Digitale Identität I: Ein neues Selbstverständnis
12. November 2007 um 8:00 von Mario Grobholz
„Eine Persönlichkeit ist der Ausgangspunkt und Fluchtpunkt alles dessen, was gesagt wird, und dessen, wie es gesagt wird.“ (Robert Musil)
Die Jugend liest nicht länger Magazine oder gar Zeitungen. Sie surft ihre Social Networks ab und informiert und unterhält sich gegenseitig mit digitalen Fundstücken oder eigenen Ideen. Es wird nicht mehr stundenlang telefoniert, sondern stattdessen der Rechner stundenlang blockiert.
Wer hat heutzutage noch ein wirkliches Interesse an einem Telefonbuch oder nutzt die klassischen Stadtpläne, wenn in den Stadtportalen und in Google sofort fündig wird? Was im Kino oder TV geschaut wird, entscheidet sich immer öfter via digitaler Mundpropaganda statt mit Hilfe einer Programmzeitschrift.
Ob wir wollen oder nicht, wir bewegen uns mittlerweile genauso selbstverständlich in der virtuellen Welt wie im richtigen Leben. Besonders für die Jüngeren gehört das Web selbstverständlich dazu, aber auch immer mehr Silver Surfen entdecken das Web als sozialen Raum für sich. Das Internet ist als Informations- und Entertainmentmedium ein fester Bestandteil in unserem Alltag, mit dem wir immer größere Teile unseres Arbeitslebens und der Freizeit verbringen.
Mit dem Aufkommen von neuen Web 2.0-Angeboten im Netz veränderte sich die Kommunikationsstruktur. Der User vollzog einen Wechsel vom Empfänger zum Sender. Die früher vorherrschende Anonymität und Isolation des Einzelnen wurde durch die eigene Präsenz im Netz weitestgehend aufgehoben. Man kennt sich, man vernetzt sich. Die Scheu mit dem realen Namen im Netz zu erscheinen, nimmt immer weiter ab und schafft dadurch neue Probleme. Unsere Jugend macht’s vor und ist mit 45 Prozent auf Plattformen wie MySpace, StudiVZ, Facebook oder Xing präsent.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann unser digitales Treiben ein signifikanter Ausdruck unserer Persönlichkeit wird und eben auch auf diese zurückwirkt. Um diese Thematik näher zu beleuchten, werde ich mich in einer Reihe von Blogbeiträgen intensiver mit dem Thema Digitale Identität beschäftigen.
Der Begriff „Identität“ zielt in erster Linie auf die Unterschiede zwischen Personen ab. Aber auch die Gemeinsamkeiten mit anderen werden berücksichtigt. In der Regel wird darunter die einzigartige Kombination von persönlichen und unverwechselbaren Eigenschaften des Individuums verstanden. Dazu gehören unter anderem der Name, das Geschlecht und der Beruf. Dadurch lassen sich Personen voneinander unterscheiden. Identität ist immer eng verknüpft mit Identifizierung, dem Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, Gruppenzugehörigkeiten und Selbstpräsentation. Wer weiß, wie stark sich in Zukunft unseres digitales Erscheinungbild, unsere Online-Reputation, auf unser Leben auswirkt und auch den herkömmlichen Identitätsbegriff obsolet macht bzw. ihn erweitert.
Klaus Eck, PR Blogger
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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Interessante Reihe, die Du da startest. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel die digital affine Jugend heutzutage über sich ins Netz stellt..und so alt bin ich auch wieder nicht. Zudem würde ich mich zu den digital affinen Menschen zählen. Angesichts von zunehmender Internet-Kriminalität, sollte das Thema Identitätsklau und eben auch Cyberbullying stärker thematisiert werden. Was passiert, wenn das Vertrauen in meine – Online – Identität erschüttert ist? Wie kann ich gewährleisten, dass die digitale Repräsentanz mit meiner RL-Identität übereinstimmt? Web 2.0 braucht halt auch Security 2.0.
Post-Privacy als Utopie?…
Ich tendiere zuweilen, zumindest for the sake of argument, zu einer noch etwas diffusen, noch etwas leeren Utopie einer positiven Überwindung von Privatheit ……
diese Thema gibt Schreibstoff für die nächsten Monate, mindestens.
Begrüssenswert wäre, wenn die Taschenlampe auch mal in Unternehmen gehalten wird. Jeder Konzern bildet inzwischen das Internet im Mikroformat ab und digitale Identitäten und Reputationen zählen dort inzwischen ebenso. Etwa wenn es um die qualitative Wissensweitergabe und die Bewertung derer geht.
Bin gespannt auf die Artikel.
Gruss
Olvier//
Hallo Oliver,
vielen Dank für dieses Stichwort. Das ist ein Ansatz der mich schon umtreibt seitdem wir über myON-ID nachdenken. Es ist doch so, dass Firmen sehr auf einen guten Ruf, auf ihr Image oder/und ihre Reputation angewiesen sind und darauf achten. Viele große Firmen geben dafür auch richtig viel Geld aus. Ich war selbst zuletzt für einen Konzern tätig und kenne das aus eigener Erfahrung. Aber aus was setzt sich den der gute Ruf eines Unternehmens zusammen? Das Produkt, der Name, dir Größe, das Management oder die PR … nicht nur! Vielmehr sind es die einzelnen Mitarbeiter die in Summe das Bild eines Unternehmens in der Öffentlichkeit prägen. Und das auch noch nachhaltiger weil viral über persönliche Kontakte weiter getragen wird, was sich hinter den öffentlichen Kulissen abspielt und das ist doch viel interessanter. Insofern drängt sich doch für ein Unternehmen der Schluss auf, dass die Summe der Mitarbeiter-Reputation die Reputation eines Unternehmens prägt oder zumindest mitbestimmt. Wenn sich das durchsetzt, dann könnte die “öffentliche” Reputation eines Bewerbers über den Ausgang eines Bewerbungsgesprächs zukünftig mitentscheiden. „Schließlich verdirbt eine faule Kartoffel die ganze Kartoffelkiste“.
Auch in diesem Sinne kann myON-ID heute auch schon genutzt werden! Wir bleiben hier weiter am Ball.
An Stoff dürfte es uns in der Tat bei diesem Thema nicht mangeln, zumal zurzeit die Themenwelt rund um Reputation insgesamt immer größer wird. Wir freuen uns natürlich über Themenanregungen und -fragen. Gerne auch via Kommentar.
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