Identitätsdiebstahl und Stalking 2.0

26. Juni 2008 um 6:00 von Mario Grobholz

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Neben allen positiven Möglichkeiten, die das Web 2.0 und Social Media mit sich bringen, tun sich dadurch ebenso einige Schattenseiten auf. So fällt es Stalkern in Zeiten von allgegenwärtigen Personenprofilen wesentlich leichter, ihre Opfer online zu finden, sie auszuspionieren und zu belästigen. Wer viel bloggt, Status-updates auf Xing oder Twitter durchführt, auf Dopplr oder Qype seine Aufenthaltsorte mitteilt und sogar das Geo-Tagging liebt – so dass jeder weiß, wo Sie sich gerade aufhalten – sollte mit diesen unangenehmen Zeitgenossen rechnen.

Noch fieser wird es, wenn die Online-Kriminellen ihre Opfer nicht nur ausspähen, sogar ihrer digitalen Identität berauben. Unlängst ist ein solcher Fall von Identitätsdiebstahl auf StudiVz bekannt geworden. Der Täter legte ein gefälschtes Profil einer Magdeburger Studentin namens Melanie an und verbreitete in ihrem Namen Obszönitäten und gefälschte Nacktfotos. Nachdem die junge Frau von Freunden auf das Fakeprofil aufmerksam gemacht worden war, konnte sie dessen Löschung beim Social Network veranlassen, hatte aber nicht mit den negativen Stalker-Qualitäten des Täters gerechnet. Immer wieder stellte dieser seine Inhalte in ihrem Namen ins Netz. Die Daten stehen dem Kriminellen natürlich jederzeit zur Verfügung, weil diese auf seinem heimischen Computer liegen. “Melanie ist Opfer eines klassischen Stalkers geworden, der offensichtlich nicht nur einen Scherz machen, sondern ihr persönlich übel mitspielen will”, meint Rechtsanwalt Udo Vetter gegenüber n-tv.de.

Opfer des Online-Stalkings und Identitätsdiebstahls müssen mitunter große Reputationsschäden hinnehmen. Stoßen potentielle Arbeitgeber, Kunden oder Journalisten auf solche vermeindlich echten Profile, sind die Folgen immens. Im besten Falle werden Sie überhaup noch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass Personaler auf Grund von Network-Profilen Bewerber aussortieren. Besonders ärgerlich ist es jedoch, wenn sie nicht einmal etwas dafür können.

Übrigens zeigt ein aktueller Fall, dass selbst Unternehmen Opfer eines solchen Diebstahls werden können: Im Zuge interner Streitigkeiten zwischen der Belegschaft und der Unternehmensführung der Hamburger Morgenpost wurde ein Twitterchannel eröffnet, der scheinbar offiziellen MoPo-Charakter hatte. Nachdem genug Follower zu verzeichnen waren, wurde er dann jedoch dazu genutzt, um Aufmerksamkeit auf Artikel zu lenken, die kritisch über die Unternehmensleitung berichteten.

Wie also können Sie sich vor derartigem Missbrauch ihrer Identität schützen? Unternehmen werden deshalb nicht mhin kommen, Accounts auf Facebook, Twitter, Delicious, StudiVZ und weiteren Social-Web-Angeboten anzulegen.Wenngleich eine vollkommene Sicherheit niemals gewährleistet werden kann, gibt es doch einige hilfreiche Tipps, die vorbeugend helfen können oder im Fall eines Falles helfen, größeren Schaden zu vermeiden.

  1. Legen Sie für Ihre Marke ein eigenes Profil auf den wichtigsten Social Media-Diensten an und sammeln sie diese via MyonID. So stellen Sie sicher, dass sich zumindest alle ihre echten Daten von ihnen verifizieren und finden lassen. Sollte tatsächlich jemand auf den Gedanken kommen, ein zweites Profil von Ihnen anzulegen, so ist dieses zumindest nicht das Einzige, das von Suchenden gefunden werden kann. Außerdem fehlt ihm die offizielle Bestätigung.
  2. Bei einigen Diensten wie Twitter kann jeder Nutzername nur ein Mal verwendet werden. Sichern Sie sich also Ihren (Marken)Namen nicht nur als Domain-Adresse, sondern auch noch auf den Social-Media-Plattformen, bevor es jemand anderes tut. Selbst dann, wenn Sie nicht planen, den Dienst aktiv zu nutzen.
  3. Nutzen Sie die Datenfreigabeoptionen der Netzwerkdienste. Überlegen Sie stets, wer welche Ihrer Daten öffentlich einsehen darf und gehen Sie nicht zu freigiebig mit ihnen um. Damit erschweren Sie es potentiellen Stalkern, zu viel über Sie herauszufinden.
  4. Scannen Sie regelmäßig die wichtigsten Social Networks nach ihrem eigenen Namen. Besser Sie finden ein gefälschtes Profil, als Ihre Kontakte.
  5. Setzen Sie dazu ein einfaches Monitoring via Google Alert, Technorati und MyonID auf.
  6. Machen Sie sich stets bewusst, dass das Internet ein öffentlicher Raum ist. Seien Sie sich bewusst bei alledem, was Sie publizieren. Wirklich private Informationen machen Sie angreifbar. Deshalb sollten Sie diese besser für sich behalten.

Klaus Eck, PR Blogger

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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