netz stellen? Wenn man mit einer vermeintlich allgegenwärtigen Privatsphäre und mit multiplen Identitäten aufwächst, ist es schwer, Grenzen zu ziehen. So entstehen die Fotos vom „Vorglühen“ vor der Party, oder der lustigen freizügigen Maturareise in die Türkei.

Welche Strategie sollten wir uns dann zukünftig zu eigen machen, um trotz dieser neuen Herausforderungen bei der Karriereplanung erfolgreich zu sein?

Um das Internet erfolgreich für sich zu nutzen – im Sinne eines Karriere-BackBones – muss einem 4-teiligen Prinzip gefolgt werden: Positionieren, Monitoring, Aktualisieren und Korrigieren.

Das bedeutet: Zuerst muss eine stabile Positionierung aufgebaut werden, mit Hilfe der Homepage und durch Verlinkung mit diversen Foren und sozialen Plattformen. Das darauf aufbauende regelmäßige Monitoring geht weit über Ego-Googeln hinaus, es bezieht auch Dienste wie technorati, blogwatch etc. mit ein. Durch Aktualisierung, das ist zum Beispiel das Offenlegen hilfreicher Erkenntnisse oder das Publizieren neuer Inhalte, steigert man die eigene Attraktivität im Netz. Die Korrektur ist seit Gründung von myON-ID und einiger anderer Dienste ein „Must“ in der digitalen Krisenwelt.

Wer muss sich denn heute um seine digitale Reputation Gedanken machen, wenn es um den beruflichen Erfolg geht?

All jene, die Mitte der 50er bis Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts geboren wurden. Diese an Zahl so große Generation hat die digitale Entwicklung ins Rollen gebracht. Die Generation der Baby-Boomer ist heute zum Teil in der Mid-Career Phase bzw. im Senior Level angekommen, sie nutzt in Karrierefragen das Internet primär als Informationsquelle und platziert sich bewusster. Lange waren die Homepage, das Aufscheinen durch Mitgliedschaften in Verbänden oder durch Medien-Coverage die einzigen Spuren, die man fand. Bei Bewerbungen zählte vor allem der persönliche Eindruck, und die Referenzen wurden telefonisch eingeholt und überprüft.

Geht die Generation der Baby Boomer anders mit dem „digitalen Ich“, also Ihrer Online-Identität, um als die Generation X oder Y?

Dieser Generation kommt zu Gute, dass in den Business-Foren und sozialen Netzwerken zunehmend die wahre Identität gefordert wird. Anonyme Accounts werden in Netzwerken nicht mehr geduldet. Das Agieren mit unterschiedlichen Identitäten, eine Selbstverständlichkeit für die „native digitals“ der Y-Generation oder Millennials, ist den Baby Boomern nicht unbekannt, dennoch fehlt ihnen der spielerische Zugang zu diesem Medium.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus und was raten Sie dem Jungmanager und dem, der bereits mitten im Berufsleben steht und auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken kann?

Baby Boomer verfügen zumeist über eine etablierte Karriere, die auch stark mit Unternehmen und mit medialer Öffentlichkeit verbunden ist. Damit sind sie sowohl mit Eigenaktivitäten im Netz als auch mit der Corporate Reputation des Unternehmens verbunden.

Der Schluss liegt nahe, dass mit Voranschreiten ihrer Karriere:

  • der Anteil der eigeninitiierten Aktivität im Internet durch verschiedene Formate zunimmt, um das mittels Corporate Reputation entstandene Bild zu ergänzen oder abzufedern

  • der Zutritt in die Foren nicht mehr anonym erfolgt

  • Selektiver Zugang und selektive Vernetzung im Laufe der Karriere relevant werden.

Auch die Baby Boomer werden immer mehr dem 4-teiligen Prinzip Positionieren, Monitoring, Aktualisieren und Korrigieren folgen, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie es die Generation X oder Y tut.

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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1 Kommentar für “Digitaler Karriere-Back Bone: „Wie sich das Internet für die Karriere nutzen lässt“”

myONID Blog » Digitaler Karriere-Back Bone: „Bewerbungen high tech ohne high touch?“
24. November 2008 um 06:08

[...] ersten Teil des Gesprächs haben wir vor ein paar Tagen veröffentlicht. Hier nun der zweite Teil bei dem es um einen Ausblick [...]

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