Kein digitaler Tintenkiller in Sicht

30. Oktober 2007 um 8:00 von Mario Grobholz

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Was einmal im Internet steht, das bleibt lange sichtbar, manchmal sogar auf den ersten Plätzen einer Suchmaschinen-Recherche. In den Vor-Netzzeiten war alles einfacher. Niemand zeichnete unser Fehlverhalten auf und machte es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Wer erinnert sich noch an die ersten ungelenken Fahrversuche mit oder ohne Führerschein, den Abiball, auf dem wir nicht tanzen konnten und zu viel Alkohol tranken, oder an andere unvorteilhafte Dinge…

Vor 20 Jahren scherte das niemanden. Heute halten wir und andere unsere Privatsphäre in Text, Bild und Video fest und stellen alles online. StudiVZ, Blogs und Co. machen dies leichter denn je.

Vor einem Jahr äußerte sich Harald Schmidt in der Wochenzeitung “Die Zeit” zum Thema Tyrannei der Öffentlichkeit, die es (nicht nur ihm) unmöglich macht, die eigene Privatsphäre noch zu wahren:

“Wenn Sie so wie ich in der Öffentlichkeit stehen, rechnen Sie mit jeder Art von Vorwurf. Also spielen Sie das durch, was könnte kommen, wie reagiere ich darauf? Ich bin mir sicher: Heutzutage bleibt nichts geheim, allles kommt raus. Nur ein Beispiel: Irgendwann, als ich abends am Kölner Hauptbahnhof in ein Taxi stieg, fragte mich der Fahrer: Na, wie war die Scholle? Sein Schwager hatte in Husum gesehen, wie ich eine Scholle bestellt habe. Sie können also davon ausgehen, dass ich 24 Stunden am Tag von meinen Fans überwacht werde.” (Harald Schmidt in einem Zeit-Interview vom 23. November 2006)

In gewisser Weise steht uns etwas Derartiges online ebenfalls bevor. Wir stehen noch am Anfang der Digitalisierung unserer Lebenswelten, was für einzelne fatale Folgen haben könnte, wenn Ihnen nicht klar ist, dass Sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. Kein Wunder also, dass es erste Anbieter wie ReputationDefender gibt, die dafür sorgen wollen, dass – zumindest einige – Reputationsschäden online beseitigt werden. Teuer sind diese Anbieter zwar nicht unbedingt, können allerdings in der Regel auch keine Erfolgsgarantie einräumen. Schließlich ist es oft nicht möglich, den Verfasser eines unangenehmen Inhalts dazu zu verpflichten, diese Information wieder zu löschen. Erst bei Beleidigungen, übler Nachrrede sowie Verleumdungen entsteht ein gewisser Handlungsspielraum für die Rufgeschädigten. Jochen Mai verweist in der Karrierebibel auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom März 2007 (VI ZR 101/061). Demnach kann jemand nur dann eine Löschung juristisch durchsetzen, wenn die Ehre der Person verletzt worden ist. Hat der Website-Betreiber von der Forderung Kenntnis erhalten, muss er sofort dafür Sorge tragen, die entsprechenden Inhalte zu entfernen.

Allzu schnell geht das dennoch nicht, weil man dazu erst einmal den Nachweis erbringen muss und weil die Inhalte zumindest für einige Wochen noch in Googles Zwischenspeicher (Cache) verbleiben. Selbst wenn nichts gelöscht werden kann, genügt es manchmal, mit positiven Inhalten den negativen Eindruck zu verwischen. Der digitale Tintenkiller für die eigenen Jugendsünden ist noch nicht erfunden. Erfolgreich wehren kann sich ein Verleumdungsopfer eigentlich nur, indem es sich aktiv auf Social Media Formate wie Blogs, Xing oder Twitter einlässt und zahlreiche Inhalte strategisch im Web platziert. myON-ID Profile werden beispielsweise bei Google sehr gut und prominent gefunden.

Hingegen hilft reines PR-Material hierbei nicht weiter. Je positiver die inhaltlichen Online-Beiträge von anderen bewertet und verlinkt werden, desto erfolgreicher kann ein Reputationsschaden eingedämmt werden. Wer vor den damit verbundenen Kosten und dem zeitlichen Investement zurückscheut, der sollte tunlichst auf die eigene Reputation achten und sich dessen bewusst sein, dass er mittlerweile bei jedem gesellschaftlichen Anlass in der nicht- wie auch digitalen Öffentlichkeit steht.

>> Web-Kosmetik?
>> Den guten Ruf herausstreichen
>> Jobverlust durch Blogging
>> 10 Tipps für das digitale Reputationsmanagement
>> Jochen Mai: Karrierebibel: Raus damit! – Wie man Daten im Netz löscht

Klaus Eck, PR Blogger

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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