Exhibitionismus in Social Networks?

5. Februar 2008 um 6:00 von Mario Grobholz

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Welche Konsequenzen das Erstellen von Persönlichkeitsprofilen in Social Networks und das Preisgeben von persönlichen Details haben kann, zeigt sich aktuell am Beispiel des Falls Jérôme Kerviel. Der 31-jährige Aktienhändler hat seiner Bank Société Générale vor ein paar Wochen den größten Kapitalverlust aller Zeiten herbeigeführt.

An seinem Beispiel zeigt sich jedoch auch deutlich, wie gläsern viele Social Networker sind. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten von Social Media haben wir immer häufiger ein Profil auf Xing, Facebook, Amazon, Ebay oder Web 2.0-Plattformen angelegt. Das erleichterte es im Falle Kerviel den Fahndern und Journalisten ungemein, sich über den Bankangestellten zu informieren. Auf Facebook hatte ein französischer Student sogar eine Gruppe gegründet, für diejenigen, die Jerome Kerviel suchen, den “Mann der 4, 9 Milliarden in den Sand gesetzt hat!!!” (Spiegel). Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich der Gruppe mehr als 400 Mitglieder an.

Für Journalisten ist es völlig normal, einen bis dato unbekannten Namen in Google einzugeben, um einige grundsätzliche Informationen sowie Kontaktdaten über die Person zu erhalten. Social Networks erleichtern es darüber hinaus, erste Ansprechpartner – Kontakte des Gesuchten – ausfindig zu machen. Auf Spiegel Online wird deshalb jüngst kritisch angemerkt:

“Die Chance steigt jeden Monat, dass man binnen weniger Minuten selbst intime Details über den einstigen Niemand herausfindet. Und selbst wenn der Betreffende, wie nun im Fall des Milliarden-Versenkers Jérôme Kerviel, selbst gar keine großen Web-Aktivitäten entfaltet hat, ist Erkenntnisgewinn zu erwarten: Eine Heerschar von Internet-Nutzern stürzt sich mit wachsender Begeisterung auf die Aufgabe, Medien und Polizei bei ihren Recherchen zu unterstützen.”

Darüber hinaus warnt das Nachrichtenmagazin von der “Gefährlichkeit der Daten-Nabelschau bei Facebook und Co”, weil immer mehr Menschen in Web 2.0-Zeiten ganz alltägliche Dinge leichtsinnig publizieren würden. Natürlich kann der “ungezügelte Exhibitionismus” den Einzelnen gefährden, wenn dieser sich nicht bewusst ist, was mit seinen Daten im Internet geschehen kann. Dennoch wirkt der Alarmismus des Spiegel-Artikel etwas deplaziert.

Wer seine Privatsphäre online schützen will, kann dieses auch in den Social Networks tun, in dem er seine Freigabeeinstellungen überprüft und sich genau überlegt, wer welche Bilder, Videos und sonstigen Inhalten sehen darf. Je besser ich mir selbst im Klaren bin, wie ich in der digitalen Öffentlichkeit erscheinen will, desto leichter fällt es mir, dieses auch zu steuern. Zwar ist es nicht immer möglich, die Einträge Dritter zu beeinflussen, doch die eigenen digitalen Spuren können wir gezielt legen, so dass die Aufmerksamkeit der Onliner sich auf die Inhalte richtet, die wir präferieren. Niemand muss hierbei alles dem Zufall überlassen.

Die weiteren Spiegel-Beispiele (Pierre Omidyar, Felix Petersen, Kevin Colvin) machen deutlich, dass wir in einer radikalen (digitalen) Transparenz leben, in der eben alles und vor allem Lügen sehr schnell rauskommen. Aus diesem Grunde wird die persönliche Integrität und der Aufbau von Vertrauen zunehmend wichtiger. Wer sich online authentisch und glaubwürdig gibt und dieses auch wirklich ist, dürfte keine allzu großen Probleme mit seiner (Online-)Privatsphäre haben, sollte aber dennoch genau prüfen, welche Daten er selbst in den digitalen Raum und damit in die Öffentlichkeit entlässt.

Zudem bietet es sich natürlich an seine Reputation auch Online aktiv zu managen. Hierzu hat myON-ID einen Service entwickelt mit dem jeder ohne große Vorkenntnisse und bei geringem Zeitaufwand schnell zu guten Ergebnissen kommt seine Reputation selbst in die Hand zu nehmen und das nicht den Suchmaschinen zu überlassen.

>> Spiegel Online: Kerivel im Internet. Facebook-User fahnden nach Milliarden-Betrüger
>> PR Blogger: Sind Sie Dr. Jekyll oder Mr. Hyde?
>> Spiegel Online: Social Networks: Der Fall Kerviel und die ungezügelten Exhibitionisten

Klaus Eck, PR Blogger

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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1 Kommentar für “Exhibitionismus in Social Networks?”

Dani
24. Februar 2008 um 20:09

Das ist ein extremes Beispiel, aber man darf im Internet nicht zu naiv sein.

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