Killerimage: Wunsch nach einer negativen Reputation
4. Dezember 2007 um 8:00 von Mario Grobholz
So absurd es eigentlich klingt mag, kündigen immer wieder Amokläufer in Social Networks oder auf Videoplattformen wie Youtube an, dass sie sich an der Welt rächen wollen. Der vereitelte Amoklauf in Köln, die tatsächlichen Amokläufe von Schülern in Finnland, den USA und in Deutschland – sie alle haben etwas gemeinsam: Die Täter stellten zuvor ihre Profile ins Internet (hierzulande unter anderem auf StudiVZ und SchuelerVZ) und kündigten dort ihre Taten an.
Dabei geht es den Jugendlichen vor allem darum, sich selbst als Bad Guys oder negative Helden in Szene zu setzen, Aufmerksamkeit und letztlich eine (negative) Anerkennung zu erzielen. Auf den Bildern und Videos sieht man in Netz oftmals dasselbe: Einen jungen Menschen, der mit dem Killerimage kokettiert, indem er eine echte oder falsche Waffe vorzeigt, und über seine Gewaltfantasien fabuliert.
Es ist nicht immer leicht, Fiktives von realen Plänen zu unterscheiden. Dennoch sollte man die Bereitschaft potentieller Straftäter nicht unterschätzen, ihre intimen Gedanken und Haßgefühle zu publizieren. Letztlich wollen sie darüber eine mediale Aufmerksamkeit und Unsterblichkeit erringen. Selbst eine negative Reputation scheint dabei auszureichen. Hauptsache sie werden überhaupt wahrgenommen. Manchmal gelingt es ihnen sogar: Seit dem Selbstmord des Amokläufers von Emdsdetten haben mehr als 57.000 Menschen dessen Profil besucht.
>> Zeit online: Falscher Bekenner
>> SZ: Amokläufe an Schulen und Universitäten. Chronologie der Gewalt
>> SZ: Vereitelter Amoklauf von Köln. Schüler hatten ihre Pläne schon aufgegeben
Klaus Eck, PR Blogger
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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