Digitale Identität II: Schubladendenken für die Marke

26. November 2007 um 8:00 von Mario Grobholz

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In einer Welt, in der wir alle und alles gleich ist, hätten wir einige Probleme, uns zurecht zu finden. Durch unsere Identität unterscheiden wir uns voneinander. Erst die Identität verhilft uns dazu, einen Menschen von einem anderen durch einzelne Merkmale zu unterscheiden.

Damit wir hierbei einigermaßen den Überblick behalten, neigen wir zu einem Schubladendenken. Es entstehen Bilder vor unseren Augen, die uns Orientierung im Leben vermitteln. Ansonsten wären wir im Alltag von der Aufgabe überfordert, andere richtig einzuschätzen. Aber wir kategorisieren nicht nur unsere Kontakte, sondern tendieren auch dazu, uns automatisch selbst in bestimmte Gruppen einzuordnen. Bei diesem Prozess der Konstruktion unserer Wirklichkeit haben wir keine Kontrolle.

Unternehmen profitieren von unserem Schubladendenken: Denn ein starkes Markenauftreten (Branding) verführt gezielt zur Kategorisierung. Darauf setzt nichtzuletzt der Ansatz des Neuromarketings. So spitzt die “Bild” die Aussage der Neurowissenschaftler schlagzeilenträchtig zu: “Starke Marken schalten den Verstand ab.” Erklärt wird dieses von Dr. Christian Scheier wie folgt:

“Man hat herausgefunden, dass bei einer starken Marke tatsächlich die Hirnareale, die zum Nachdenken dienen, abgeschaltet sind, während die Hirnareale, die für spontane Handlungen zuständig sind, aktiviert werden. Das heißt, starke Marken entlasten das Nachdenken.“ (Zitat aus Interview mit Dr. Christian Scheier – PDF, Autor des kürzlich erschienenen Buches “Wie Werbung wirkt”).

Starke Marken führen dazu, dass die Konsumenten darauf vertrauen, dass sie ihr Markenversprechen erfüllen. Eine langfristige Investition in die eigene Reputation ist ein erfolgsversprechender Weg eine glaubhafte Markenpersönlichkeit aufzubauen. Denn ein positiver Ruf geht mit Vertrauenswürdigkeit, Glaubwürdigkeit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit einher. Mit kurzfristigen Effekten hat das nicht zu tun. Darauf sollte auch kein Reputationsmanagement setzen.

Während große Unternehmen über Jahre hinweg mit Hilfe von PR und Marketing an ihrer öffentlichen Wahrnehmung basteln und tüfteln, ist es in der digitalen Welt erheblich einfacher, die eigene Reputation zu beeinflussen und den Meinungsbildungsprozess zu beschleunigen. Das Internet als öffentliches Medium ermöglicht es mit immer neuen Anwendungen, dass jedermann die Chance hat, ein großes Publikum unmittelbar zu erreichen. Gerade die stark vernetzten Angebote der Web2.0-spezifischen Dienste bieten Ihnen die Chance, sich als Experte zu positionieren. Das Netz sorgt als Informationsmedium Nummer Eins für zunehmende Transparenz. Daher ist es nicht nur für Organisationen, sondern auch für Einzelpersonen notwendig, sich um die Außenwahrnehmung Gedanken zu machen und sich mit dem Thema Reputation verstärkt auseinanderzusetzen. Letztlich lässt sich mit dem Publizistikwissenschaftler Nikodemus Herger folgendes Fazit ziehen:

“Identität, Marke, Image, Reputation sind allesamt „Rezepte” bzw. Konstruktionen, die sich auf das Management des Vertrauens in Organisationen beziehen.”

>> Literaturtipp: Nikodemus Herger (2006): “Vertrauen und Organisationskommunikation: Identität – Marke – Image – Reputation”
>> myONID Blog: Angst vor der negativen Macht der Blogger
>> myONID Blog: Digitale Identität I: Ein neues Selbstverständnis

Klaus Eck, PR Blogger

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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