Die Brille des Personalchefs: Interview mit Reputationsforscherin Susanna Wieseneder (Teil 2)
19. September 2007 um 7:00 von Mario Grobholz
Haben wir im ersten Teil des Interviews mit der bekannten Reputationsforscherin Susanna Wiesender noch erfahren, welche Bedeutung Reputationsmanagement in der Wirtschaft heute bereits einnimt und wie sich dieser Trend aktuell auf das Internet ausweitet, werden wir im zweiten Teil des Interviews erfahren wie sich die zunehmendes Transparenz auf den Bewerbungsprozess für Personaler und Bewerber auswirkt.
Mario Grobholz: Es besteht also Handlungsbedarf. Worauf achten Personaler?
Susanna Wieseneder: Ein gemeinsamer Nenner lässt sich kaum ausmachen. Zu unterschiedlich sind die Blickwinkel, aus denen heraus Spitzenmanager, mittlere Positionen oder Berufseinsteiger analysiert werden. Beispielsweise geht es beim Executive Search für Topleute darum, das veröffentlichte Bild eines Managers mit dem Bild abzugleichen, das dieser von sich selbst hat. Da Executives eine Vielzahl öffentlichkeitswirksamer Auftritte haben und da diese Auftritte in den verschiedensten Medien dargestellt und kommentiert werden, wird hier vonseiten der Personaler sehr tief gebohrt. Schließlich hegt kein Unternehmen ein Interesse daran, dass eine Leiche aus dem Keller ihres neuen Spitzenmanagers einen Schatten auf den neuen Arbeitgeber wirft.
Susanna Wieseneder: Beim mittleren Management ist der Zugang ein anderer. Während beim Executive jede Quelle mit Außenwirkung zählt, geht es bei den mittleren Positionen um solche Informationen, die etwas tatsächlich Zutreffendes über die beruflichen und sozialen Kompetenzen eines Aspiranten aussagen. Deshalb werden die Quellen sehr stark auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht.
Susanna Wieseneder: Sie werden zusehends wichtiger, insbesondere bei Berufsanfängern, die noch nicht so viele Arbeitsspuren im Netz hinterlassen haben. Hier interessieren sich Personaler für Fragen, wie: Wie groß ist der Drang zur Selbstdarstellung eines Kandidaten? Für welche Dinge engagiert er sich? Wie geschickt oder ungeschickt kommuniziert er dabei?
Susanna Wieseneder: Wenn sie Rückschlüsse auf die Person erlauben, dann interessieren selbstverständlich auch Jugendsünden. Nicht zuletzt deshalb sollte sich jeder bei seinen Aktionen im Web genau fragen: Wie viel Privatheit und Intimität will ich von mir selber preisgeben? Was nutzt mir ein Engagement, inwiefern könnte es mir schaden? Bei der Beurteilung einer Webveröffentlichung kann man sich dann durchaus die Frage stellen, ob man Derartiges über sich auch in der Frühstückszeitung lesen möchte.
Lesen Sie nächste Woche die Fortsetzung des Interviews, Thema „Geben und Nehmen“.
Mag. Susanna Wieseneder
Nach dem Studium in Wien und New York war Susanna Wieseneder 18 Jahre in der PR-und Kommunikationsbranche tätig. Zuletzt leitete sie 5 Jahre die Corporate Communications der Österreichischen Post AG. Seit 4 Jahren berät und coacht sie mit Ihrem Unternehmen Personal Counseling UnternehmerInnen und ManagerInnen aus deutschsprachigen Führungsetagen.
office@wieseneder.at – http://www.wieseneder.at
Dieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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