Jobverlust durch Blogging
19. Oktober 2007 um 9:00 von Mario Grobholz
Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, sollte sie also solche verstehen. Deshalb wird jede digitalisierte Information von und über Sie gefunden. Private Nachrichten gibt es in digitaler Form nicht wirklich. Schließlich findet so manche privat verfasste ihren Weg in die Netzöffentlichkeit und hat ungeahnte Folgen.
Jochen Mai stellt in seinem Karriereblog ein aktuelles Beispiel für den Jobverlust durchs Bloggen vor. Jessica Zenner alias Jessica Carr, eine 23-jährige Nintendo-Mitarbeiterin, nahm beim privaten Bloggen zuwenig Rücksichten auf ihre Kollegen und beleidigte diese anonym durch einzelne Beiträge. Auch wenn sie diese und ihr Unternehmen Nintendo nicht namentlich genannt hatte, ging die Kritik und Verleumdung den Verantwortlichen anscheinend zu weit. Der Personalchef Nintendos wurde auf ihr Blog Inexcusable Behavior aufmerksam und zog deshalb am 31. August 2007 die Konsequenzen, indem er der Bloggerin ihre Entlassung mitteilte. Darauf war Zenner nicht gefasst. Sie hatte in aller Naivität angenommen, dass niemand ihr Blog wahrnimmt bzw. dass es keinerlei Relevanz für Nintendo habe.
Schon im Falle von Ellen Simonetti, der “Königin der Lüfte“, zeigte sich, wie wenig Anonymität vor dem Jobverlust hilft. Die Delta-Airlines-Stewardess berichtete bis 2004 anonym aus ihrem Leben und schmückte ihre Beiträge gerne mit Fotos von ihrem Arbeitsplatz bei Delta Airlines. Einmal ließ sie sich in ihrer Stewardessen-Uniform etwas freizügiger auf einer Sitzreihe thronend ablichten, was jedoch ihrem Arbeitgeber gar nicht gefiel. Denn anhand ihrer Uniform war eindeutig zu erkennen, für wen sie in Wirklichkeit arbeitete. Und so erhielt Simonetti kurz nach der Blog-Veröffentlichung der Fotos die fristlose Kündigung von Delta Airlines. Es genügte den Managern der Fluggesellschaft nicht, dass das “Tagebuch einer Stewardess” einen fiktionalen Charakter hatte und alle Orts- und Firmenangaben frei erfunden waren. Ihnen gingen die detailreichen Beschreibungen des Arbeitsalltags einer Stewardess schlicht zu weit.Doch die Flugangestellte war sich keiner Schuld bewusst. Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Firmenrichtlinie oder Blog Policy, die das Führen eines solchen Blogs untersagt hätte, und sie erhielt deswegen auch nie eine Abmahnung. Deshalb fühlte sie sich ungerecht behandelt: “Wenn ich gewusst hätte, dass mich das meinen Job kostet, hätte ich es nicht gemacht. Und wenn sie mich gebeten hätten, das Blog abzuschalten, wäre ich dem natürlich nachgekommen. Aber diese Möglichkeit hat man mir nie gegeben. Es ist unfair, wegen einer nicht existierenden Blog-Policy gefeuert zu werden.”
Wenn Sie selbst anonym bloggen, sollten Sie deshalb ganz genau darüber nachdenken, welche Konsequenz das für ihre Karriere im Berufsleben haben könnte. Auch in diesem Falle zeigt sich deutlich, dass viele Mitarbeiter gar nicht ahnen, welche beruflichen Konsequenzen ihr digitales Dasein haben kann.
Kennen Sie vielleicht einige deutsche Beispiele für den Jobverlust durch das Bloggen?
>> The Stranger: Nintendo Contractor Fired for Blog
>> Fired Nintendo Blogger Speaks Her Mind – An Interview with Jessica Zenner
>> PR Blogger: Dell’s Online Communication Policy
>> Die Karriere-Bibel: Game over – Blogs als Karrierekiller
Klaus Eck
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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zählt Selbstkündigung nach einem Zusammenschiss durch den Chef auch?
Grüße! Ed
Will ich eigentlich in einer Firma arbeiten, die verschnupft auf Veröffentlichungen reagiert, selbst wenn ihr Name nicht genannt wird? Warum sollte ich einen Arbeitgeber auswählen, der ein Problem mit privaten Jugendfotos von mir hat, die irgendwo im Netz herumschwirren?
Nur nicht irre mache lassen.
Als Freelancer (PR) blogge ich zum Beispiel auch über meine Kunden, die ich zwar nicht beim Namen nenne, wenn es etwas despektierlich-ironisch wird, die sich aber schon mal wiedergefunden haben. Und natürlich führt das auch zu Diskussion a la: Darf der das? Aber was soll schon passieren? Im ungünstigsten Fall kommt der Kunden zu dem Schluss, ich dürfe dies nicht und kündigt die Geschäftsbeziehung. Dann bin ich einen Kunden los, der kein Verständnis für kommunikative Prozesse aufbringt und der soziokulturell ohnehin nicht zu mir gepasst hat. Eine solche Kundenbeziehung wäre vermutlich nie gewinnbringend gewesen. Wahrscheinlich habe ich mir lediglich ein gescheitertes Projekt erspart, das mehr Schaden für die Reputation anrichtet, als jeder Blogeintrag.
Im günstigen Fall hingegen erkennt sich der Kunde tatsächlich wieder und es entsteht daraus eine Qualität der Zusammenarbeit, bei der beide Seiten weitaus zufriedener sind, als sie es zuvor waren. Denn dann ist dieser Kunde offen für Ideen, lässt sich auch auf Prozesse eine, dere Ende nicht von vorherein kalkulierbar ist und will den Anstoß von außen. Dann ist es mein Kunde, für den ich mir immer ein Bein ausreißen würde.
schön gesagt… zu meinem Blopost ein Nachschlag: Es macht natürlich Sinn, wenn PR-Agenturen auch intern über eine Policy nachdenken (am besten gemeinsam mit ihren blogenden Angestellten). Eine solche Blog-Policy schafft Regeln die für beide Seiten – also den bloggenden Mitarbeiter wie auch für den Agenturboss – einen verbindlichen Rahmen darstellen können, in dem Social Media Aktivitäten stattfinden können. Eine Herangehensweise wäre ein schlichtes “be clever”. Eine andere beispielsweise, in Blogposts nicht über Kunden zu bloggen.
[...] Und das hat natürlich erhebliche Folgen auf unsere Außenwirkung. Laut Wirtschaftswoche kam bei einer Umfrage unter österreichischen und deutschen Managern heraus, dass der gute Ruf über Karrieren entscheidet. Er wirkt sich unmittelbar auf den Erfolg von Bewerbungen und Beförderungen aus, induziert mitunter Jobkrisen und den Verlust des Arbeitsplatzes. [...]
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