Angst vor der negativen Macht der Blogger

27. September 2007 um 23:30 von Mario Grobholz

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Als ich eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem ungeheuren Troll verwandelt, heißt es beinahe sinngemäß bei Franz Kafka in der “Verwandlung” von 1915. Jedenfalls schlug man sich schon damals mit Ungeziefer und Wahrnehmungsproblemen herum. Die sozialen Mechanismen der zwischenmenschlichen Kommunikation machen vor dem digitalen Raum keinen Halt.

Es ist zutiefst menschlich in Kategorien zu denken und Vor-Urteile zu pflegen; denn jeder Mensch versucht Ordnung in sein persönliches Schubladensystem zu bringen, um ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität aufrecht zu erhalten. Stereotypisierungen sind in der Regel sozial unerwünscht, erleichtern aber die generelle Orientierung. Schon beim ersten Kontakt oder bei der ersten Lektüre eines Blogartikels suchen wir unbewusst die passende Schublade und tendieren dazu, unserem Gegenüber einige Eigenschaften zuzuschreiben. Das ist nicht unbedingt förderlich für die Reputation des Fremden.

Denn negative Informationen über eine Person oder ein Unternehmen fallen bei der ersten Wahrnehmung besonders ins Gewicht. Mitunter tragen so genannte Trolle ihren Teil zur öffentlichen Wahrnehmung bei, indem sie falsche Behauptungen über Dritte aufstellen. Trolle bewegen sich vor allem in Diskussionsforen und Newsgroups, kann aber auch vorkommen, dass das Verhalten der Trolle sich im eigenen Blogverhalten wiederspiegelt, aber auch in Wikis und Chatrooms, auf Mailinglisten und Weblogs. Ziel eines Trolls ist es, Diskussionen um ihrer Selbstwillen auszulösen, ohne wirklich am Thema manchmal sogar den Eindruck, die Blogosphäre zu dominieren. In Wirklichkeit nehmen wir derlei Störfaktoren nur wesentlich stärker wahr. Persönliche Angriffe, gezielte Provokationen und Grenzverletzungen verbreiten sich nach dem Schneeballprinzip sehr schnell im Netz.

Es gibt viele Beispiele von Personen in der Blogosphäre, denen aufgrund von (unüberlegten) Kommentaren oder Blogeinträgen sogar öffentlich eine Profilierungsneurose und ein Anerkennungsdefizit zugeschrieben wird. Mit der Wirklichkeit muss das nicht unbedingt etwas zu tun haben.interessiert zu sein. Trolle verstoßen in der Regel gegen allgemein akzeptierte Kommunikationsregeln und wollen in erster Linie Aufmerksamkeit erhaschen. Wer versucht mit einem Troll zu kommunizieren, hat schon verloren, weil er diesen mit geistiger Nahrung (Aufmerksamkeit) füttert. Da sie gegen gemeinhin akzeptierte soziale Normen verstoßen, hinterlassen sie einen hartnäckigeren Eindruck als positive Botschaften. Deshalb erhalten sogenannte Motzblogger oder Trolle ihre Öffentlichkeit und erwecken.

Mario GrobholzDieser Artikel wurde von Mario Grobholz geschrieben.
Mario Grobholz ist Gründer und Ideengeber der myON-ID Media GmbH. Der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur entwickelte in den letzten 10 Jahren für führende Internet, Telekommunikations- und Medienunternehmen Internetstrategien und -konzepte. Seit 1999 plant und betreibt er erfolgreich Consumer-Portale und Social Networks u.a. bei WEB.DE, o2 und Eurosport.
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5 Kommentare für “Angst vor der negativen Macht der Blogger”

Wolff Horbach
29. September 2007 um 09:44

Mir fällt bei vielen Blog-Kommentaren auf, dass sie in ein Schwarz-Weiß-Denken verfallen. Einige sind sofort dafür. Andere sind dagegen. Und jeder holt die Argumente aus der Tasche, die die eigene Meinung bestätigen und die Gegenmeinung widerlegen.

Das ist ganz schlechtes Denken. Unzweckmäßig. Ineffizient.

Wie geht es denn besser? Ganz einfach mit der Methode PMI, die der geniale Edward de Bono http://www.edwarddebono.com entwickelt hat.

PMI steht für

Plus
Minus
Interessant

Plus bedeutet Positives. Was finde ich an der geäußerten Idee gut?

Minus bedeutet Negatives. Was gefällt mir an der Idee nicht? Worin sehe ich Nachteile?

Interessant ist weder positiv noch negativ, sondern neutral oder eben – interessant.

PMI hat den Vorteil, dass alle Seiten betrachtet werden und nicht nur die Seite die mir gefällt bzw. nicht gefällt. Wer sich angewöhnt, PMI möglicht häufig anzuwenden, wird bald bessere Ergebnisse erzielen. Wie sagte schon de Bono: “Die Qualität unseres Denkens bestimmt die Qualität unserer Leistungen”.

Das hat dann noch den Vorteil, dass man sich nicht mit unbedachter Kritik die eigene Reputation kaputt macht.

Wolff Horbach
29. September 2007 um 09:47

Noch ein Tipp: Mir fällt gerade auf, dass hier im Blog die Links in Kommentaren nicht sichtbar sind. Erst wenn man mit dem Mauszeiger drüber fährt. Vielleicht lässt sich noch etwas am CSS schrauben ;-)

myONID Blog » Digitale Identität II: Schubladendenken für die Marke
26. November 2007 um 08:11

[...] Daher ist es nicht nur für Organisationen, sondern auch für Einzelpersonen notwendig, sich um die Außenwahrnehmung Gedanken zu machen und sich mit dem Thema Reputation verstärkt auseinanderzusetzen. Letztlich [...]

Krusenstern
26. November 2007 um 10:45

Könnte es sein, dass dieser Beitrag bei der Publikation “verstümmelt” wurde? Oder ist die Argumentation von Klaus Eck tatsächlich so raffiniert, dass ich ihr nicht folgen kann?

abzocker
28. November 2007 um 02:06

Ja was soll man dazu sagen, Trolle gibt es nunmal überall und diese können durchaus imensen Schaden anrichten, gerade in der Blog Szene.

Ich habe irgendwo mal gelesen das einige US Blogger ein Script entwickeln das unsinnige Kommentare sprich Spam erkennt.
Leider habe ich gerade keinen Link zur Hand.

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