Gerechtigkeit: den Ruf wahren
2. Januar 2008 um 8:00 von Mario Grobholz

Wir alle haben einen Ruf zu verlieren: Ob im Leben. Als Freund. Als Kollege oder als Ehepartner. Als Verkäufer bei ebay oder im Chat. In unserer Gesellschaft gibt es ein großes Gerechtigkeitsempfinden, der häufig Gleiches mit Gleichem vergolten wird. In vielen Varianten werden der Wissenschaft zuliebe Spiele entwickelt und gespielt, mit dem Ziel das kooperative Verhalten zu erforschen.
Altruismus vs. Egoismus
So zahlen in einer klassischen Variante alle Spieler in geheimer Mission einen selbst gewählten Beitrag ihres Budgets. Dann verdoppelt der Spielleiter diesen Betrag, der dann in gleichen Teilen an alle Teilnehmer ausgezahlt wird. Gibt jeder alles, bekommen am Ende alle das Doppelte. Spendet dagegen nur ein einzelner Mitspieler etwas und die anderen nichts, verliert er sein Geld. Die knappe Mehrheit verhält sich in diesen Spielen kooperativ. Beim zweiten Durchgang kann das Spiel manipuliert werden, indem der Spielleiter einen Kassensturz verkündet. Die meisten Versuchspersonen zahlen beim nächsten Mal ebenfalls weniger ein, in dem Glauben, dass andere es ähnlich machen. Das legt die Vermutung nahe, dass eine Mehrheit von kooperativ eingestellten Menschen durch wenige egoistisch agierende Personen empfindlich gestört werden kann. Und nicht nur staatlich geschützte Strafen befriedigen das Streben nach einer gerechten Gesellschaft, sondern auch der öffentliche Ruf.
Gesellschaftliche Anerkennung ist uns in der Regel nicht gleichgültig, denn niemand will als Mitglied seiner vertrauten Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Der Moralforscher und Psychologe Jonathan Haidt meint dazu: “Reputation ist eine mächtige Kraft, um moralische Gemeinschaften zu stärken und zu vergrößern.”
Ein Experiment des Max-Planck-Instituts bestätigt diese Annahme. Menschen sind vor allem dann dazu bereit etwas zum Gemeingut beizutragen, wenn sie gut informiert sind und öffentliche Anerkennung für ihr Handeln bekommen.
Klaus Eck, PR Blogger
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Dann abonnieren Sie den myON-ID Blog als RSS-Feed, um regelmäßig über neue Artikel informiert zu werden!2 Kommentare für “Gerechtigkeit: den Ruf wahren”
[...] Wie bekommen wir Meier und Schmidt aus diesem Automatismus heraus? Das Max-Planck-Institut ging dieser Frage nach und ließ seine Probanden spielen. Kooperatives Verhalten wird vor allem im Rahmen der Spieltheorie erforscht, in dem Spieler unter verschiedenen Bedingungen vor Entscheidungen gestellt werden. [...]
[...] Artikel auf seinem Blog und dem des Web2.0-Unternehmens myONID. Er mahnt: “Wir alle haben einen Ruf zu verlieren“. Oft scheinen mir seine Ausführungen zu düster. Dennoch: Gerade für [...]







