Diese Nachricht zerstört sich in 1 Minute selbst: Ablaufdatum für Internetseiten

17. Dezember 2007 um 8:00 von Mario Grobholz

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frisch

Sie war schon ein echter Hingucker, diese Meldung: “Ablaufdatum für Internetseiten gefordert”, die vor einigen Tagen durch den deutschen Blätterwald rauschte (beispielsweise hier oder hier oder hier), unter anderem befeuert von einer Meldung des Nachrichtendienstes epd.

Mit diesem Ablaufdatum sollten Bürger vor negativen Folgen geschützt werden, wenn sie im Internet private Daten preisgeben, die noch nach vielen Jahren auf sie zurückfallen könnten. Das Internet vergesse nichts – zitiert epd den Medienrechtler Viktor Mayer-Schönberger, Professor an der US-amerikanischen Harvard-Universität.

Dass die epd-Meldung eine gewisse Aufmerksamkeit erreichte, hat vermutlich mit der schon seit Monaten anhaltenden Berichterstattung rund um das Thema “persönliche Daten im Netz” zu tun. Dass sie zum echten Hingucker “mit Schmunzelfaktor” wurde, liegt jedoch sicherlich an dem Vorschlag eines Ablaufdatums für jede Internetseite… So plausibel der Vorschlag klingt, wirft er doch mehr Fragen auf, als er Probleme löst. Bedeutet dies, dass Internetseiten künftig grundsätzlich mit einem Standard-Haltbarkeitsdatum versehen werden? Wie wird das integriert? Mayer-Schönberger wird dazu im Mai in der Süddeutschen Zeitung zitiert:

“…Mayer-Schönberger dagegen setzt tiefer an, bei den bereits bestehenden Datenformaten und Programmen. Nahezu alle Geräte und Programme würden heute schon Daten über die gespeicherten Daten, so genannte Metadaten, aufzeichnen; eine Kamera beispielsweise Datum, Zeit und künftig womöglich auch Ort der Aufnahme.
Die Hersteller müssten dazu verpflichtet werden, zu diesen Daten ein neues dazuzunehmen: Ein Verfallsdatum. Wer wolle, könne das dann immer individuell einstellen, aber die Standardeinstellung sollte von “ewig aufheben” auf “Löschen nach einer gewissen Zeit” gesetzt werden.”

“Alle Geräte und Programme”, “die Hersteller” – es geht Mayer-Schönfelder um nicht mehr und nicht weniger, als “dem Internet” eine zusätzliche Dimension zu verleihen, ihm das “Vergessen” beizubringen. Ein Projekt mit gigantischen Dimensionen. Manch einer (zum Beispiel Hans) fragt sich da, ob das technisch umgesetzt werden kann.

Nehmen wir aber nun mal an, das klappt technisch alles reibungslos. Dann müsste man doch befürchten, dass unzählige wertvolle Informationen einfach aus dem Netz verschwinden, nur weil die User vergessen haben, sie zu verlängern. Die einzige Möglichkeit dies zu verhindern, wäre, dass alle Verfasser der Milliarden Google-Seiten zuvor gefragt werden, ob sie verlängern wollen. Gefragt von – ja von wem eigentlich? Aber angenommen, auch dies funktioniert und jede der Milliarden Webseiten weltweit würde ihren Verfasser künftig regelmäßig ansprechen und um Aktualisierung bitten… Stellen Sie sich einfach vor, jedes von Ihnen produzierte File auf Ihrem Desktop-Rechner würde nach jeweils definierten Zeiträumen um Verlängerung bitten. Man käme aus dem Klicken nicht mehr heraus…

Auch Mayer-Schönberger ist von seiner ursprünglichen Einschätzung („…Technisch wäre das kein Problem. In alle modernen Betriebssysteme lassen sich heute Metainformationen einspeisen.“) mittlerweile abgerückt und betrachtet die Idee inzwischen auf der philosophischen Ebene:

“… Vielmehr geht es mir darum, dass wir alle durch die Notwendigkeit der Festlegung von Aublaufdaten (und deren etwaiges Update) mit der Frage konfrontiert werden, wie lange eine bestimmte Information gespeichert bleiben soll. Dieses stete “Ins-Bewusstsein-Rufen” des Problems ist das Ziel meines Ansatzes, nicht wie von Ihnen faelschlich unterstellt eine perfekte technische Infrastruktur dafuer.”

Was aus meiner Sicht wieder zu kurz greift. Denn das „Ins-Bewusstsein-Rufen“ allein reicht nicht aus – der Verbraucher muss doch auch wissen, was er gegen unliebsame Hinterlassenschaften im Web tun kann. In dem Zusammenhang auch an dieser Stelle noch einmal der Verweis auf die von Jochen Mai und seinem Kollegen Sebastian Matthes veröffentlichte wohl umfassendste Zusammenstellung von Reputations-Management-Angeboten, darunter auch das Angebot von myON-ID.

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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