Wem glauben Sie wirklich?

14. Dezember 2007 um 8:00 von Mario Grobholz

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Wir sind alle an nutzwerten Informationen interessieren und erwarten bei der Lektüre eine hohe Qualität. Aber dennoch lesen wir on- und offline immer wieder gerne etwas Gossip, um uns zu unterhalten. Nicht umsonst sind die Boulevard-Medien so erfolgreich.

Im Unterschied zu klassischen Medien legen viele Blogger sehr viel Wert auf ihre eigene Meinung und bewerten dabei immer wieder gekaufte Produkte, Bücher, Zeitschriften-Artikel oder Dienstleistungen. Wer dabei von einem Unternehmen enttäuscht worden ist, vergisst manchmal sogar jede Zurückhaltung und kritisiert den Urheber des Verdrusses mit großer Häme. Je schöner die Story, der vermeidliche Scoop, desto mehr Aufmerksamkeit erhält dabei die gerechtfertigte oder zumindest emotional begründete Meinung eines Einzelnen. Mit neutraler Information und Wahrheit hat das wenig zu tun. Dennoch finden Kritiken, die persönliche Häme, Skandalisierungen und emotionale Empörungen sehr schnell ihre Leser. Oftmals bei weitem schneller als jede (mitunter langweilig verpackte) Sachinformation.

Klatsch und Tratsch verbreiten sich als digitale Mundpropaganda sehr schnell im Netz. Dabei ist es wenig überraschend, wenn man seine eigene Reaktion und Wahrnehmung von boulevardesken Interpretationen selbstkritisch hinterfragt. Vor kurzem haben einige Wissenschaftler hierzulande herausgefunden, dass Klatsch und Tratsch die Meinung von Menschen nachhaltiger beeinflusst als die Wahrheit. Dabei ist es unerheblich, dass eindeutige Beweise dagegen sprechen.

Letztlich heißt das für Ihre Karriere und Reputation, dass Ihre persönlichen Leistungen eher unerheblich sind. Viel wichtiger als Ihre Anstrengungen ist Ihre Wirkung. Wenn Sie als erfolgreicher Stratege, Networker und kreativer Kopf gelten, ist es egal, wie mittelmäßig ihre Ideen in Wahrheit tatsächlich sind. Sie werden aufgrund der Wahrnehmung Ihres Images dennoch positiv aufgenommen.

Wir neigen dazu unsere komplexe Wirklichkeit zu reduzieren und sind dankbar für die sozialen Informationen Dritter. Wenn ein Freund von uns die Ansicht vertritt, dass die Leistung eines Kollegen schlecht sind, neigen wir dazu ihm zu trauen und das als Wahrheit zu betrachten, selbst wenn die Fakten sogar eindeutig dagegen sprechen.

Deshalb sollten Sie im Arbeitsleben sowie privat besonders auf Ihre Reputation achtgeben und über die folgenden Punkte zumindest einmal nachdenken. Die Thesen sind nahe am praktischen Leben und entsprechen meiner alltäglichen Wahrnehmung. Am besten glauben Sie mir einfach:

  1. Lassen Sie andere immer gut über Sie berichten.
  2. Seien Sie eher unbescheiden und verschweigen Sie Fehler, die Ihnen ansonsten zum Nachteil gereichen.
  3. Schreiben Sie frühzeitig Ihre Memoiren, damit Sie selbst Einfluss auf Ihr Bild für die Nachwelt nehmen können. Gerade Politiker (Ex-Kanzler) lieferen immer wieder Nachweise für eine sehr subjektive Wahrnehmung der Realität und versuchen über ihre Buchweisheiten die Deutungshoheit zu behalten.
  4. Übertreiben Sie Ihren öffentlichen Auftritt, indem Sie eine provokante These in die Welt setzen, die sich leicht hinterfragen lässt, aber dennoch im richtigen Kontext inszeniert für viele Schlagzeilen sorgt: Beispiel: “7 Jahre Ehe sind genug” (das Pauli-Prinzip).
  5. Es interessiert nicht, wer die Arbeit gemacht hat, solange Sie damit im Mittelpunkt stehen und die Aufmerksamkeit bündeln können.
  6. Seien Sie immer per Blackberry erreichbar und rufen Sie selbst die Zeitungs- und Radio-Redaktionen möglichst früh am Tage an, damit diese Ihr wichtiges Statement zu einer aktuellen Nachrichtenlage integrieren können.
  7. Nutzen Sie eine Diskussion, um mit Ihrer Frage 10 Minuten Aufmerksamkeit für Ihr Statement und Ihre Selbstdarstellungskünste zu erhalten.
  8. Unterbrechen Sie in einer Diskussion ständig die anderen, damit Sie zeigen können, worauf es wirklich ankommt.
  9. Denken Sie an die nächste Aktion und Provokation, damit Sie ständig präsent bleiben.
  10. Bedienen Sie die Vorurteile Dritter, damit Sie Teil des Senf-Universums bleiben und nicht im digitalen Nichts enden.

Hier bei können Sie sich ganz bequem von myON-ID helfen lassen. Fangen Sie am besten gleich jetzt an Ihren guten Ruf selbst zu managen.

Wenn Sie sich an die “Ratschläge” halten, können Sie sicher sein, dass Ihr digitaler Ruf ein besonderer ist. Allerdings dürfte dieser mehr im Sinne von viel Feind, viel Ehr zu verstehen sein.

> Klatsch und Tratsch sozial wichtig
>> Roland Kopp-Wichmann: Wem glauben Sie eher? Dem Tratsch der Leute oder der Wahrheit?

Klaus Eck, PR Blogger

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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5 Kommentare für “Wem glauben Sie wirklich?”

Alexander | Zielpublikum
14. Dezember 2007 um 14:21

Prima auf den Punkt gebracht! Die 10 Punkte hätt es gar nicht gebraucht

Alles Image oder was? at anspruchsBlog
14. Dezember 2007 um 15:39

[...] Klaus Eck schreibt im MyONID-Blog über digitale Reputation und das eigene Image in Zeiten von Web2.0. Seine 10 Thesen sind provokant, sicher diskussionswürdig und wohl auch [...]

links for 2007-12-14 | Endl.de | Zielpublikum Weblog
15. Dezember 2007 um 01:20

[...] myONID Blog » Wem glauben Sie wirklich? »Letztlich heißt das für Ihre Karriere und Reputation, dass Ihre persönlichen Leistungen eher unerheblich sind. Viel wichtiger als Ihre Anstrengungen ist Ihre Wirkung.« (tags: arbeit mensch marketing) [...]

Ed Wohlfahrt
18. Dezember 2007 um 15:47

ganz ernst kann bzw. sollte das hier Geschriebene wohl nicht genommen werden. Wer Klaus Eck schon mal gelesen, gesehen oder gesprochen hat, der hat einen Menschen gesehen, der gänlich anders tickt als die 10 Punkte vermuten lassen würden. Liege ich falsch?

Klaus Eck
18. Dezember 2007 um 16:17

@Ed – Keine Sorge, die Tipps sind mit einer gewissen Portion Ironie geschrieben, liest man zwischen den Zeilen, sollten sich die realen Tipps durchaus erschließen. Aber ich weiß natürlich, dass das Internet in der Regel eine ironiefrei Zone ist…

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